War das die letzte Wiiberrätschede für Bürgermeister Michael Thater? Nein, die Wehrer Wiiber sind sich ziemlich sicher, dass ihr Michael als Sieger aus der bevorstehenden Bürgermeisterwahl hervorgehen und sie auch in den nächsten acht Jahren am Fasnachtsdienstag im Wehrer Rathaus empfangen wird. Daraus machten sie bei ihrem Sturm aufs Rathaus am Dienstag keinen Hehl.

Michael und seine Wiiber – 16 Jahre dauert diese Liebe nun schon an. Und so hatte Thater sogar gedichtet für die holde Weiblichkeit. „Ihr sin sooo schön“ und „wa sin ihr für ä Pracht“, machte der Rathauschef ihnen eine Liebeserklärung nach der anderen. Das ganze Jahr über gebe es nicht so viel Glanz im Rathaus. Wenn das die Rathausmitarbeiter mitbekommen. Kein Wunder, dass ihn seine Wiiber lieben.

Obwohl: Irgendwie wäre es schon an der Zeit, dass nach Jahrhunderten der Männerherrschaft eine Frau das höchste Amt in der Stadt übernehmen würde, erklärte Rätschede-Chefin Susanne Kallweit in ihrer Rede. Kürzlich habe sie Thater in der Mediathek getroffen, auf der Suche nach dem Buch „Der absolute Herr im Haus“. „Das steht da hinten in der Märchenabteilung“, habe er daraufhin von Mediathekmitarbeiterin Jetta Lorenz zu hören bekommen. Einstecken muss Thater Jahr für Jahr bei der Rätschede. Aber er tut es mit Würde und hat sogar Spaß dabei.

Aber irgendwie wäre es auch wieder komisch, wenn sie am Fasnachtsdienstag von einer Frau empfangen werden würden, stellte Kallweit dann doch fest. Diese Wiiber – sie wissen einfach nicht, was sie wollen. In diesem Jahr durften sie auf jeden Fall noch mal ihrem Michael die Regierungsgeschäfte über die Stadt aus der Hand nehmen und natürlich genossen sie ihren Tag.

Schon früh am Morgen machten sich die feinen Damen der Wehrer Gesellschaft, aber auch die Butzwiiber aus Öflingen – es heißt Butzwiiber und nicht Wöschwiiber, wie versehentlich im Text über den Wiiberklatsch in Öflingen geschrieben – auf den Weg, um der Stadt zu zeigen, dass an diesem Tag die Frauen die Macht innehatten. Der Sturm aufs Rathaus war nur eine von zahlreichen Stationen an diesem Tag. Überall sind sie gern gesehen und werden ungeduldig erwartet. Hier gibt es Maultaschen, dort gibt es Schmalzbrot, wieder woanders werden Wienerle gereicht. Und überall gibt es dazu natürlich Sekt. Ohne den geht Wiiberrätschede gar nicht. Auch nicht im Gasthaus "Krone", wo am Nachmittag wieder alle zusammenkamen, um den Tag feiernd zu verbringen. Zumindest, bis sich dann am Abend die Verbrennungsumzüge in Wehr und Öflingen auf den Weg machten, um die Fasnacht 2018 feierlich, aber natürlich auch traurig zu verbrennen.