Wehr/Öflingen – Jubiläen, Festakte und Einweihungen: Die Vereine aus Wehr und Öflingen hatten im zu Ende gehenden Jahr viel Grund zu feiern. Auf vielfältige Weise zeigten die Organisationen auch 2016, wie wichtig ihre Arbeit für das Gemeinwesen ist.

Große Feste gab es 2016 vor allem im Ortsteil Öflingen: Im Jahr nach dem Dorfjubiläum feierte der TV Brennet-Öflingen, der größte Sportverein Öflingens, sein 125-jähriges Bestehen im Juli mit einem dreitägigen Fest. Neben dem Festakt zeigte der Verein bei einem Familientag und einem Tag der Bewegung das ganze Spektrum des lebendigen Vereins.

150 Jahre wurde der Männergesangverein Eintracht Öflingen alt und feierte dies groß im Oktober: Vor allem der Galaabend mit den Mainzer Hofsängern strahlte weit über Öflingen hinaus.

Auf eine 125-jährige Geschichte kann die evangelische Kirchengemeinde Wehr zurückblicken, die über das gesamte Jahr ein umfangreiches Programm zusammengestellt hatte. Der Höhepunkt war zweifellos der Festgottesdienst, den der Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh gemeinsam mit den Pfarrern Peter Hasenbrink und Martin Rathgeber zelebriert wurde. Damit gedachten die Protestanten dem Bau der Erlöserkirche vor 125 Jahren, der Vorgängerin der Friedenskirche.

Eine Ehre und Herausforderung zugleich hatte die Wehrer Narrenzunft zu bestehen, die im Oktober Ausrichter des Narrenkonvents der Vereinigung Oberrheinischer Narrenzünfte sein durften. Rund 450 Narren aus dem Gebiet zwischen Dreiländereck und Ortenau erlebten die Wehrer Gastfeundschaft. Gefeiert hat auch die Bärenzunft: 60 Jahre wurde die Zunft und beschenkte zum eigenen Geburtstag die Burgruine Bärenfels: Auf deren Turm weht nun die badische Fahne.

Gleich doppelten Grund zur Freude hatte die Wehrer Feuerwehr: Sie bekam im Sommer endlich die schon lange gewünschte neue Drehleiter. Zusammen mit der Einweihung des neuen Sozialtrakts im Feuerwehrheim in der Austraße wurde dies Ende Oktober gefeiert.

Das Öflinger Jugendhaus, und damit die ganze Wehrer Jugend, durfte sich ebenfalls zwei Mal freuen: 30 Jahre wurde die Einrichtung alt – zum Jubiläum übergab die Stadt den Street Soccer Court, für den sich das Wehrer Jugendforum strak gemacht hatte.

Eine besondere Schlagzeile schrieb der FC Wehr: "Real Madrid kommt nach Wehr" schrieb unsere Zeitung damals. Gemeint waren damit nicht die Starkicker, sondern die weltberühmte Fußballschule der Königlichen, die in den Sommerferien gleich zwei Mal Station im Frankenmattstadion machte. Alle Plätze waren natürlich ruckzuck belegt.

Eine besondere Erwähnung verdient eine Organisation ohne Vereinsstatus: Mehrere Dutzend Ehrenamtliche engagieren sich seit Januar im "Netzwerk Integration" für die Flüchtlinge, hießen sie willkommen, gaben Sprachkurse und bemühten sich um ihre Integration. Das Netzwerk schrieb mehrfach postitive Schlagzeilen. Zuletzt mit einem Pilotprojekt, das vom Land Baden-Württemberg gefördert wird. Zwei Flüchtlingsunterkünfte wurden in diesem Jahr in Wehr und Öflingen bezogen. Rund 300 Menschen aus Kriegsgebieten in Syrien, aus dem Irak, Pakistan und Afghanistan bezogen im Laufe des Jahres die neue Unterkunft im Egerten sowie die Bayer-Häuser in Öflingen.

