Aus über 277 Einsendungen hat sich eine Fachjury, bestehend aus den Künstlerinnen Lilot Hegi, Kitty Schaertlin und Elena Romazin, am Ende für genau 15 Preisträger des diesjährigen Lothar Späth-Förderpreises entschieden. Zwei Monate nachdem sie ihr Urteil gefällt haben, gaben die Organisatoren nun am gestrigen Montag im Rahmen einer Pressekonferenz die Gewinner bekannt. Angeführt wird die Siegerliste von "Selbst-Antwort an Martin", ein auf Leinwand angefertigtes 70 mal 50 Zentimeter großes Bild von Yasmin Calabietti, welches die Jury aus einer Einrichtung der Lebenshilfe Tübingen erreicht hatte.

Genau wie die anderen Teilnehmer ist auch Yasmin Calabietti geistig behindert und genau wie die anderen 14 Gewinner wird auch sie am Samstag, 8. Juli, die Chance haben, die weltbekannte Musikerin Anne-Sophie Mutter kennenzulernen. Die Wehrer Ehrenbürgerin nimmt in diesem Jahr die Übergabe des vom früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth ins Leben gerufenen Preises in die Hand. Als Mitorganisator der Veranstaltung freut sich Kulturamtsleiter Reinhard Valenta darüber besonders. Denn: Anne-Sophie Mutter werde neben den mit 500, 300, 200 und 100 Euro dotierten Preisen sicher auch ihre Stradivari-Violine im Gepäck haben, verriet Valenta.

Es ist nicht der einzige erfreuliche Nebeneffekt von Hungers Engagement. Valenta berichtete, dass die Anzahl der eingesendeten Bilder in die Höhe geschossen sei, nachdem bekannt geworden war, dass die Streichmusikerin an der Preisverleihung beteiligt sein würde. "Dieses Mal haben uns etwa 50 Einsendungen mehr erreicht als im vergangenen Jahr", sagte der Kulturamtsleiter.

Bis zur Preisverleihung und der anschließenden Ausstellung der Siegerbilder im Juli werden diese in einem Archiv im Untergeschoss der Gemeinschaftsschule aufbewahrt. Achtklässler Julian Nehls hat im Rahmen der Schülerfirma EmO dabei geholfen, die Kunstwerke zu verpacken und katalogisieren. "Mein Favorit hat leider nicht gewonnen", gab er zu. Trotzdem freut er sich schon auf die Preisverleihung. Seine Mitschülerin Chantal Kriseleit war an der Vorbereitung der Jury-Sitzung beteiligt und hilft jetzt bei der Organisation der Vernissage: "Ich glaube, dass ich jetzt schon viel gelernt habe", sagte sie. Der betreuende Lehrer, Benjamin Schiele, konnte dem nur zustimmen. Er freut sich darauf, dass seine Schüler bald schon die Möglichkeit haben werden, im Rahmen der Verleihung mit den geistig behinderten Preisträgern in Kontakt zu kommen.

Die Preisträger

Neben Gewinnerin Yasmin Calabietti von der Lebenshilfe Tübingen dürfen sich Frank Lohmann vom St. Josefhaus/Rheinlandpfalz und Juliane Amann von der Malwerkstatt der Zieglerschen Wilhelmsdorf über die Plätze zwei und drei freuen. Mit dem Zonta-Preis, der jeweils an eine weibliche Künsterlin geht, wird Franziska Fiedler, ebenfalls von der Malwerkstatt der Zieglerschen, ausgezeichnet. (das)