Wenn Ende Juni Kulturamtsleiter Reinhard Valenta nach 29 Jahren in Ruhestand geht, hinterlässt er zweifellos große Fußstapfen. Füllen soll sie Frank Johannes Wölfl, der vom Gemeinderat im Dezember aus insgesamt 57 Bewerbern ausgewählt wurde, das Wehrer Kulturamt zu leiten. Seit 1. April arbeitet sich Wölfl bereits ein, bevor er die Amtsleitung zum 1. Juli ganz übernimmt. "Die dreimonatige Überschneidung ist kein Luxus, sondern fördert die Effektivität", erklärt Michael Thater die derzeitige Doppelbesetzung.

Und wie ist der erste Eindruck, den Frank Johannes Wölfl von Wehr gewonnen hat? "Für eine Stadt dieser Größe ist in Wehr unglaublich viel los", zeigt sich der 49-Jährige begeistert von dem breiten Kulturangebot. "Was Reinhard Valenta hier aufgebaut hat, ist ein ganz großer Batzen." Als er Anfang Dezember die Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen habe, sei er spontan sofort nach Wehr gekommen, um sich die Stadt genauer anzusehen. Nicht nur die Landschaft, auch die Gestaltung der Hauptstraße mit dem Bachlauf, den Skulpturen und Spielfiguren habe ihn beeindruckt und "sofort ein Wohlfühl-Moment vermittelt". Auch von der Wehrer Bevölkerung sei er sehr freundlich empfangen worden: "Ich bin Schwabe, ich kenne das anders", so der gebürtige Ludwigsburger schmunzelnd.

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"Der Blick von außen tut uns gut", sagt Michael Thater und erhofft sich dadurch auch Impulse für das Stadtmarketing. Wölfl könne "mit unverstelltem Blick die Stärken der Stadt erkennen und auch Dinge benennen, die noch nicht so gut laufen." Das Innenstadtmarketing und die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt sind deshalb auch Arbeitsschwerpunkte des neuen Kulturamtsleiters. "Ich will zeigen, dass die Wehrer auch stolz auf ihre Stadt sein können", erklärt Wölfl.

Für das Kulturprogramm hat Wölfl viele Ideen, die er gerne in den nächsten Jahren umsetzen würde – ohne allerdings das Bestehende in Frage zu stellen. Vor allem reizen ihn neue Spielorte, wie beispielsweise ein Konzert im Park, auf dem Schlössle oder etwas Experimentelles am Rheinufer. "Ich habe keine Angst vor Outdoor", will Wölfl neue Veranstaltungsformen wagen. Sein Motto: "Lieber erfolgreich scheitern, als es gar nicht probiert zu haben."

Dass Wölfl als früherer Regisseur und Theaterdisponent auch das Theaterprofil der Stadt wieder stärken will, ist kein Geheimnis. "Theater ist meine Leidenschaft", so Wölfl, der an der Kulturkooperation mit Schopfheim deshalb aber nicht rütteln will. Die Markgrafenstadt hatte das Theater-Abonnement übernommen, dies soll auch in Zukunft so bleiben. Wölfl schweben eher kleinere Akzente vor, "ein Programm von Wehrer für Wehrer". So will er versuchen, das Laientheater der Volkshochschule wieder zu beleben, um dann auch das von Markus Manfred Jung eigens für die Stadt geschriebene Walther-von-Klingen-Stück auf dem Schlössle zur Aufführung zu bringen. Auch Gastspiele anderer Laientheater-Gruppen kann er sich in der Wehrer Stadthalle vorstellen.

Zur Person

Frank Johannes Wölfl ist gebürtiger Ludwigsburger, Jahrgang 1969, und ein ausgewiesener Theater-Mann. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung als Industriekaufmann, um dann einige Jahre als freischaffender Photograph und danach als Theater-Regisseur zu arbeiten. Schon während des Studiums der Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim arbeitete er am Theater in Stuttgart. 2009 wechselte er ans Theater nach Baden-Baden, wo er als Chef-Disponent tätig war. Zwischen Mitte 2017 bis Ende 2018 war er Kulturreferent der hessischen Stadt Biedenkopf beschäftigt.

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