Die Aufarbeitung der Bleibelastung des Baugrundstücks der Diakonie in der Kreuzmattstraße wird nach Ansicht der Anwohner nicht mit der gebotenen Transparenz betrieben. Dies sorgt für wachsenden Unmut, wie Sven Wassenberg namens der Anwohner von Kreuzmattstraße und Knebelhalde darstellt. Unverständnis herrsche insbesondere über den Umgang der Bauherrin Diakonie und des Landratsamts mit wichtigen Informationen in dieser Sache. Die Forderung der Anwohner: „Das Damoklesschwert über unseren Köpfen, betreffend Vermögens- und Gesundheitsbedenken, gilt es nun durch Aufklärung abzulegen“, so Wassenberg. Die Anwohner behalten sich dabei auch die Gründung einer Bürgerinitiative und das Hinzuziehen einer rechtlichen Vertretung vor. Der Vorsitzende des Diakonievereins, Rainer Kaskel, war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Es mangelt an Detailinformationen

Viele Aussagen, die im Zuge der Aufarbeitung der Vorgänge rund um das mit Blei belastete Grundstück getroffen wurden, seien nicht dazu angetan, Vertrauen in die Umweltbehörde oder auch in die Bauherrin Diakonie zu fördern, bringt Wassenberg die Stimmung in der Anwohnerschaft unverblümt auf einen Nenner. „Bisher wurde alles schön und weich geredet“, kritisiert er auf der Facebookseite, unter der sich Anwohner inzwischen zusammengefunden haben. „Viel heiße Luft“ sei zum Besten gegeben worden, ohne dass die Informationen mit Fakten unterlegt worden seien. Nach Ansicht der Anwohner ein unhaltbarer Zustand.

Enttäuscht zeigen sich die Anrainer vor allem auch von der Diakonie als Bauherrin, die versucht habe, das Ausmaß der Problematik herunterzuspielen, so Wassenberg. Von sozialer Verantwortung oder gar einer transparenten Kommunikation, wie man sie von einem sozialen Unternehmen erwarte, sei das Vorgehen der Diakonie jedenfalls weit entfernt.

So wurde die Diakonie zwar laut dem Pressesprecher des Landratsamts, Michael Swientek, damit beauftragt, die Anwohner vor Beginn der Aushubarbeiten über die festgestellte Bleibelastung zu informieren. In der Einladung zu der Veranstaltung am 27. April, die unserer Zeitung vorliegt, wird aber eben diese brisante Thematik mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen ist die Rede von der „Vorstellung des neuen Wohnheims“ und einem „gegenseitigen Kennenlernen“. Aufgrund des frühen Veranstaltungsbeginns um 17 Uhr, sei es ihm und vielen anderen Anwohnern nicht möglich gewesen, an der Veranstaltung teilzunehmen, räumt Sven Wassenberg. Allerdings sei auch im anschließend versandten Informationsschreiben nicht in der gebotenen Deutlichkeit auf die Brisanz der gefundenen Schadstoffbelastung hingewiesen worden, so die Anwohner. Die Information sei nicht einmal direkt zu jedem Anwohner in der Kreuzmattstraße gelangt. Die Bewohner der Knebelhalde hätten gar nichts von der Veranstaltung mitbekommen. Überhaupt mangle es auch in dem Infoschreiben, das unserer Zeitung ebenfalls vorliegt, an Details. Der Umstand, dass bei Messungen eine Bleibelastung festgestellt wurde, wird zwar eingeräumt, allerdings erfahren die Anwohner nichts über das Ausmaß. Auch die Aussage, dass „weniger belastetes Material unter der Bodenplatte belassen wurde, ist nicht wirklich beruhigend“, so Wassenberg weiter. Die Anwohner fordern genauere Zahlen zur Höhe der Belastung.

Hier könnte eine vom Landratsamt angekündigte Infoveranstaltung möglicherweise Abhilfe schaffen. Diese soll veranstaltet werden, sobald weiterführende Recherchen der Behörde abgeschlossen seien, wie Swientek jüngst ankündigte.

Zu wenig Sicherheitsvorkehrungen?

Eine ganze Reihe von Sicherheitsmaßnahmen werden in dem Informationsschreiben für die folgenden Aushubarbeiten angekündigt. Unter anderem heißt es darin auch: „Das Baugrundstück ist mit einem Bauzaun einzugrenzen.“ Dass die Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen seitens des Landratsamts kontrolliert wurden, bestätigte auch Michael Swientek. Sven Wassenberg hält dagegen: Diese Darstellung sei „nicht korrekt“, denn das Grundstück sei nicht eingezäunt worden. Ein Mangel, denn vor Bekanntwerden der Kontaminierung hätten viele Kinder auf dem Gelände gespielt, so Wassenberg.

Der Umstand, dass die Baufläche seit Baubeginn offen liege und das trockene Wetter zu Staubentwicklung geführt habe, sorge bei den Anwohnern für Verunsicherung. Denn wie hoch die Belastung des verbliebenen Erdreichs sei, sei unklar. Die Rede war lediglich von „weniger belastetem Material“.