Bürger der Stadt erinnern sich dieser Tage an ein altes Gelöbnis. Abgelegt wurde es vor mehr als 150 Jahren im Ortsteil Niederwehr, im östlichen Teil der Stadt. Aus Dank, unbeschadet einem schwerem Unwetter mit Überschwemmungen entronnen zu sein, versprachen Niederwehrer, jährlich einen Bittgang nach Säckingen zu unternehmen.

Das Wegkreuz zwischen Breitmattstraße und Werrachstraße erinnert an die Überflutung Niederwehrs vor 170 Jahren.
Das Wegkreuz zwischen Breitmattstraße und Werrachstraße erinnert an die Überflutung Niederwehrs vor 170 Jahren. | Bild: Justus Obermeyer

Dieser mündete später in eine Gelöbnismesse in der Wehrer Kirche St. Martin. Über lange Zeit wurde diese Tradition gepflegt. Betroffene Bürger hielten damit die Erinnerung an die Naturkatastrophe wach und erzählten ihren Nachkommen von dem schlimmen Naturereignis im 19. Jahrhundert. Irgendwann riss die Kette und es wurde still um das Gelübde und das jährliche Gedenken.

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Das Kreuz aber beim Brunnen an der Ecke Wald-/Meierhofstraße ist als sichtbares Zeichen der Erinnerung geblieben. Als Anfang des Jahres das verwitterte Wegkreuz durch die Wehrer Kreuzretter saniert wurde, war es deren Wunsch und Anliegen, die Gelöbnismesse zukünftig wieder in den katholischen Kirchenkalender aufzunehmen.

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Der frühere Wehrer Heimatforscher Heinrich Kunzelmann, Hauptlehrer an der hiesigen Volksschule, ging in den 1950er Jahren dem Ursprung der Gelöbnismesse auf den Grund und befragte ältere Bewohner von Niederwehr. Besonders die Familie Heinrich und Hedwig Gallmann (Köhli) besassen detaillierte Kenntnisse über das Unglück. Deren Großeltern und Eltern hatten darüber erzählt.

Katastrophe bricht herein

An Christi Himmelfahrtstag brach die Katastrophe über die Menschen am Fuße des Waldberges herein. Nach großer Schwüle entlud sich gegen Abend über dem Wehratal ein Gewitter, wie es die Menschen hier noch nie erlebt hatten. Die Wolken lagen tief und schwarz über Wehr. Gebäude und Straßen waren nur noch schemenhaft zu erkennen. Unter Blitz und Donner entlud sich über dem Waldberg die ganze Wucht des Unwetters. In Minutenschnelle wurden die sonst harmlosen Waldbäche zu reißenden Flüssen. Die Wasser schossen über die Schlossstraße, den Wehragarten und die Waldstraße hinunter. Sie füllten die Keller der Häuser und rissen alles mit sich was nicht niet- und nagelfest war.

Flucht in die oberen Stockwerke

Vielen Bewohnern blieb nur die Flucht in die oberen Stockwerke. Dort versammelten sie sich zum Gebet, um den Schutzpatron der Wasser, den Heiligen Fridolin, um Hilfe zu bitten. Hier kam es auch zum Gelübde und dem Versprechen, weil während der Schreckensstunden weder Mensch noch Tier zu Schaden kamen. Über viele Jahre danach waren Säckingen und der Heilige Fridolin das Ziel der Niederwehrer Pilger. Der damalige Pfarrer Franziskus Lederle (1875 – 1891) beendete schließlich die Wallfahrt und ersetzte diese durch einen Bittgottesdienst in der Wehrer Kirche.