Geht das Chorsterben in Wehr weiter? Nach dem Ende des Männergesangvereins „Eintracht“ Öflingen und der Auflösung der Wehrer Gesangsgruppe „Vierteleschlotzer“ könnte dem Chor der evangelischen Kirchengemeinde das gleiche Schicksal blühen. Es sei denn, es wird bald ein Ersatz für die scheidende Dirigentin Walburga Beising gefunden.

Die 19 Jahre lang amtierende Chorleiterin hat sich nämlich diese Woche in der letzten Singstunde von den 22 Kirchensängern und Kirchensängerinnen verabschiedet. „Wir werden jetzt erstmal eine Pause einlegen“, wie die Vorsitzende Rita Theiler vor versammelter Mannschaft verkündete, und Ausschau halten nach möglichen Nachfolgern.

Dass sich die Suche sehr schwer gestalten wird, verhehlte sie nicht. Kirchenmusiker, insbesondere Dirigenten, ob weiblich oder männlich sind sehr rar. Gerade für kleinere Chorgemeinschaften. Gibt es keine Bewerbungen, will man das Amt für evangelische Kirchenmusik in Baden einschalten und dort um Hilfe und Rat bitten. Erste Kontakte seien bereits geknüpft, wie Pfarrer Peter Hasenbrink von der Wehr-Öflinger Kirchengemeinde bei der weltlichen Abschiedsfeier im Saal der Friedenskiche sagte.

Als Katholikin im evangelischen Chor

Der kirchliche Akt der Verabschiedung von Walburga Beising wird im Januar 2020 erfolgen. Gemeinsam mit der Neukonstituierung der in diesem Monat neu gewählten Kirchenältesten und der Entlassung der bisherigen. Pfarrer Hasenbrink fand sehr lobende Wort für die Arbeit von Walburga Beising. Die gläubige Katholikin am evangelischen Dirigentenpult hat einen wichtigen ökumenischen Dienst getan und mit dem Gesang das Lob Gottes verkündet „das uns als Christen tief verbindet“.

Sie habe Vertrauen und Hoffnung in die Herzen singen lassen und damit in der langjährigen musikalischen Tätigkeit viele Kirchenbesucher berührt und erfreut. Walburga Beising wird weiterhin als Organistin in der katholischen Kirche in Schwörstadt tätig bleiben. Für dieses, inzwischen 25-jährige Engagement, wurde sie Anfang dieses Jahres vom Erzbistum Freiburg geehrt.

Im April 2001 nahm Beising in der Wehrer Friedensgemeinde ihren Dienst auf. Nach kurzer Probezeit wurde sie im Mai fest engagiert. Viele schöne gemeinsame und auch gute Jahre seien die fast zwei Jahrzehnte gemeinsamer Arbeit gewesen, wie die Chorvorsitzende Rita Theiler sagte. Man habe nicht nur gesungen, sondern auch Geselligkeit gepflegt. Musikalisch sei Nachhaltiges und Einprägsames einstudiert worden. Es gab unter ihrer Stabführung schöne Kirchenliteratur zu hören, oft begleitet von Vokalsolisten und Instrumentalisten. Walburga Beising scheiden zu sehen, erfülle alle mit Wehmut und großer Dankbarkeit.

Die Geehrte wählte zum Abschied ein Zitat aus der Bibel: „Alles hat seine Zeit“. Für sie sei jetzt das Ende dieses Zeitabschnittes gekommen. Als sie anfangs vor dem Chor stand, war sie noch in der Ausbildung gewesen und kurz vor der Dirigentenprüfung gestanden. Bei diesem Chor die Chance zu bekommen sich musikalisch artikulieren und weiterbilden zu können, empfand sie als Glücksfall. Beising ging schließlich noch auf einige Höhepunkte ihres Schaffens ein. Die absolute Krönung war die 100-Jahrfeier, die der Chor in diesem Jahr begehen konnte. 

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