Wehr "Demokratie ist uns sehr wichtig"

Auf einen Kaffee mit....Leopold Freiherr von Schönau-Wehr und Miriam Freifrau von Schönau-Wehr. Seit Mai residieren sie auf dem Eichbühlhof. Im Gespräch berichten sie von ihren Plänen und von der Bedeutung der Religiosität in ihrem Leben.

Sie sind beide bei München aufgewachsen und leben erst seit kurzem hier. Vermissen Sie die Großstadt?

Leopold Schönau: Wir sind mit unserer Hochzeit im Mai auf den Eichbühlhof gezogen. Ich habe vorher im Investmentbanking gearbeitet und meine Frau als Vorstandsassistentin in einer Beratung. Unsere Stellen haben wir gekündigt und damit einen klaren Cut gemacht. Wir waren uns einig, dass wir beide auf dem Land leben wollen, und unser jetziges Haus kenne ich ja bereits seit meiner Kindheit sehr gut. Früher haben wir jeden Sommer zusammen mit der Familie hier verbracht und die Zeit sehr genossen sowie die Region sehr schätzen gelernt.

Miriam Schönau: Ich kann mit Überzeugung sagen, dass wir es noch keinen Tag bereut haben, hierher gezogen zu sein und vor allem sind wir mit einer besonders herzlichen Wärme empfangen worden, was uns sehr glücklich macht. Zudem habe ich schon immer einen starken Bezug zur Natur gehabt, und hier ist ein Flecken Erde, der seinesgleichen sucht.

Sie tragen einen in der Region sehr bekannten Namen. Inwieweit beeinflusst sie dies?

Leopold Schönau: Ich sehe es als großes Privileg, den Namen der Stadt Wehr als Teil meines Namens führen zu dürfen. Meine Eltern und mein Großvater haben mich mit ihrer strengen, aber sehr liebevollen Erziehung von Klein auf geprägt. Natürlich spielte immer auch die Geschichte der Familie eine besondere Rolle. Wichtiger aber noch ist der innere Zusammenhalt sowie die Tiefe Religiosität und Liebe zum katholischen Glauben in unserer Familie und immer gut zu anderen Menschen zu sein. Es ist eine große Motivation, zu wissen, wo man herkommt.

Mit 30 Jahren sind Sie nun das Oberhaupt der Familie Schönau-Wehr, der letzten männlichen Linie der insgesamt vier Familienzweige. Außerdem sind Sie bereits seit 2012 Geschäftsführer der Freiherrlich von Schönau-Wehr’schen Gutsverwaltung. Eine große Verantwortung in so jungen Jahren.

Leopold Schönau: Natürlich bringt die Arbeit viel Verantwortung, aber auch viel Freude mit sich. Mein Vater ist leider früh gestorben, auch mein Großvater ist seit 2014 nicht mehr bei uns. Mein älterer Bruder hat dann den Familienbetrieb in Bayern übernommen, als zweitältester Sohn von insgesamt fünf Brüdern übernahm ich darauf die Verwaltung der Forst- und Landwirtschaft rund um den Eichbühl und in Wehr. Auch wenn wir mit der Land- und Forstwirtschaft aufgewachsen sind, wurden wir beide ins kalte Wasser geworfen. Das war eine gute Schule und wir pflegen einen sehr guten und vertrauensvollen Austausch miteinander. Meiner Aufgabe möchte ich natürlich, so gut es geht, gerecht werden. Bei meinem täglichen Gebet bitte ich auch um Gottes Unterstützung für die Verantwortung, die wir tragen.

Spielen Religiosität und die katholische Kirche eine große Rolle in Ihren Leben?

Miriam Schönau: Wir sind beide katholisch erzogen worden und glücklich und dankbar über das Geschenk unseres Glaubens. Der Kirchgang war und ist selbstverständlich ein wichtiger Bestandteil in unseren Familien. Seinen Glauben zu leben erfordert heutzutage auch Mut, ist aber eine große Stütze in schweren Zeiten.

Leopold Schönau: Glaube und Religion machen aber auch Spaß, es ist einfach cool (lacht). Ich habe eine große Freude daran, den Glauben zu leben und auch offen und selbstbewusst für den Glauben einzustehen. Auch unser Freundeskreis ist davon geprägt.

Möchten Sie sich in Ihrer neuen Gemeinde zukünftig auch sozial engagieren?

Leopold Schönau: Ja, wir möchten uns gerne nach unseren Möglichkeiten einbringen. Zum Beispiel bietet der Malteser Hilfsdienst viele tolle Möglichkeiten, sich zu engagieren. Aber in jedem Fall wollen wir auch weiter für die großartige Organisation Mary’s Meals tätig sein. Mary’s Meals versorgt chronisch hungernde Kinder in den ärmsten Ländern der Welt mit einer Mahlzeit an jedem Schultag, um die Kinder auf diese Weise zu einer Schulbildung zu ermutigen. Dabei ist die Organisation so aufgestellt, dass es im Schnitt lediglich 15,60 Euro kostet, ein Kind ein Jahr lang eine solche Mahlzeit pro Schultag zu ermöglichen. Mittlerweile ernährt Mary’s Meals weltweit 1,2 Millionen Kinder täglich.

Miriam Schönau: Es muss aber auch nicht immer ein formeller Rahmen sein, manchmal bewirkt eine gute Tat oder ein gutes Gespräch in der Nachbarschaft viel mehr.

Und wie sähe es mit politischem Engagement aus?

Leopold Schönau: Wir sind beide politisch sehr interessiert. Auch durch mein Jurastudium habe ich einen Einblick in diesen Bereich bekommen. Demokratie ist uns sehr wichtig und ist im deutschen Adel tief verwurzelt. Ich selbst sehe Politik als Privileg und würde mich daher nicht aktiv darum bewerben. Gerade im kommunalen Bereich kommt es meiner Ansicht nach viel mehr auf das Engagement des Einzelnen an, als auf die Parteizugehörigkeit.

Miriam Schönau: Richtig. Ich bin zudem der Ansicht, dass sich jeder informieren und einbringen kann. Jeder von uns trägt im gewissen Maße für die Gesellschaft Mitverantwortung. Dabei kann jeder auch im Kleinen viel bewirken.

Zuletzt, wie sehen Ihre Pläne für die Schönau-Wehr’sche Gutsverwaltung aus? Muss man sich auf große Veränderungen gefasst machen?

Leopold Schönau: Ich möchte den Betrieb gerne vorsichtig, aber nachhaltig modernisieren. Nicht jede Entscheidung der Vergangenheit würde ich so wieder treffen, aber es ist gut und schön zu sehen, wie sich die Familie entwickelt hat. Meine Familie war schon immer sehr mit dem Land verbunden. Mit Blick auf die vergangenen Generationen möchte ich nun als Geschäftsführer der Gutsverwaltung das Beste für die kommenden Generationen erreichen. Gerade in der Forstwirtschaft muss man ja sehr langfristig denken, auch an unsere Kinder und Enkel und Urenkel.

Miriam Schönau: Es geht uns vor allem um die Nachhaltigkeit und soziale Verträglichkeit. Das was wir hier mit dem Eichbühl geschenkt bekommen haben, möchten wir auch für die kommenden Generationen bewahren und wenn möglich, nachhaltig ausbauen.

Fragen: Julia Becker

 

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