Die Arbeit des Wehrer Kulturamtsleiter Johannes Wölfl beginnt Früchte zu tragen, die sich sehen lassen können. Mit einer Theateradaption von E.T.A Hoffmans Kriminalnovelle „Das Fräulein von Scuderi“ (1819) ging am Samstagabend im Trausaal des Wehrer Rathauses ein Experiment über eine bewusst sparsam und bescheiden gehaltene Bühne, das seine Wirkung auf die 35 Theatergäste nicht verfehlte.

Eine beeindruckende Vorstellung des Theaters Baden-Baden mit Michael Laricchia und Désirée Ly fand im Trausaal des Wehrer Rathauses statt.
Eine beeindruckende Vorstellung des Theaters Baden-Baden mit Michael Laricchia und Désirée Ly fand im Trausaal des Wehrer Rathauses statt. | Bild: Hrvoje Miloslavic

Wenn sonst Theaterhäuser eine Aufführung mit 35 Gästen als katastrophalen Theaterabend verbuchen müssen, durfte sich der Wehrer Kulturamtsleiter mehr als bestätigt fühlen. Die bewusst klein und einfach gehaltene Inszenierung im Trausaal wusste eine Intensität zu entfalten, die bei eingefleischten Theaterfreunden kaum Wünsche offenließ. Dabei erlebte das Publikum kein Theaterspiel im herkömmlichen Sinne. Umso intensiver gestalteten sich dafür das Erlebniss einer inszenierten Lesung, in der der Hauptdarsteller Michael Larricchia unter Assistenz von Désirée Ly mit eindrucksvoller Gestik und Mimik, rhetorischer Brillanz und einer schauspielerisch eindrücklichen, minutiösen Herausarbeitung der von E.T.A Hoffmann ersonnen Charaktere zu brillieren verstand.

Gewinnbringend aufgelockert wurde die Vorstellung durch den Einsatz einer Videoinstallation und Audioeinspielungen. Auch Humor bewies das Theater Baden-Baden, als zur Passage über Pariser Giftmorde die Assistentin dem Publikum Kostproben einer verdächtig erscheinenden, grünlichen Flüssigkeit reichte.

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Fraglos wäre das von Wölf initiierte Theaterformat eine enorme Bereicherung für das Wehrer Kulturprogramm. Gleichwohl: Ob dies neben eingefleischten Theaterfreunden auch neues Publikum angelockt wird, wie ein sichtlich zufriedener Kulturamtsleiter im Anschluss an eine sehr gelungene Aufführung erklärte, wird abzuwarten sein. Die verkürzten, hoch verdichteten und bescheiden inszenierten Versionen abendfüllender Literaturwerke in Kombination mit hohen Anforderungen an die Aufnahmebereitschaft des Publikums setzt auch eine genauere Kenntnis von Werke voraus. Das Publikum quittierte Wölfls Experiment jedenfalls mit großem Lob: „Die spartanische Kulisse lenkt nicht vom Wesentlichen ab und gibt trotzdem Impulse“, begeisterte sich Ingrid Bißwurm.

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