Männer und Frauen – oder auch Frauen und Männer. Wie auch immer. Das Geschlechterverhältnis ist ein dankbares Thema, können Theatermacher und Kabarettisten doch stets aus dem Vollen schöpfen. So wie Marina Tinz und Peter Buchenau, die am Freitagabend in Brandls Kulturscheune im Wehrer Enkendorf mit ihrem Programm „Männerschnupfen„ für einen unterhaltsamen Abend sorgten.

Um es vorwegzuschicken: Es war ein ganz und gar unfairer Abend. Das inzwischen auch durch zahlreiche wissenschaftliche Studien mit unbestreitbaren Fakten belegte Martyrium, das Männer bei grippalen Infekten durchlaufen müssen, wurde rücksichtslos im Geschlechterkampf argumentativ ins Feld geführt – das war nicht nett. Aber dafür umso lustiger, wie ein bestens aufgelegtes Publikum in der Kulturscheune zeigte. Lautes Auflachen so mancher Dame in den Zuschauerreihen legte nahe, dass das Problem zu Hause gar nicht so unbekannt zu sein scheint. „Je mehr Testosteron, desto großer das Aua“, stellten Buchenau und Tinz fest. Doch mit der Immunabwehr sei es gerade in Wehr so eine Sache, lästerte Buchenau. „Von einer guten Abwehr kann auch der FC Wehr nur träumen.“

Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandls Kulturscheune.
Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandls Kulturscheune. | Bild: Hrvoje Miloslavic

Ausgehend vom guten alten Männerschnupfen wurden die Sketche und kabarettistischen Dialogen zwischen Peter Buchenau und Marina Tinz zu einer kurzweiligen Generalabrechnung zwischen „jagenden Männern“ und „sammelnden Frauen“. Den Ausgang der Auseinandersetzung vorherzusehen, war natürlich nicht schwer. „Männer haben die Hosen an, die Frauen sagen ihnen aber, welche sie anzuziehen haben, so die „weisen“ Worte Martina Tinz.

Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandls Kulturscheune.
Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandls Kulturscheune. | Bild: Hrvoje Miloslavic

Die aus dem Musical „Happy Landing„ bekannte Darstellerin wusste auch als furchteinflößende Sensenfrau sowie als wenig mit Empathie gesegnete und mit dem Habitus einer russischen Domina auftretende Medizinerin Dr. Drill genüsslich auf männlichen Urängsten herumzutrampeln. So verschreibt Dr. Drill bei Männerschnupfen auch schon mal Moorpackungen, damit sich „Männer schon mal an die feuchte Erde gewöhnen können“. Als pädagogische Maßnahmen empfiehlt sie, sehr zum Entsetzen Buchenaus, einen Wehensimulator. Viel gefruchtet hatte der Abend beim männlichen Bühnenakteur allerdings nicht. Gefragt nach den drei magischen Worten, die Frauen hören wollen, um glücklich zu sein, entpuppt sich Buchenau als Totalausfall: „Ich war‘s nicht“, „Ich bin schuld“, „Du hast Recht“ – dreimal voll daneben.

Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandl‘s Kulturscheune.
Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandl‘s Kulturscheune. | Bild: Hrvoje Miloslavic

Den Comedy-Olymp der deutschen Theater- und Kabarettszene konnte die Vorstellung „Männerschnupfen„ zwar nicht erklimmen. Dem Anspruch eines unterhaltsamen Theaterabends mit einer überzeugenden schauspiereichen Leistung wurden Peter Bucherau und Marina Tinz alerdings voll gerecht.

Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandl‘s Kulturscheune.
Peter Buchenau und Marina Tinz unterhielten das Publikum in Brandl‘s Kulturscheune. | Bild: Hrvoje Miloslavic

Zum Gelingen eines gemütlichen und geselligen Abends trug einmal mehr die Familie Brandl bei, deren kulinarisches Begleitprogramm sich bereits voll im Herbst- und Wintermodus präsentierte. Reichlich Gebrauch machten die Gäste vom Kürbiscreme- und Gulaschsuppe. Sehr zur Freude derjenigen Gäste, die angesichts der großen Ticketnachfrage auf den zusätzlich aufgestellten Stühlen außerhalb der Scheune Platz genommen hatte, stand Glühwein auf der Getränkekarte.