Kinder aus der ganzen Welt kommen in der Vorbereitungsklasse (VKL) der Wehrer Gemeinschaftsschule zusammen. Unter der Leitung von Benita Hasselblatt wird gemeinsam vor allem Deutsch gelernt und die neue Heimat entdeckt.

Eigentlich ist es eine ganz normale Klasse, die sich in Benita Hasselblatts Unterrichtsraum pünktlich eingefunden hat. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Altersunterschiede zwischen den Jungen und Mädchen doch etwas größer sind: In der VKL-Klasse der Gemeinschaftsschule Wehr lernen aktuell 19 Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 16 Jahren aus zwölf Nationen gemeinsam die Grundlagen für das deutsche Schulsystem.

Gemeinsam lernen, was für den Besuch der Schule in Deutschland nötig ist: In der VKL-Klasse von Benita Hasselblatt an der Wehrer Gemeinschaftsschule lernen 19 Kinder aus zwölf Nationen die Grundlagen.
Gemeinsam lernen, was für den Besuch der Schule in Deutschland nötig ist: In der VKL-Klasse von Benita Hasselblatt an der Wehrer Gemeinschaftsschule lernen 19 Kinder aus zwölf Nationen die Grundlagen. | Bild: Julia Becker

Sehr unterschiedliche Voraussetzungen

Neben Flüchtlingen aus Syrien, Irak, Türkei, Georgien und Palästina besuchen auch Kinder von Migranten den Unterricht. Stark vertreten ist hier der Balkan mit dem Kosovo, Mazedonien, Kroatien und Bosnien, aber auch Kinder aus Nicaragua, Spanien und Italien sind dabei. Entsprechend unterschiedlich sind die Schulbiografien, erklärt Benita Hasselblatt: "Von Analphabeten, die noch gar kein Deutsch können, bis hin zu Schülern, die bereits sehr gute Sprachkenntnisse haben und zur Einstufung hier sind, ist alles dabei."

Es gäbe auch Schüler, die aus dem Regelunterricht zurückkommen, etwa wenn deutlich wird, dass die Fragestellungen nicht richtig verstanden werden. Andere besuchen bereits den regulären Mathematikunterricht, bekommen aber noch Sprachförderung in der VKL-Klasse.

Schüler bleiben in Kontakt

Ziel ist immer die die Teilnahme in den Regelunterricht, so Hasselblatt. Gewechselt werden kann jeweils zum Halbjahr. Auch danach bleibe der Kontakt: "Die Schüler bauen schon eine enge Bindung auf und besuchen mich gerne, um von ihren Fortschritten zu berichten." Auch mit den anderen Lehrern sei der Kontakt eng. So kann Hasselblatt weiter unterstützen, etwa durch zusätzliche Übungsaufgaben. "Die Kollegen sind sehr froh darüber, dass es die VKL im Gegensatz zu vielen Nachbarorten bei uns noch gibt."

Lehrerin Benita Hasselblatt sagt über ihre Klasse: "Manchmal denke ich, ich habe die beste Klasse überhaupt!"
Lehrerin Benita Hasselblatt sagt über ihre Klasse: "Manchmal denke ich, ich habe die beste Klasse überhaupt!" | Bild: Rolf Reißmann

Als Richtwert braucht es zehn Schüler, um mit Landesmitteln eine solche Klasse einzurichten, so die Pressesprecherin des Kultusministeriums Christine Sattler auf Anfrage. Als Lehrer seien auch Quereinsteiger willkommen, wichtig seien Unterrichtserfahrungen im Bereich "Deutsch als Fremdsprache". Benita Hasselblatt selbst hat Gymnasiallehramt studiert, dann aber lange in der freien Wirtschaft gearbeitet. "Ich war mit meinem Mann viel im Ausland und habe oft Deutsch unterrichtet." Über den Helferkreis Rickenbach kam sie im Dezember 2015 in den Schuldienst und unterrichtet seitdem eine der aktuell 29 VKL-Klassen im Landkreis.

Der Bedarf an Vorbereitungsklassen sei sehr schwankend, tendenziell aber sinkend wegen der abnehmenden Flüchtlingszahlen, erklärt Schulamtsleiter Hans-Joachim Friedemann. So wurden 2017 noch 534 Schüler in 36 Klassen bei der Integration ins deutsche Schulsystem unterstützt. Im vorherigen Jahr waren es nur noch 452 Schüler, die vor allem in den Grundschulen gefördert wurden. Der Unterricht ist selten frontal, decke aber die gesamte Bandbreite ab, erklärt Hasselblatt. Je nach Können bekommen die Schüler unterschiedliche Aufgaben. „Es wird viel gesprochen, auch über die Heimatländer und die persönliche Geschichte“, so Hasselblatt.

Viele Gespräche

Der Unterricht sei selten frontal, decke aber die gesamte Bandbreite ab, erklärt Hasselblatt. Je nach Können bekommen die Schüler unterschiedliche Aufgaben. Oft helfen sich die Schüler untereinander. "Es wird viel gesprochen, auch über die Heimatländer und die persönliche Geschichte", so Hasselblatt. Auch soziales Verhalten und Konflikte sind ein regelmäßiges Themen, aber auch die ganz normalen Themen aller Kinder und Jugendlichen während der Pubertät. Insgesamt sei die Motivation hoch, die neue Sprache zu lernen, stellt Hasselblatt fest.

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Eine großen Schwierigkeit für die Kinder liege im Asylsystem selbst, erklärt Hasselblatt: Fast alle Flüchtlinge haben mehrere Stationen in Deutschland gehabt und mussten auch im Landkreis mehrfach umziehen. Dazu die schwierige Situation in den Heimatländern und die teilweise mehrjährige Flucht. Ein durchgehender Schulbesuch ist oft so nicht möglich gewesen. Trotz aller Herausforderungen möchte sie die Klasse nicht missen: "Manchmal denke ich, ich habe die beste Klasse überhaupt!"