Wehr (js) Es war mal etwas Leichteres, Zugänglicheres, Unterhaltsames, keine schweren Beethoven-Quartette, sondern alles einschmeichelnd, was die vier EvangCellisten beim vierten Schlosskonzert in der Stadthalle boten. Unter dem originellen Titel „Vier Cellos für ein Halleluja“ (wer dächte da nicht an Westernmusik?) spielte die Formation im ersten Block Opernarien und im zweiten Weltmusik und Traditionals.

Also nicht das, was man mit dem Namen des Ensembles, der sich von der Evangelisten-Vornamen der Musiker ableitet, assoziieren würde: nämlich Kirchenmusik. Vielmehr hat es den Vieren die Oper angetan. Puccini ist ihr Lieblingskomponist, und weil der Italiener ein begnadeter Melodiker war, passen die Arien aus Tosca, La Bohème und Turandot bestens auf das singende Cello, das der menschlichen Stimme am nächsten kommt. Allerdings entgeht Puccini in den charmanten und gefälligen Bearbeitungen der Ensemblemitglieder nicht immer der Gefahr der Sentimentalität.

Aber das weiß auch Markus Jung, der das Cello in seiner Moderation als „Sentiment-Instrument“ bezeichnet. Das Weiche, Kantable, Warme des Celloklangs hat das Ensemble in der Blumenarie und der Habanera aus „Carmen“ und im Lied an den Abendstern aus „Tannhäuser“ weidlich ausgekostet. Wobei gerade die Carmen noch etwas mehr Pep vertragen hätte.

Dabei wechseln bei dieser Gruppe die Solostimmen von Cellist zu Cellist, jeder darf mal die Solo-Melodiestimme spielen: Es herrscht im Quartett ein demokratischer Geist. Übrigens waren die EvangCellisten nicht in der Originalbesetzung in Wehr angerückt, sondern mit einer Aushilfe: Alexey Shestiperov, mit dem sie oft spielen, fügt sich sehr gut in den Stil der Stammspieler Markus Jung, Hanno Riehmann und Mathias Beyer. Und der ist homogen im Ganzen, wenn man von einigen Intonationstrübungen absieht, die wohl der kurzen Probezeit geschuldet sind. Denn die Orchestermusiker sind in ganz Deutschland verstreut und machen sonst ihre gemeinsamen Projekte nur in den Sommerferien.

Neben den Bearbeitungen waren auch ein paar Originalstücke darunter, gerade im Weltmusikblock, wo es einige musikalische Souvenirs gab, keltisch-irische, englische, chinesische, südamerikanische und spanische. Unterhaltsam war die Südamerikanische Suite mit Mambo, Samba und Paso Doble und die Rag Music von Udo Hartlmaier, mit dem sie gern zusammenarbeiten. Man konnte an diesem Abend nicht nur die wunderschöne Musik genießen und die verschiedenfarbigen edlen Hölzer der Celli bewundern, sondern auch die unterschiedlichen Klangfarben der Instrumente von hell bis dunkel hören. Nach jedem Stück gab es begeisterten Beifall für die Publikumslieblinge, die auf ausdrücklichen Wunsch der Abonnenten wieder nach Wehr gekommen waren und sich mit einem Tango für vier Celli und Benny Goodman-Swing verabschiedeten – bis zum nächsten Wiederhören.