Ernüchternd fallen die Anmeldezahlen der Wehrer Gemeinschaftsschule für das kommende Schuljahr 2018/2019 aus: Voraussichtlich 38 Kinder werden die fünfte Klasse besuchen. Nach den 55 Anmeldungen im vergangenen Jahr, als die Dreizügigkeit knapp verpasst wurde, ein herber Dämpfer für die Schule.

Über das Thema Schule wird in der Wehrer Bevölkerung teils heiß diskutiert. Längst ist die große Euphorie, mit der die neue Schulform 2014 an den Start ging, verpufft. Und auch hinter den Rathaustüren ist die Gemeinschaftsschule ein wichtiges Thema, wie Hauptamtsleiterin Yasemin Krause und Bürgermeister Michael unisono bestätigen. "Richtig ist, dass wir als Schulträger seit etwa einem Dreivierteljahr begonnen haben, uns gemeinsam mit der Schulverwaltung Gedanken über die Schulentwicklungsplanung zu machen", sagt Thater.

Öffentliche Diskussion

Das heißt: Wie es an der Wehrer Gemeinschaftsschule weitergehen soll und wie sie künftig tatsächlich den Bedürfnissen der Kinder entsprechen kann, rückt ins Zentrum der Betrachtung. Dabei sollen, gemeinsam mit dem Schulamt Lörrach, ganz unterschiedliche Ansätze angedacht, geprüft und diskutiert werden. Thater verspricht: "Wir werden in den nächsten Monaten mit diesem Thema in die öffentliche Diskussion gehen." Zentrales Ziel sei und bleibe die gute Schulentwicklung im Sinne der Wehrer Kinder.

Noch kein Schulleiter in Sicht

Aktuell sind es gleich mehrere Problemfelder, die die Schule beschäftigen. Eines davon: Noch immer hat die Schule keinen Schulleiter. Rektor Andreas Bosch hatte die Wehrer Gemeinschaftsschule zum Schuljahresende 2017 verlassen. Die kommissarische Leitung liegt seither in den Händen von Nikolas Knust.

Da dieser jedoch längerfristig ausfällt, hat das Schulamt Lörrach gehandelt und eine kommissarische Schulleitung ernannt: Petra Thiesen, die Knust bislang als eine von vier Lehrkräften im Schulleitungsteam unterstützt hatte, soll bis zu seiner Rückkehr nun die Geschicke lenken und dafür sorgen, dass die Schule handlungsfähig ist.

"Das war mir sehr wichtig, insbesondere jetzt zur Zeit der Anmeldung", so Thater. Eine Übergangslösung für ein Problem, dessen Lösung wohl noch in weiter Ferne liegt, wie Markus Adler vom Regierungspräsidium Freiburg erläutert. "Die neue Ausschreibung der Stelle des Schulleiters an der Gemeinschaftsschule in Wehr ist noch nicht erfolgt", erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Grund seien Formalitäten, die zunächst geklärt werden müssten. Da es sich bei der Besetzung um ein äußerst aufwendiges Verfahren handelt, sei auch bei zügiger Ausschreibung nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen, so Adler.

Mindestgröße ist kein Thema

"Mit 38 Kindern sind wir zweizügig und werden zwei fünfte Klassen bekommen, die auch nicht zu groß sind", kommentiert Bürgermeister Michael Thater das Ergebnis der beiden Anmeldetage. Das sei zunächst eine gute Nachricht. Auch das Erreichen der Schulmindestgröße sei kein Thema, denn dafür müssten in zwei aufeinander folgenden Schuljahren die Mindestklassengröße von 16 Schülern verpasst werden, wie Markus Adler vom Regierungspräsidium Freiburg erklärt.

Dennoch sei klar, dass Handlungsbedarf bestehe, wie Bürgermeister Michael Thater bestätigt. Dass die Gemeinschaftsschule seit der großen Euphorie bei ihrer Einrichtung im Schuljahr 2014/15, mehr und mehr an Attraktivität verliert, ist der Stadt Wehr als Schulträger bewusst, so Thater: "Wir beobachten die Entwicklung an der Gemeinschaftsschule bereits länger."

Abzug von Lehrkräften

Neben der vakanten Schulleitung ist der Abzug von Lehrkräften ein weiteres unangenehmes Thema für die Gemeinschaftsschule. Denn zwei Lehrkräfte der Wehrer Gemeinschaftsschule wurden Anfang des Jahres übergangsweise an andere Schulen versetzt. Die Abordnung der Lehrkräfte sei notwendig geworden, weil andere Schulen in der Region deutlich schlechter mit Lehrern ausgestattet seien, wie Schulamtsleiter Hans-Joachim Friedemann damals erläuterte.

"An dieser Situation hat sich meines Wissens nichts geändert", sagt Yasemin Krause, Leiterin des Hauptamtes der Stadt Wehr. Zwar sei die Schule noch immer zu 100 Prozent mit Lehrern versorgt und die Ganztagsbetreuung gewährleistet, doch Unterrichtsausfall am Nachmittag hatte jüngst bei Eltern Besorgnis ausgelöst und das Thema auch in eine Gemeinderatssitzung gebracht.

 

Chronologie der Schule

  • 1963 wurde an der Talschule Wehr erstmals ein Realschulzug eingerichtet. 1970 machte sich die Schule selbstständig und bekam 1976 auf der Zelg ein eigenes Gebäude. 1997 wurde die Schule durch einen Neubau erweitert, der gemeinsam mit der Zelgschule genutzt wird. Andreas Bosch war nach Hans-Martin Bratzel, Josef Strittmatter und Rolf Obergfell erst der vierte Rektor.
  • Das Duo Bratzel/Bosch entwickelte mit der Schule ein neues Profil, das auch in der Umbenennung in „Walther-von-Klingen-Realschule“ erkennbar wurde. Im pädagogischen Bereich führten die beiden Neuerungen ein, wie beispielsweise Lernateliers, in denen die Schüler individuell lernen können. Damit ebneten sie den Weg zur Gemeinschaftsschule, die zum Schuljahr 2014/15 mit großer Euphorie startete. Schon ein Jahr zuvor, zu Beginn des Schuljahrs 2013/14, wurde Andreas Bosch Schulleiter für den nach Tiengen gewechselten Hans Martin Bratzel.
  • Mit der Gründung der Gemeinschaftsschule wuchsen die Haupt- und Werkrealschule, die Zelgschule mit der Außenstelle in Öflingen und die Realschule zu einer einzigen Schule mit nur einer Leitung zusammen. Diese übernahm nach dem Weggang von Andreas Bosch kommissarisch Nikolas Knust. Während seiner aktuellen Abwesenheit leitet nun Petra Thiesen die Schule kommissarisch.
  • Einen Dämpfer erlebte die neue Schulform 2016, als sie nach einem massiven Rückgang der Anmeldungen auf 39 nur knapp die Zweizügigkeit erreichte. Ein Jahr später gab es 54 Anmeldungen für die fünfte Klasse, womit die Schule sogar wieder an der Dreizügigkeit kratzte. Aktuell sind es 38 Anmeldungen für das kommende Schuljahr.