Zum Forstbetriebsplan 2020 gab hat es in der jüngsten Sitzung bei Stadtförster Georg Freidel vorsichtigen Optimismus und breite Skepsis bei den Gemeinderäten gegeben. Das von Freidel erwartete Defizit in Höhe von gut 38.000 Euro wurde von den Stadträten über alle Fraktionen hinweg als zu gering eingeschätzt. Beide Seiten haben Gründe für ihre Einschätzung aufgeführt: Der Borkenkäfer sei noch nicht überstanden und in Zeiten des Klimawandels könne auch zukünftig mit heißen und trockenen Sommern gerechnet werden. Hinzu komme die schwierige Situation auf dem Holzmarkt.

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Herausforderungen, die auch Freidel im Blick hat. „Ich rechne auch im nächsten Jahr mit Käfern und dementsprechenden zufälligen Nutzungen“, sagte er. Auch bei der Holzvermarktung sei keine Besserung in Sicht. Trotzdem sei man im Wehratal deutlich besser gestellt als in anderen Regionen, erklärte Freidel. Bereits bei der Waldbegehung der Gemeinderäte im Oktober hat der Stadtförster mit dem Leiter des Forstbezirks West, Markus Rothmund, die Schwierigkeiten, aber auch die Vorzüge des Stadtwalds erläutert.

„Wir sind hier mit einem blauen Auge davon gekommen weil wir eine gute Mischung haben. Das hat sich in diesen Dürrejahren bewährt.“ Der Wehrer Stadtwald bestehe zu einem Drittel aus Nadelholz, der Anteil von Fichten sei kontinuierlich reduziert worden. „Die Douglasien sind noch zu jung zum Fällen, werden jetzt aber vermehrt als Ersatz für die Fichte gepflanzt“, erklärte Rothmund.

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Auch die Weißtanne sei ein solcher Zukunftsbaum. Den größten Anteil am Stadtwald hat die Rotbuche mit 36 Prozent. Man setzte auf einen „bunten Strauß“ an Laubbäumen, so Rothmund. Man müsse sich auf eine andere Art Wald einstellen, so Freidel. Es werde keine schnurgeraden und gleichaltrigen Baumkolonnen mehr geben, sondern der Natur nachempfundenen Gruppenpflanzungen mit jungen und alten Bäumen.

Bei anhaltend niedrigen Preisen sei es denkbar, Waldflächen zeitweise sich selbst zu überlassen. Für die Vermarktung bliebe das „Containerholz“ der wichtigste Absatzmarkt, erklärte Freidel. In Deutschland und Europa sei die Nachfrage immer mehr gesunken, schon seit sieben Jahren geht das Wehrer Holz nach Asien. „Das wird auch im nächsten Jahr so sein“, so Freidel.

Fragen aus dem Gemeinderat gab es zur ab Januar anstehenden Neustrukturierung der Beförsterung im Land. Unter anderem übernimmt die Stadt wieder die Betreuung des Privatwaldes. „Wir haben hier noch keine Erfahrungen. Wie die Zusammenarbeit funktioniert, muss sich erst zeigen“, so Freidel. Er wird diese Veränderung nicht begleiten, er wechselt in ein anderes Revier.