Der Naturschutz treibt mitunter merkwürdige Blüten: War es im Wehrer Norden der Rotmilan, der dafür sorgte, dass zwei Drittel der Haseler Windräder monatelang tagsüber abgestellt werden mussten, ist es im Wehrer Süden die Zauneidechse, die für Aufsehen sorgt. Sie erinnern sich: Die Zauneidechse war schon beim Bahnprojekt Stuttgart 21 in die Schlagzeilen geraten. Denn diese geschützte Eidechsenart lebt vornehmlich im Schotter von Bahndämmen. In Stuttgart mussten zehntausend dieser Tiere deshalb umgesiedelt werden, ganz so selten scheint diese Art wohl gar nicht zu sein. 8600 Euro kostete das in Stuttgart. Pro Tier versteht sich.


In Öflingen, wo sich rund 20 Exemplare vom Damm der alten Wehratalbahn den Hang hinauf ins künftige Baugebiet Breit II ausgebreitet haben, ist die Stadt etwas günstiger davon gekommen: Rund 100 Euro kostete es pro Tier, ein neues Zuhause oberhalb des Baugebiets herzurichten. Just in dem Moment, als Umweltplaner Christoph Schmidt die Umweltmaßnahme der Presse erklärte, flog ein Vogel über das neue Habitat, in dem sich die 20 Eidechsen nun tummeln. "Und jetzt holt sie der Rotmilan", kommentierte Bürgermeister Thater mit scharfem waidmännischem Blick den Raubvogel-Anflug. Der Vorschlag, als dringend notwendige Eidechsen-Schutzmaßnahme nun ein paar Windräder an den Öflinger Hang zu stellen, kam bei den Beteiligten aber nur mäßig an.