Einen neuen Verein im ohnehin schon facettenreichen Wehrer Vereinsregister gibt es seit Anfang Dezember: Der Verein "Miteinander-Füreinander" hat sich der Nachbarschaftshilfe verschrieben und bereichert das Gemeinwesen. Auflösen wird zum Jahresende hingegen der Verein "Bing", seit 2005 Trägerverein des Grundschulhorts an der Talschule. Der Hort selbst wird allerdings weiter bestehen – unter der Verantwortung der Stadt.

Die Verstorbenen des Jahres

  • Roland Arendt, Friseurmeister, ist im Juni im Alter von 64 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Beim FC Wehr war er mehrere Jahre Vorsitzender. In seiner Amtszeit holte er den FC Bayern München zu einem Spiel ins Frankenmattstadion nach Wehr – bis heute ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Roland Arendt spielte Tennis und war aktiv bei den Lauffreunden. Zehn Mal in Folge nahm er am Berlin-Marathon teil. Mit der gleichen Ausdauer engagierte sich Roland Arendt im Berufsverband der Friseure – sowohl regional als auch landesweit. Noch im März war er vom Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks für seine Verdienste mit der Ehrennadel in Silber ausgezeichnet worden.
  • Gregor Jeck, Stadtrat, ist im Juni an den Folgen eines Unfalls verstorben. Gregor Jeck gehörte als Fraktionsmitglied der Freien Wähler dem Wehrer Gemeinderat nur drei Jahre an – und doch hat er die Diskussionen am Ratstisch geprägt: Gregor Jeck gehörte stets zu den Aktivposten; er selbst machte keinen Hehl daraus, als Querdenker und Provokateur zu gelten, der auch mal unbequeme Fragen stellte. Viele Jahre war er Mitglied des katholischen Pfarrgemeinderats St. Ulrich, vier Jahre lang dessen stellvertretender Vorsitzender. Auch in der CDU hatte er in den früheren Jahren einen Vorstandsposten inne, bevor er nach der Parteispendenaffäre sein Parteibuch zurückgab.
  • Konrad Rebis, Versicherungsmakler, ist im August nach schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren verstorben. Rebis hatte sich insbesondere auch in der Vereinswelt der Stadt Wehr viele Verdienste erworben. Beim FC Wehr hatte er über viele Jahre mehrer Funktionen inne: Er war Jugendleiter, stellvertretender Jugendleiter sowie Trainer von Jugendmannschaften. Darüber hinaus war Konrad Rebis Mitte der 90er Jahre Vorsitzender des Hauptvereins. Als Mitglied der Hexenzunft war er ein bekanntes Gesicht der Wehrer Fasnacht. Erst vergangenes Jahr war er vom Verein für 30-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet worden.
  • Dietmar Eisfeld, Komponist, starb im Juni wenige Wochen vor seinem 87. Geburtstag. Vor allem mit dem Lied „Im Wehratal bin ich geboren“ hat sich Eisfeld einen Namen gemacht. Das Stück gilt heute als Wehrer Hymne, das wie viele seiner Melodien wahren Kultstatus erreichte. Der Titel seines bekanntesten Liedes täuscht: Geboren wurde Dietmar Eisfeld in Sachsen-Anhalt, er kam 1953 über Berlin und Grenzach nach Wehr. Er lernte alemannisch und begann Gedichte und Lieder in Dialekt zu texten. Ein Vierteljahrhundert gehörte er den Viertelschlotzern an, die viele seiner Lieder in ihr Repertoire aufnahmen. Hymnenstatus erreichte auch das bekannte „Säudätsch-Lied“.
  • Bruno Henle, Elektromeister, verstarb im August im Alter von 67 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. Kaum einer prägte die Öflinger Fasnacht so wie der langjährige Präsident und Ehrenpräsident der Narrenzunft Öflingen. 1978 bis 1992 amtierte Henle, organisierte zwei Narrentreffen und das 75-jährige Jubiläum der Zunft. Bruno Henle gilt als einer der Väter des Öflinger Suserfests. Als Öflinger Urgestein engagierte sich Bruno Henle auch in zahllosen anderen Vereinen oder Organisationen – sei es im Pfarrgemeinderat, dem Gesangverein Eintracht oder dem Obst- und Gartenbauverein. 2009 verlieh ihm der Badische Chorverband für 40 Jahre aktive Sängertätigkeit das goldene Verbandsabzeichen. (job)