Ein Knistern liegt in der Luft, diese ganz besondere Vorfreude während einer ganz besonderen Zeit im Jahr. Die Tische sind festlich mit Zweigen, Kugeln und Kerzen geschmückt, an der Wand funkelt ein kleiner Weihnachtsbaum. Rund 30 Menschen sitzen zusammen, kichern, lachen oder beobachten still die kleine Bühne vor ihnen.

Eine besondere Krippe: Am Adventstisch feiern Bewohner und Mitarbeiter jeden Tag eine kleine Adventsandacht. Das Ensemble wächst jeden Tag um ein weiteres Teil, so Andrea Arzner-Wodetzki.
Eine besondere Krippe: Am Adventstisch feiern Bewohner und Mitarbeiter jeden Tag eine kleine Adventsandacht. Das Ensemble wächst jeden Tag um ein weiteres Teil, so Andrea Arzner-Wodetzki. | Bild: Julia Becker

Wir sind im Dietrich Bonhoeffer Haus der Öflinger Diakonie, der Tagesbetreuung des Hauses der Diakonie. Die Menschen hier sind geistig und körperlich teils schwer behindert – und sie feiern außerordentlich gerne. Das weiß Andrea Arzner-Wodetzki am besten. Die gebürtige Kölnerin leitet die Einrichtung für tagesstrukturierende Angebote und Maßnahmen (TSAM), zusammen mit ihrem Team hat sie die Weihnachtsfeier organisiert. „Den ganzen Advent steigern wir uns langsam“, erklärt Andrea Arzner-Wodetzki. An einem Tisch wächst die Krippe mit jedem Tag um ein Teil, umkreist von einer in der Bibel zwar nicht erwähnten, dafür aber heiß geliebten Spielzeugbahn.

Eine besondere Weihnachtsfeier: Die rund 35 Menschen mit Behinderung feiern gemeinsam mit den Mitarbeitern in der Tagesstätte TSAM bei Kaffee und Weihnachtsgebäck.
Eine besondere Weihnachtsfeier: Die rund 35 Menschen mit Behinderung feiern gemeinsam mit den Mitarbeitern in der Tagesstätte TSAM bei Kaffee und Weihnachtsgebäck. | Bild: Julia Becker

Jeden Tag hat dieser Zug bislang ein Gedicht mit dem Namen eines der Bewohner geliefert, das dieser dann der Gruppe vortragen hat. An diesem Freitag ist nun der letzte Tag im TSAM für dieses Jahr. „Manche Bewohner besuchen ihre Familien und Freunde, andere werden besucht“, weiß Arzner-Wodetzki. Der Heilige Abend wird dann im kleinen Kreis in der Wohngruppe gefeiert. Dank dem Bewohner Hans-Jürgen Stephan und mit Unterstützung durch den Hausmeister sind alle Wohngruppen auch schon mit Weihnachtsbäume versorgt.Nun tut sich etwas auf der Bühne: Heidrun Meyer und Manfred Rosenow sitzen als Hirten verkleidet auf dem Felde, mit ihnen Jaqueline Kaufmann als Schaf. Es ist der Moment der Verkündigung und schon steht Christa Lembke als Engel neben den Beiden. Bei den Dialogen gibt es noch Unterstützung durch die Betreuer im Hintergrund, die Schauspieler sind mit vollem Herzen dabei. Genauso wie ihr Publikum, das gebannt das Geschehen verfolgt. Der Weg zum Stall ist dank des Sterns, gehalten von Tobias Schattmeier schnell gefunden. Noch größer wird die Freude, als Hans Loritz seine Drehorgel heran schiebt. Gesungen werden die Weihnachtslieder mal laut und mal leise, mal gesummt und mal ganz textsicher, mancher bleibt ganz ruhig und andere hält es kaum auf dem Stuhl – eben jeder auf seine Art und doch alle gemeinsam. Als Höhepunkt gibt es für jeden sein eigenes Tütchen mit Weihnachtsgebäck – dabei gibt es an Weihnachten wenig Streit, weiß Arzner-Wodetzki: Es ist eben eine besondere Zeit.

Ein besonderes Instrument: Hans Loritz sorgte mit seiner Drehorgel für viel Freude und eine ungewöhnliche Beugeleitung zu den gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern.
Ein besonderes Instrument: Hans Loritz sorgte mit seiner Drehorgel für viel Freude und eine ungewöhnliche Beugeleitung zu den gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern. | Bild: Julia Becker
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Das Haus Dietrich Bonhoeffer

  • Der Name: Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer war Teil des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus und wurde als NS-Gegner 1944 hingerichtet. Das ihm gewidmete Haus liegt nur wenige Schritte vom Haus der Diakonie in Öflingen entfernt.
  • Die Einrichtung: Seit 2012 gibt es die Einrichtung für tagesstrukturierende Angebote und Maßnahmen (TSAM). Etwa die Hälfte der rund 80 Bewohner arbeiten in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen der Caritas in Wallbach. Wer aufgrund seiner Erkrankung oder auch seines Alters noch nicht oder nicht mehr an diesem Angebot teilnehmen kann, wird hier gefördert. Neben dem großen Gemeinschaftsraum gibt es mehrere Gruppenräume, in welchen sich die Menschen mit Behinderung aufhalten können.
  • Die Angebote: In der Adventszeit werden sehr gerne Plätzchen gebacken, verrät Andrea Arzner-Wodetzki. Dazu kommen Therapieräume und ein kleiner Garten. Auch das Orchester des Hauses der Diakonie unter der Leitung von Musikpädagogin Luise Martin-Ruffing kommt hier zu Proben zusammen. In der eigenen Werkstatt werden unter anderem Kerzen gezogen und die beliebten Kaminanzünder aus Holzspänen hergestellt. Gemeinsam gefeiert wird auch wieder im neuen Jahr: Am 2. Februar gestaltet das Andachtsteam und die Besucher des TSAM gemeinsam eine Andacht über das „Vater Unser“ in der Friedenskirche in Wehr.

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