Die katholische italienische Gemeinde, die „Comunità Cattolica Italiana Sacri Cuori di Gesù e Maria“ der Stadt Leonberg, brachte am Sonntag in Wehr die Passion zur Aufführung. Es war sicher für die vielen Besucher ein ungewohnter Anblick auf dem Kirchplatz der St. Martinskirche und im oberen Stadtzentrum das Spiel vom Leiden und Sterben des Gottessohnes zu sehen. Denn dort spielte sich der lebendige Kreuzweg ab.

Für zwei Stunden erlebten die Wehrer und alle die von auswärts gekommen waren, eine beeindruckende und auch anrührende „Via Dolorosa“, den Weg Jesu vom Haus des Pilatus bis zur Todesstätte Golgotha. Nicht alle Stationen aus dem neuen Testament wurden freilich gespielt, das wären 14 gewesen. Gerafft wurden diese auf sechs, die bemerkenswertesten und den Christen geläufigsten wie Regisseurin Marianna Lo Raso erklärte. Vor drei Jahren hatte die 13 Jahre am Stuttgarter Theater tätige Italienerin, die auch noch Kindertheater an einer Grundschule macht, mit ihren Landsleuten in Leonberg die Passion von Christus einstudiert. Seither wird diese dort aufgeführt. Das nächste Mal an kommenden Karfreitag, 25. März. Jetzt kam die Gruppe auf Einladung der Familie Mandiello nach Wehr, um hier einige Sequenzen daraus zu spielen. In Italien seien diese Kreuzwegandachten mit Spiel noch immer weit verbreitet. Dieses italienische Brauchtum zu erhalten, darum bemühten sich viele Migranten auch in Deutschland, in Leonberg besonders. Was man für die Aufführungen brauche das wurde in Eigenarbeit hergestellt, wie Lo Raso erzählt.

Etwa die bunten für das damalige Judäa typischen Umhänge und Kopftücher, auch viele Requisiten, Schwerter, Lanzen, Schutzschilde und Kriegerstandarten, wie sie die römischen Soldaten trugen, dann das Kreuz, das Jesus schleppen musste, und ein zweites, speziell präpariertes, das dem Betrachter Glauben machen soll, daran hängt ein wirklich Gekreuzigter. Nur die Uniformen der Römer seien gekauft.

Mit fast 65 Teilnehmern kamen die Leonberger am Sonntag angereist. Mit dabei jede Menge an Kisten und Karton. Selbst eigene Mikros und die Beschallungsanlage fanden sich im Gepäck. Im katholischen Pfarrzentrum nahmen die Italo-Schwaben Quartier, dort zogen sie sich um und aßen zu Mittag. Bevor es zum gemeinsamen Gottesdienst in die St.-Martins-Kirche ging, der den Kreuzweggang einleitete, wurden noch Stell-, Lauf- und Sprechproben auf dem Kirchplatz durchgeführt. Spielleiterin Lo Raso überließ nichts dem Zufall. Absperrmaßnahmen waren mit der Feuerwehr abgesprochen. Auch wenn der Kreuzweg fast immer italienisch gesungen und gebetet wurde, sorgten Übersetzer, dass alle die wichtigsten Passagen dafür verstehen konnten, denn nicht wenige Deutsche schlossen sich der Prozession durch die Kirch-, Haupt- und Schopfheimer Straße an. Sehr beeindruckend die Szene vor Pilatus, wie Jesus zum Tode verurteilt wird und der Schlussteil mit dem Tod am Kreuz.