Die Qual der Wahl hatten am Donnerstag Lilot Hegi, Elena Romanzin und Kitty Schaertlin bei der Auswahl der Preisträger für den Lothar-Späth-Förderpreis. 280 Künstler mit geistiger Behinderung aus 45 verschiedenen Einrichtugen hatten sich für den bekannten Kunstpreis beworben. Die Organisation des Wettbewerbs übernimmt auch in diesem Jahr wieder die Schülerfirma Emo der achten Klassen der Gemeinschaftsschule Wehr.

"In diesem Jahr ist es besonders schwer. Es sind richtig viele, richtig tolle Werke dabei", sagt Elena Romanzin. Überrascht von der großen Vielfalt war auch die neue Jurorin Kitty Schaertlin: "Von textilen Werken über Zeichnungen mit Pastell oder Graphit bis hin zu Kollagen und Mischtechniken ist wirklich alles dabei." Zusammen mit der ständigen Jurorin Lilot Hegi bewerten die Künstlerinnen die Werke unter rein künstlerischen Kriterien, nicht als Bilder von Menschen mit geistiger Behinderung. Eine wertschätzende Betrachtung, die sicher auch zur großen Popularität des Preises beiträgt: Fast hundert Künstler mehr als im vergangenen Jahr haben diesmal ihre Werke eingeschickt.

Drei Haupt- und zehn Anerkennungspreise werden vergeben, erklärt Ulrich Delhey von der Hanna und Paul Gräb-Stiftung. Zusätzlich werde noch ein Sonderpreis für einen lokalen Künstler vom Verein Kunst und Diakonie gestiftet sowie ein Preis für eine weibliche Künstlerin vom Zonta Club Südschwarzwald. Aber nicht nur für die Künstler selbst ist der Preis etwas ganz Besonderes: "Auch die Schüler kommen so, manche vielleicht zum ersten Mal, mit Kunst und auch mit Menschen mit Behinderung in Kontakt und tragen ihre Erfahrungen weiter an Familie und Freunde", freuen sich Lilot Hegi und Elena Romanzin über das erfolgreiche Projekt. Lob für die engagierten Schüler gab es auch von Schulleiter Andreas Bosch. Insgesamt sind es in diesem Jahr knapp 50 Schüler aus den beiden achten Klassen, die zusammen mit ihren vier Lehrern als Schülerfirma EmO den Förderpreis komplett betreuen und organisieren.

Zur Preisverleihung werden die Gewinner am 8. Juli in der Stadthalle erwartet, die Preise überreicht Anne-Sophie Mutter. Nach dem Tod des Stiftungsgründers Lothar Späth im März 2016 freue man sich sehr über die Zusage der Geigerin und Wehrer Ehrenbürgerin, so Ulrich Delhey. Als Vorsitzender der Hanna und Paul Gräb-Stiftung sowie Vertreter des Lothar Späth Förderpreises wäre er sicher nicht der einzige, der sich über die Musikerin als ständige Laudatorin freuen würde.

Der Preis

Der Lothar Späth Förderpreis für malende Künstler mit geistiger Behinderung wurde 2006 vom ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth ins Leben gerufen. Behinderteneinrichtungen aus dem Bundesgebiet und der Schweiz werden jährlich eingeladen, Bilder nach Wehr zu schicken. Seit 2014 wird der Preis durch die Lothar Späth-Stiftung vergeben, welche von Lothar Späth und der Stadt Wehr gegründet wurde. Der Förderpreis wird finanziell unterstützt von der Lothar Späth-Stiftung und der Hanna und Paul Gräb-Stiftung. Weitere Informationen gibt es im Internet (www.lothar-spaeth-foerderpreis.de und www.hanna-und-paul-graeb-stiftung.de).