Der Zweckverband Kläranlage könnte am 31.¦Dezember Geschichte sein. Die Kläranlage in Brennet würde dann als Eigenbetrieb Abwasser der Stadt weitergeführt. So sehen zumindest die Pläne der beiden Zweckverbandspartner, Stadt Wehr und Abwasserverband Industrie, aktuell aus. Dies teilte der Verbandsvorsitzende, Bürgermeister Michael Thater, während der gestrigen Verbandssitzung mit.

1982 wurde der Zweckverband gegründet, um kommunales und industrielles Abwasser gemeinsam aufzuarbeiten. Das Abwasseraufkommen der beiden Partner war damals etwa gleich groß. Inzwischen hat sich das Verhältnis jedoch deutlich verschoben. Die Teppichfabrik Wehra und die Brennet¦AG produzieren nicht mehr, die ehemalige Ciba und heutige Novartis hat sich deutlich gewandelt. Der Zweckverband war eher eine Zweck- denn eine Liebesheirat, mitunter stritten beide Partner heftig. Auch, weil die Anlage in den Anfangsjahren nicht optimal arbeitete. Inzwischen wurde die Kläranlage optimiert, die Betriebsstatistik fällt von Jahr zu Jahr besser aus, wie auch der aktuelle Bericht von Betriebsleiter Frank Lückfeldt bestätigte.

Der Abwasserverband der Industrie beschloss bereits im Jahr 2013 seine Auflösung. Die kann jedoch erst vollzogen werden, wenn der Zweckverband mit der Stadt Wehr aufgelöst ist, so Heiko Gleixner, Vertreter der Industrieseite im Verband. Die Betriebe des Abwasserverbands wären dann einfach Kunden der Stadt Wehr. Rechtlich, finanziell und vertraglich sei die Trennung machbar, erklärte Thater. Allerdings müssten noch die Feinheiten geklärt werden und die beiden Seiten müssen sich über die Scheidungsmodalitäten einigen.

So möchten die Industriebetriebe der Stadt den Industriekanal überlassen, die ihn aber gar nicht will. Schließlich muss dieser auch unterhalten werden. Es ist also einfach eine Frage des Geldes, mit deren Beantwortung am Ende beide Seiten zufrieden sein müssen, damit es zur Auflösung des Zweckverbandes Kläranlage kommen kann. Oder: „Wenn es beiden Seiten wehtut, dann ist es ein guter Vertrag.“ So Michael Thater. Er machte bereits klar, dass das Abwasser für die Industriebetriebe künftig tendenziell teurer, für die Bürger dagegen tendenziell günstiger werde. Genaue Zahlen gebe es aber erst, wenn klar sei, wie die Kostenlast künftig verteilt wird und welche gegenseitigen Ansprüche sich eventuell aus der Auflösung des Zweckverbandes ergeben. Im Herbst wollen sich die Vertreter der beiden Seiten erneut treffen, um dann vermutlich einen Beschluss über die Auflösung zu fassen.