Der Fall bleibt trotz zwei spontaner Zeugen und der überraschenden Aussage des Tatverdächtigen schwierig. Im Indizienprozess gegen eine 54-jährige Wehrerin und ihren 35-jährigen Sohn bestätigten die Aussagen von zwei Mitarbeitern der Kriminalpolizei Waldshut bereits von anderen Ermittlern gemachte Aussagen: Dass der mutmaßliche Einbrecher und Brandstifter durch das Kellerfenster eingestiegen ist, sei technisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich.

Die Auswertung des Navigationsgerätes widerlegte erneut bei der polizeilichen Vernehmung gemachte Aussagen des Angeklagten. Und zusammen mit den ausgewerteten Handydaten von Mutter und Sohn erhärtet sich der Verdacht, das mindestens eine weitere Person beteiligt war.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Die Aussage: Erstmals äußerte sich nun auch der Angeklagte, allerdings nur in sehr begrenztem Umfang. So legte der 35-Jährige Fotos aus dem Haus vor, um einen anderen möglichen Tathergang aufzuzeigen. Für eine Überraschung sorgten die bisher nicht erwähnten Fotos der mutmaßlich gestohlenen Schmuckstücke seiner Mutter sowie seiner verstorbenen Großmutter. Die Bilder habe er angefertigt, kurz nachdem der Lebensgefährte seiner Großmutter ihm den Schmuck als Teil des Erbes ausgehändigt hatte. Durch Zufall habe er die Bilder nun wiedergefunden. Kurzfristig wurde der Lebensgefährte der Großmutter einbestellt, um die Ketten, Uhren und Ringe zu identifizieren. Dieser konnte sich aber an keines der teils sehr auffälligen Stücke erinnern. Für Verwunderung sorgte eine Markenuhr auf einem der Bilder: Genau das gleiche Modell trug der Zeuge am Arm, seine damalige Partnerin habe hingegen kein solches Modell besessen. Weiterhin berichtete der Angeklagte vom Fund einer Mappe mit einem Kilogramm Gold. Dies habe er bei der Auflösung des Haushaltes seiner Großmutter gefunden. In einem Gespräch mit seinem Versicherungsmakler habe er dies erwähnt und nach Rat gefragt, wie man den Fund am besten lagere. Der kurzfristig als Zeuge einbestellte Versicherungsmakler aus Rickenbach konnte sich an ein solches Gespräch nicht erinnern.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Die Brände: Gleich zweimal brannte das Einfamilienhaus im Starenweg: Am 7. April 2016 und am 16. Juni 2017. In beiden Fällen wurden die Brände nachts durch gezielt im Haus verteilte und mit Benzin gefüllte Plastikkanister gelegt. 2016 begann der Brand im Keller und konnte so durch die Feuerwehren Wehr und Öflingen in gut zwei Stunden unter Kontrolle gebracht werden. Damals zahlte die Versicherung die Renovierungskosten von rund 60.000 Euro. Der zweite Brand begann im oberen Stockwerk, eine Holztreppe und der Dachstuhl sorgten für eine schnelle Ausbreitung. Neben den Feuerwehren Wehr und Öflingen war auch die Drehleiter aus Bad Säckingen im Einsatz. Am nun unbewohnbaren Haus entstand ein Schaden von 400.000 Euro, ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt. Durch die 13 Benzingebinde im Haus hätte aber schnell Schlimmeres passieren könne, so der Wehrer Feuerwehrkommandant Nicola Bibbo in seinem Jahresbericht.
  • Das Motiv: Als Hauptmotiv sieht die Leiterin der Ermittlungsgruppe „EG Kanister“ die Neuwertversicherung des in den 1950er Jahren gebauten Hauses: Die Versicherung hätte hier den kompletten Neubau übernommen. Zusätzlich gaben die Angeklagten bei beiden Bränden an, dass teure Wertsachen gestohlen wurden. Neben einem hochwertigen Fernseher, der sich später in einer anderen Wohnung der Angeklagten fand, soll Schmuck der Angeklagten sowie ein Kilo Gold gestohlen worden sein.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Die Anklage: Obwohl die beiden Bewohner während der beiden Brände nachweislich im Urlaub waren, deutete für die Ermittler vieles auf eine Beteiligung an den Bränden hin. Schließlich kam man aufgrund einer Vielzahl von Indizien zu dem Schluss, dass der Sohn mithilfe von mindestens einer weiteren, unbekannten Person die Feuer gelegt und einen Einbruchdiebstahl vorgetäuscht habe. In mindestens einem Fall sei von der Billigung der Mutter auszugehen. Anschließend hätten beide falsche Angaben über mutmaßlich gestohlenen Wertgegenstände gemacht. Am 28. Juni 2018 erhob die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen darum Anklage wegen versuchten Versicherungsbetrugs, Versicherungsmissbrauchs und Vortäuschung einer Straftat. Da die Angeklagte Eigentümerin des Einfamilienhauses ist, ist die Bandstiftung selbst in diesem Fall nicht strafbar.

Die Verhandlung

Die Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht wird am Dienstag, 5. November, um 9 Uhr im Amtsgericht Bad Säckingen fortgesetzt. An diesem voraussichtlich letzten Termin wollen sowohl Staatsanwalt also auch die beiden Anwältinnen ihre Plädoyers halten. Für die Urteilsverkündung rechnet Richterin Stefanie Hauser mit einer längeren Beratungszeit aufgrund des komplexen Falls.