Gut aufgestellt präsentierte sich der Freundeskreis Städtepartnerschaften Wehr bei seiner jüngsten Hauptversammlung. Doch kaum, dass sich die in den letzten Jahren in Turbulenzen geratene Partnerschaft mit Bandol wieder zu normalisieren scheint, drohen die Beziehungen mit dem italienischen Nettuno in Schieflage geraten. Eine neue Herausforderung für den Vereinsvorstand, in den Elke Schulz-Thater als neue stellvertretende Vorsitzende gewählt worden ist.

Beziehungsprobleme sind dem städtepartnerschaftserprobten Wehr nicht unbekannt. Bei Vereinsmitglied und Bürgermeister Michael Thater hat bereits eine gewissen Gelassenheit Einzug gehalten. „Zurückhaltung aus Bandol, gerade nach einer Wahl, sind wir gewöhnt“, erklärte Thater. Umso begeisterter zeigten sich der Wehrer Bürgermeister und Vereinsvorsitzender Roland Fricker von den Jubiläumsfeierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Verschwisterung mit der südfranzösischen Partnergemeinde. Die Wiederbelebung der guten Beziehungen wird in zwei Terminen seinen Ausdruck finden.

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Vom 2. bis 7. September wird eine 50-köpfige französische Wandergruppe in Wehr weilen. Bei der Betreuung der Gäste aus Bandol baten Fricker und Thater um die Unterstützung durch Vereinsmitglieder und Bevölkerung, damit sich Wehr „von seiner besten Seite zeigen kann“, so Thater. Groß scheint auch das Interesse am traditionellen Bandol-Besuch zu sein, der im vergangenen Jahr abgesagt werden musste. Die vom 29. September bis 5. Oktober stattfindende Reise nach Südfrankreich sei bereits ausgebucht, wie Fricker bekannt gab.

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Keinerlei Vorwürfen sah sich in der Versammlung Schatzmeister Gerhard Kaiser ausgesetzt, der ein Minus vermelden musste. Angesichts eines „würdigen und grandiosen Jubiläums“, dürfe der Verein auch mal Geld ausgeben, erklärte Rathauschef Thater. In seiner Eigenschaft als Chef der Stadtverwaltung kündigte er außerdem an, dem Freundeskreis die Stadthalle für die diesjährige Weihnachtsfeier kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Schlechtes Verhältnis nach Italien

Während sich die deutsch-französischen Beziehung wieder normalisieren, scheinen nun im deutsch-italienischen Verhältnis Gewitterwolken heraufzuziehen. Gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Europa-Wahlen schlug Thater beim Thema Städtepartnerschaft Nettuno ernstere Töne an. Als „aktuell tot“ charakterisierte er die derzeit herrschende Kommunikation zwischen Wehr und der 50 000 Einwohner zählenden Stadt in der Region Latium.

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An seiner reservierten Haltung gegenüber dem italienischen Stadtoberhaupt, das dem europakritischen „Moviemento Cinque Stelle“ angehört, ließ Thater keinen Zweifel. Mit Applaus quittierte das Plenum die Aussage des Wehrer Bürgermeisters, dass „wir für dieses Europa einstehen müssen“. Von einem Boykott durch die Stadt Wehr wollte Thater auf Nachfrage der Presse aber nichts wissen. Eine gewisse Bereitschaft zur Kommunikation auch mit Menschen an rechten und linken politischen Rändern müsse gegeben sein, erklärte Thater. Er verweigere sich niemandem. Die reservierte Haltung aus Nettuno gegenüber der Städtepartnerschaft und der Stadt Wehr sei jedoch unübersehbar. Die weitere Entwicklung der Beziehungen könne derzeit noch nicht abgesehen werden. „Abwarten“, lautete der Rat des Wehrer Bürgermeisters.