Ein lautes Knattern schallt durch die morgendliche Stille in Öflingen. Im Graben neben dem Wirtschaftsweg hat sich eine Gruppe Männer versammelt, ausgerüstet mit Keschern, Eimer und hüfthohen Gummistiefeln. Es sind die Fischer des Angelsportvereins Wehr, die hier mit dem Fischzüchter Guenther Waßmer aus Zell im Wiesental unterwegs sind.

Video: Julia Becker

Ihr Ziel ist der Artenschutz und das Instrument dazu ist der Elektrokescher, dessen Generator mit dem Benzinmotor für den ungewohnten Lärm sorgt. „2017 haben wir das Bachforellenprojekt gestartet“, erklärt Matthias Ebi vom Angelsportverein.

Voller Körpereinsatz: Auf der Suche nach Bachforellen waren die Wehrer Fischer bis hoch nach Gersbach unterwegs. Hier kämpfen sich Stefan Berberich, Michael Groß und Winfried Eckert (von hinten nach vorne) durch das Unterholz im Gersbacher Brandbach.
Voller Körpereinsatz: Auf der Suche nach Bachforellen waren die Wehrer Fischer bis hoch nach Gersbach unterwegs. Hier kämpfen sich Stefan Berberich, Michael Groß und Winfried Eckert (von hinten nach vorne) durch das Unterholz im Gersbacher Brandbach. | Bild: Julia Becker

Fünf Jahre werden im Herbst Forellen aus den Seitenarmen der Wehra gefangen, beim Züchter vermehrt und dann in ihrem ursprünglichen Lebensraum ausgesetzt. Mit der selbst finanzierten Aktion will der Verein den Bestand der einheimische Bachforelle stärken. Das Elektrofischen sei die schonendste Art, die Tiere zu fangen, erklärt der Vereinsvorsitzende Winfried Eckert: Durch den Strom werden die Fische angelockt und leicht betäubt. Für das Elektrofischen muss der Verein hohe Auflagen erfüllen, von Schulungen bis zu Genehmigungen für jede Fangaktion.

Auswahl: Viele der Fische waren zu klein für die Nachzucht und wanderten zurück in ihre Bäche. Mit geschulten Blick prüft hier Winfried Eckert, ob die Fische im Kescher für die Nachzucht infage kommen.
Auswahl: Viele der Fische waren zu klein für die Nachzucht und wanderten zurück in ihre Bäche. Mit geschulten Blick prüft hier Winfried Eckert, ob die Fische im Kescher für die Nachzucht infage kommen. | Bild: Julia Becker
  • Warum ist die Bachforelle schützenswert? Der Sinn der Fangaktion zeigt sich bereits unterwegs an den Zuflüssen der Wehra. Die Lebensbedingungen sind hier optimal für Forellen, das kühle Wasser sprudelt über die Steine und nimmt viel Sauerstoff auf, am Rand gibt es reichlich Bewuchs, um sich zu verstecken. Biologische Untersuchungen zeigten zuletzt, dass auch genügend Beutetiere für den Raubfisch vorhanden sind.
Genau hinsehen: Selbst in den unscheinbarsten Bächlein findet Fischzüchter Guenter Waßmer (links) noch Bachforellen. Michael Groß trägt dabei die Ausrüstung für den Elektrokescher, Stefan Berberich steht bereit, um gefangene Bachforellen zur Transportbox zu bringen.
Genau hinsehen: Selbst in den unscheinbarsten Bächlein findet Fischzüchter Guenter Waßmer (links) noch Bachforellen. Michael Groß trägt dabei die Ausrüstung für den Elektrokescher, Stefan Berberich steht bereit, um gefangene Bachforellen zur Transportbox zu bringen. | Bild: Julia Becker

Doch als sich die Fischer Bach um Bach das Wehratal hoch arbeiten, steht ihnen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: „Eigentlich sollten auf 20 bis 40 Metern Bach auch 20 bis 40 Fische sein“, so Eckert im Krebsbach. Gefangen habe man aber nur zwei Tiere. Über die Gründe hierfür lasse sich allenfalls spekulieren, so die Fischer. Allerdings sei die Bachforelle durchaus empfindlich gegenüber hohen Temperaturen und aufgewirbelten Schlamm. Zudem konkurriere die schneller wachsende Regenbogenforelle mit der einheimischen Bachforelle ums Futter.

Mitgenommen: Die für die Nachzucht in Frage kommenden Fische werden in einer rund 400 Liter fassenden Box transportiert. Über den Schlauch kommt Sauerstoff ins Wasser.
Mitgenommen: Die für die Nachzucht in Frage kommenden Fische werden in einer rund 400 Liter fassenden Box transportiert. Über den Schlauch kommt Sauerstoff ins Wasser. | Bild: Julia Becker
  • Was passiert mit den gefangenen Bachforellen? Züchter Guenther Waßmer nimmt die Forellen mit in seine Zuchtanlage in Mambach bei Zell im Wiesental. Hier können sich die Tiere vom ersten Schreck erholen. Ist der Fisch soweit, können der Laich der weiblichen Tiere und die Milch der männlichen Fische abgestreift werden. Die Elterntiere werden dann wieder ausgesetzt. „Im Schnitt hat ein Fisch 50 bis 100 Eier“, erklärt Waßmer.

Die empfindlichen Eier können sich dann beim Züchter in einem vom Angelsportverein finanzierten Brutschrank optimal entwickeln. Auch die Jungfische sind hier vor Fressfeinden geschützt. Nach zwei bis drei Monaten sind die Fische etwa fünf Zentimeter groß und werden im Frühjahr ausgesetzt werden.

Ausnahmefisch: Dieses Prachtexemplar fanden die Fischer in Gersbach. Normalerweise leben die kleineren Jungtiere in den Seitenarmen, größere Bachforellen wandern in die Wehra ab.
Ausnahmefisch: Dieses Prachtexemplar fanden die Fischer in Gersbach. Normalerweise leben die kleineren Jungtiere in den Seitenarmen, größere Bachforellen wandern in die Wehra ab. | Bild: Julia Becker