Ein Hochwasserrückhaltebecken an der Hasel soll in einigen Jahren das Flienken, den Zinken „Im Dörfle“ und möglicherweise auch das Juch vor Überschwemmungen schützen. In einer ersten Voruntersuchung eines Ingenieurbüros wurden bereits zwei Varianten untersucht, die zeigen, dass der Bau eines Rückhaltebeckens grundsätzlich möglich und sinnvoll ist. Nun sollen die Fachleute Details prüfen. Gleichzeitig will die Stadtverwaltung ein Planfeststellungsverfahren einleiten. Der Bau eines solchen Beckens wäre dann ab 2020 denkbar.

Vor vier Jahren veröffentlichte das Land die Hochwassergefahrenkarten und sorgte in vielen Gemeinden für Stirnrunzeln. Für sämtliche Kommunen des Landes wurde seinerzeit das Risiko von Überflutungen neu bewertet – mit folgenreichen Ergebnissen: So wurden beispielsweise einige Wehrer Wohngebiete großflächig mit „HQ 10“ klassifiziert – diese bedeutet, dass hier im Schnitt alle zehn Jahre mit einem Hochwasser gerechnet werden muss. Was zunächst dramatisch klingt, stellt sich auf den zweiten Blick deutlich harmloser dar: Denn die erwartete Wassertiefe in den im Überschwemmungsfall überfluteten HQ10-Gebieten beträgt in den allermeisten Fällen teilweise nur wenige Millimeter. Eine wirklich dramatische Gefahr ist dehalb kaum zu erwarten. Gleichwohl haben die Hochwassergefahrenkarten Folgen: Denn wenn ein Grundstück mit mindestens HQ 10 eingestuft ist, kann das Baurechtsamt eine Baugenhemigung verweigern, wenn der Bauherr nicht eine Sickergrube oder eine andere Überflutungsfläche schafft. Vor allem in bestehenden Wohngebieten, wo Baulücken geschlossen wurden, haben diese unerwarteten Hürden bereits mehrfach für Irritationen gesorgt.

Bild: Obermeyer, Justus

Eines der wenigen Gebiete in Wehr, die tatsächlich regelmäßig von Hochwasserfluten betroffen sind, ist der Bereich entlang des Haselbachs: Dazu zählt das Gebiet „Im Dörfle“ ganz im Norden, aber auch das Flienken, sowie das Juch, Teile des Enkendorfs bis in die Brunnmatt, wo die Hasel in die Wehra mündet. Vor allem der Engpass der Hasel im Bereich der Schopfheimer Straße führt hier leicht zu Überflutungen. Um diese Gefahr langfristig zu bannen, hat die Stadt nun einen ersten Schritt zu einem Hochwasserrückhaltebecken getan. Nördlich der Fischweiher soll dazu ein 145 Meter langer Erddamm aufgeschüttet werden. Der Abfluss soll maximal achte Kubikmeter pro Sekunde Wasser durchlassen, so dass die Hasel im Bereich Dörfle und Juch nicht mehr über die Ufer tritt. Nach Berechnung des beauftragten Ingenieurbüros hätte ein solches Becken ein maximales Fassungsvermögen von etwa 167 000 Kubikmeter und würde damit auch bei einem hundertjährigen Hochwasser genug Kapazität bieten, um Überschwemmungen zu verhindern.