Es war eine ergreifende Totenklage um den 2014 verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado, die der Trompeter Reinhold Friedrich beim traditionellen Dreikönigskonzert in Wehr anstimmte. Diese "Predah" (Trennung) betitelte Komposition des 1945 geborenen Luca Lombardi war ein Kontrapunkt zu den vorwiegend barocken Werken, die der renommierte Trompeter bei seinem zweiten Auftritt in Wehr zusammen mit dem bekannten Organisten Bernhard Marx vorstellte.

Dieses Konzertprogramm hatte das Duo bereits in Freiburg und am Neujahrstag vor 900 Zuhörern in St. Blasien gespielt. Die Zahl der Besucher in der St.-Martins-Kirche war zwar bescheidener, doch die Anerkennung, mit der sie die Leistungen der Musiker quittierten, darum nicht geringer. Das zeitgenössische Solowerk für Trompete wirkte introvertiert, wie eine Meditation, und diesen Charakter unterstrich der Trompeter durch sein sensibles Spiel, seine delikaten Pianissimo-Passagen und die diversen Klangfarben, die er seinem Instrument abgewann.

Auf gewohntem Terrain bewegte sich das Duo mit den Barockwerken. Das bekannte Konzert in D-Dur von Johann Friedrich Fasch war ein Bravourstück: Das Allegro mit dem markanten tonleiterartigen Thema forderte zur Entfaltung des glanzvollen Trompetentons geradezu auf. Begleitet von Bernhard Marx, zeigte Reinhold Friedrich eine hervorragende Interpretation mit perfektem Ansatz, völlig sicher und klangschön in den Höhenlagen und mit brillant fokussierten Spitzentönen. Im Largo zeigte er seine Fähigkeit zu weichem, kantablem Spiel, und in ähnlicher Weise gab es auch in der viersätzigen G-Dur-Sonate von Jean-Baptiste Loeillet Passagen, die die menschliche Stimme nachzuahmen schienen.

Im Schlusssatz glänzte der Solist mit schnellen, wirbelnden Läufen, und er verstand es stets, die Melodie durch kleine, improvisierte Verzierungen auszuschmücken. Auch das berühmte Konzert in D-Dur von Telemann bot dank seiner eleganten Melodien und der souveränen Aufführung einen ungetrübten Hörgenuss.

Eine feste Stütze im Repertoire von Kirchenkonzerten ist das Orgelwerk Bachs, aus dem Bernhard Marx das Präludium mit anschließender Fuge in C-Dur (BWV 545) zu Gehör brachte. In vollem Register erstrahlte das Laufwerk des Präludiums, und die Regelfuge spielte er bei allem organistischen Schwung stets transparent, mit deutlicher Herausarbeitung der Stimmen.

Quasi als Nachklang der Weihnachtszeit hatten die Musiker zwei Variationswerke über Weihnachtslieder ins Programm aufgenommen. Aus dem 18. Jahrhundert stammte die Komposition von Louis-Claude d'Aquin, in der das Thema durch verschiedene Klangfarben, Triller und umspielende Läufe bereichert wurde, während Eugène Gigouts Rhapsodie die Mittel der Romantik, also eine komplexere Harmonik, starke dynamische Kontraste und freie Zwischenspiele, ausgiebig nutzte. Eine Rarität ausgegraben hatte das Duo in Gestalt der Musik zum Offertorium aus der Feder des Padre Davide da Bergamo. Mit Charpentiers "Te Deum" als Zugabe verabschiedete sich das Duo vom Publikum.