Mehr Transparenz beim Neubau des abgebrannten Kindergartens Seeboden wünschen sich die Wehrer Stadträte – im Spagat zwischen Zeitdruck und der Entscheidung über ein Stadtbild prägendes Gebäude befürchtet vor allem Christoph Schmidt (FW), von der Stadtverwaltung vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

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  • Worum geht es? Zwei Wochen nach dem Brand regte Schmidt in der Gemeinderatssitzung an, die Stadträte an der Auswahl des Architekten zu beteiligen. Vergangene Woche teilte Bürgermeister Michael Thater mit, dass man den Wehrer Architekten Reiner Wenk beauftragt habe. Der Bau solle nach Möglichkeit auf der bisherigen Bodenplatte entstehen, zweigeschossig werden und in Holzbauweise errichtet werden. Diese Vorgaben sorgten nun nicht nur bei Christoph Schmidt für Irritation: „Ich hätte gerne vorher eine Aufstellung und Information zu den Vorgaben an den Architekten gehabt.“ Zustimmung gab es von Martina Meyer (FW) und Claudia Arnold (Grüne): „Es ist eine langfristige Entscheidung, wir müssen alle dahinter stehen.“ Mathias Scheer (FW) fasste die Stimmung an den Bürgermeister gerichtet zusammen: „Die Gemeinderäte wollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. So scheint es, dass Sie sich nicht reinreden lassen wollen.“
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  • Wie ist die Sachlage? In der Gemeinderatssitzung im Januar entschied der Gemeinderat einstimmig: „Die Verwaltung wird beauftragt, mit dem Abriss und dem Neubau des Kindergartens Seeboden ein geeignetes Architektenbüro zu beauftragen.“ Diese klare Handlungsanweisung habe man genutzt , so Thater. Außerdem habe immer die Möglichkeit bestanden, im Bauamt Auskunft über den aktuellen Stand zu bekommen. „In der Vergangenheit wurden die Architektenleistungen immer durch die Verwaltung vergeben. Der Ablauf war bisher wie bei allen anderen Kindergärten“, so Thater weiter. Die Vorgaben an den Architekten seien eng mit der Versicherung abgestimmt. Diese zahle nur, wenn man entsprechend des vorherigen Bestandes aufbaue. „Es gibt neue Anforderungen für Kindergärten, darum wird der Neubau 20 Prozent größer. Wegen des geringen Freigeländes ist darum nun ein zweigeschossiger Bau möglich“, sagte Thater. Die Holzbauweise habe er bereits bei der Einweihung des Kindergartens Bündtenfeld angekündigt. Die Vorgabe basiere auf der großen Zufriedenheit auch des Gemeinderats mit diesem schnellen und ökologischen Holzbau.
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  • Was sagen die Fraktionen dazu? Mit der Holzbauweise sei man einverstanden, so die Meinung der Fraktionsvorsitzenden. Die Wahl des Architekten Reiner Wenk war eine Überraschung: Nach dem Lob für den Kindergarten Bündtenfeld haben viele mit einer anderen Entscheidung gerechnet. Alle Fraktionen hätten sich mehr Informationen vorab gewünscht, auch wenn klar ist, das schnelles Handeln angebracht sei.
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  • Claudia Arnold (Grüne): „Ich verstehe die Eile, mit der der neue Kindergarten gebaut werden muss“, so Arnold. Gerade deshalb seien frühzeitige Informationen wichtig, da sonst der Druck noch größer werde. „Ein Gegensteuern ist später schwierig. Darum ist es wichtig, dass wir als Gemeinderat so früh wie möglich eingebunden werden.“ Der Kindergarten stehe für lange Zeit, eine sachkundige Entscheidung sei darum auch auf lange Sicht wichtig. „Was ist, wenn die Pläne im März an dem Vorbeigehen, was wir wollen?“ Besser wäre es darum gewesen, vorher über die Eckdaten zu sprechen, sagte sie.
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  • Stefan Tussing (CDU): „Ich hätte mir gewünscht, mehr miteinbezogen zu werden“, so Tussing. Im Gespräch mit langjährigen Gemeinderäten habe er aber erfahren, dass dies auch in der Vergangenheit nicht immer erfolgt sei. „Die Verwaltung macht das gut, es muss eine schnelle Lösung gefunden werden“, so Tussing weiter. Eine Entscheidung des Gemeinderats mit der vorgeschriebenen Vorlaufzeit von zwei Wochen sei zu langsam. Zur Auswahl des Architekten sagte Tussing: „Es ist immer sehr gut gemacht worden, die hiesigen Architekten wurden gleichmäßig beachtet.“
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  • Karin Gallmann (SPD): „Es war allen bekannt, das es ruckzuck gehen muss“, so Gallmann. Dass der Zuschlag nun an Reiner Wenk ging, sei überraschend gewesen: Nach der Einweihung des Kindergartens Bündtenfeld habe sie damit gerechnet, das Peter Schanz den Neubau übernehmen würde. Dass die Abläufe diesmal schneller gehen müssen als bei bisherigen Bauten, sei klar. „Man hätte aber wenigstens mit den Fraktionsvorsitzenden darüber sprechen können“, so Gallmann, denn: „Was ist, wenn wir mit dem Plan nicht einverstanden sind?“ Jetzt sei es wichtig, die Zeitpläne einzuhalten: „In einer Ausnahmesituation muss man entsprechend handeln.“
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  • Hans-Peter Zimmermann (FDP): Mit der Beauftragung der Stadt im Januar habe man der Verwaltung eine Blankovollmacht erteilt. Er selbst war in der Sitzung nicht anwesend. „Was mir aufstößt: Es wurden gar nicht alle Wehrer Architekten gefragt.“ An der Kompetenz des nun beauftragten Reiner Wenk hegt der Immobilienfachmann Zweifel. Aber: „Bürgermeister Thater hat keinen Fehler gemacht. Der Gemeinderat hätte nach einem Angebot fragen sollen.“ Nun habe es seiner Meinung nach einen Beigeschmack, dass so schnell entschieden wurde. Genauere Informationen wären wünschenswert gewesen. „Ich verstehe die nötige Schnelligkeit und den Druck und kann der Verwaltung ausnahmsweise keinen Vorwurf machen. Und wir haben immer noch die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.“
  • Christoph Schmidt (FW) wollte sich außerhalb der Gemeinderatssitzung nicht zum Thema äußern.