Öflingen Dramatisches Defizit für den Dorfladen

Minus von 31 000 Euro im Geschäftsjahr 2017 Gemeinderat lehnt weiteren Zuschuss ab Genossenschaft stimmt trotzdem für Fortführung.

Mit einem Minus von 31 300 Euro hat der Öflinger Dorfladen das Geschäftsjahr 2017 abgeschlossen – trotz eines städtischen Zuschusses von 15 000 Euro. Diese dramatischen Zahlen stellten Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft den Mitgliedern bei der Hauptversammlung am Dienstagabend vor. "Wir sind selbst über diese Zahlen erschrocken", schilderte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Thater.

Im Vorjahr hatte der Fehlbetrag bei "nur" 24 000 Euro gelegen. Als Ursache für die dramatische Entwicklung sieht Thater in erster Linie den noch immer deutlich zu niedrigen Umsatz des Dorfladens. Die angestrebte 50 000 Euro-Marke, die der Laden zum Überleben braucht, wurde in elf von zwölf Monaten unterschritten. Insbesondere im zweiten Halbjahr 2017 kam es zu einem neuerlichen Umsatzeinbruch. Im Schnitt wurden da nur 40 000 Euro erreicht. "Ein Bedarf am Öflinger Dorfladen besteht offensichtlich nicht", so Thaters schmerzhafte Analyse des von Steuerberater Michael Eckert vorgestellten Jahresabschlusses. "Die Zahlen lügen nicht, sie sprechen eine sehr eindeutige Sprache", machte Thater den Genossenschaftsmitgliedern klar: "So können wir nicht weiter machen."

Auch die bereits vorliegenden Zahlen des laufenden Jahres geben kaum Hoffnung auf eine Besserung: Mit einem Umsatz von 34 000 Euro wurde im Januar der vorläufige Tiefpunkt erreicht. Im Schnitt wurden – trotz aller Bemühungen, das Steuer noch enmal herumzureißen – in den ersten fünf Monaten nur 37 500 Euro eingenommen. Für einen Laden dieser Größe mit den entsprechenden Fixkosten sei dies viel zu wenig, so Thater. Schon jetzt sei für 2018 ein Minus von 18 000 Euro aufgelaufen. Insgesamt trägt die Genossenschaft nun einen Verlustvortrag von 60 000 Euro mit sich herum (Stand Ende 2017).

Kein Zuschuss vom Gemeinderat

Besonders dramatisch ist dies, weil der Wehrer Gemeinderat in einer nicht-öffentlichen Sitzung im Mai einen erneuten Zuschuss an die Genossenschaft abgelehnt hat. "Das hat mich enttäuscht", so Thater, der als Aufsichtsrat in der Gemeinderatssitzung befangen war, deshalb selbst kein Stimmrecht hatte und auch bei der Abstimmung nicht dabei sein durfte. "Ich habe mir sagen lassen, dass es eine knappe Entscheidung war", so Thater. Stadträtin Sabine Kramer-Rempe erläuterte, warum die Mehrheit der Gemeinderäte keinen Zuschuss mehr geben wollte: Seien in den ersten beiden Jahren die Zuschüsse als einmalig gesehen worden, fürchteten einige Gemeinderat nun, dass nun "jedes Jahr Geld reingebuttert" werden müsse. Nach den vorgelegten Zahlen reiche auch der beantragte 15 000 Euro Zuschuss nicht, um den Dorfladen in schwarze Zahlen zu führen. "Der Gemeinderat hat sich die Entscheidung aber nicht leicht gemacht", so Kramer-Rempe.

Liquidation oder Fortführung

Die Konsequenz aus den schlechten Zahlen: "Wir müssen die Reißleine ziehen, sonst droht uns die Insolvenz", so Thater. Den Genossenschaftsmitgliedern schlug er die beiden Alternativen "Auflösung der Genossenschaft" und "Fortführung" vor. Bei Vorstand und Aufsichtsrat herrsche "eine gewisse Ratlosigkeit, wie wir in der bestehenden Konstellation die Genossenschaft in schwarze Zahlen führen können." Eine wesentliche Bedingung für die beiden Organe, sei, dass sich unter den Genossenschaftsmitgliedern mindestens fünf Freiwillige finden, die bereit sind, im erweiterten Vorstand mitzuarbeiten.

Neue Gesichter für den Vorstand

Nachdem André Langbein zum 31. Mai seinen Rücktritt erklärt hatte, bilden derzeit Regula Weber-Gfeller und Daniela Klausmann alleine den Vorstand. Ehrenamtlich und unentgeltlich leisten sie unzählige Arbeitsstunden. "Wir haben als Aufsichtsrat eine Fürsorgepflicht", stellte Thater klar, dass er ohne zusätzliche Unterstützer eine Fortführung des Ladens nicht vorschlagen werde. Tatsächlich erklärten sich fünf Freiwillige bereit: Katharina Hinnenberger, Birgit Kiefer, Katharina Steiert, Imma Annecke-Hein und Dieter König wollen ab sofort im Laden ehrenamtlich mithelfen, Hinnenberger und Kiefer erklärten sich sogar zur Übernahme eines Vorstandsamts bereit. Neu in den Aufsichtsrat wurde Klaus Frey gewählt, der Carola Mülhaupt ersetzt, die auf eigenen Wunsch ausscheidet. Die übrigen Aufsichtsratsmitglieder Michael Thater, Siegfried Griener, Rita Leber und Gabriele Schuberth wurden wieder gewählt.

Dorfladen in neuen Räumen?

Nach intensiver Diskussion votierten die rund 80 anwesenden Genossenschaftsmitglieder nahezu einstimmig für die Fortführung des Dorfladens. Auch eine Verkleinerung der Fläche in anderen Räumen wurde diskutiert. Dies sei eine Option, erklärte Thater, "wir haben das aber nicht nicht zu Ende gedacht." Eine andere Möglichkeit sei, sich weitere Partner in den Laden zu holen, um das Angebot breiter aufzustellen, und die Fixkosten auf mehrere Schultern zu verteilen. Mit Applaus quittierten die Genossenschaftsmitglieder die spontane Zusage des Vermieterpaars Thomann, auf drei Monatsmieten – also insgesamt 6000 Euro – zu verzichten. Knackpunkt bleibt aber der Umsatz: "Wir müssen einkaufen, einkaufen, einkaufen!", appellierte ein Mitglied an die Versammlung. dem stimmten auch Vorstand und Aufsichtsrat zu. "Wenn wir dieses Jahr wieder mit einem solchen Verlust abschließen, werde ich ihnen die beiden Alternativen nicht mehr vorschlagen", so Thater. Dann sei eine Fortführung nicht mehr zu verantworten.

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