Voller Wollust und mit Donnerhall, hübsch, aber unnütz, so oder ähnlich könnte die Bedeutung von „Chotsch“ sein. Die drei Freiburger Musiker von Chotsch brachten am Freitag jedoch vor allem ursprüngliche Klezmermusik mit auf die kleine Bühne der „Kulturscheune„ im Wehrer Enkendorf.

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Klezmer, das ist weltliche, jiddische Volksmusik, die zu allen festlichen Anlässen gespielt wurde. Die Wurzeln von Klezmer findet man in Osteuropa, wo auch die masurischen Geschichten von Siegfried Lenz in „So zärtlich war Suleyken“ spielen. Zwei dieser weisen Geschichten flochten die Musiker in ihr Programm ein, meisterlich erzählt und gespielt von dem Geschichtenerzähler, Sänger, Gitarristen und Schauspieler Moise Schmidt.

Moise Schmidt (Gitarre und Gesang)
Moise Schmidt (Gitarre und Gesang) | Bild: Aloisia Zell

Er schlüpft in die Rollen des zarten und schmächtigen Schusters Karl Kuckuck und seines Kontrahenten, dem riesigen Fischer Valentin Zoppek, im Kampf um die Wahrheitsfindung durch einen Schwimmwettkampf. Oder in die Figuren der Zirkusdirektorin Anita Schibukats und ihrer Wanderbühne.

Zuschauer werden in die Geschichten gezogen

Dabei zog er durch seine Mimik und ausdrucksstarken schauspielerischen Fähigkeiten die Zuschauer förmlich in die Geschichten hinein, ließ sie mitschwimmen oder vor Schreck erstarren. Unglaublich, wie es den Dreien gelang, Literatur und Musik zu verschmelzen, Stimmungen in Töne zu verwandeln und Bilder in Musik zu übersetzen. Ganz besonders gelang ihnen dies mit der Klarinette, einer der vielen Seelen des Klezmer. Ein wahrlich sprechendes Instrument, mit dem man jauchzen und trauern lachen und weinen, schimpfen und trösten kann und das Robert Dietrich hervorragend beherrscht.

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Reinhold Prigge am Kontrabass bildete virtuos mit seinen tiefen Klängen den Rahmen und den Takt dieses tollen Musiktheaters. Klezmer ist aus dem Leben gegriffen. Und so fanden sich im Programm Tanz- und Trinklieder, Liebeslieder und ein Lied zur Guten Nacht. Viele bekannte Weisen waren dabei, wie „Spiel‘sche mir a Liedele“ oder „Bey mir bistu sheyn“, aber auch traditionelle Lieder aus dem Balkan und von Naftule Brandwein arrangierte Stücke.

Wurzeln der Musiker am Hochrhein

Der Beifall war riesig und das einzigartige Ensemble durfte erst nach drei Zugaben die kleine Bühne wieder verlassen. Chotsch, deren Wurzeln unter anderem auch am Hochrhein liegen, werden sicher auch künftig dazu beitragen, dass diese mitreißende Musik durch ihre Interpretationen erhalten bleibt und sich weiterentwickelt. Und sie werden mit Sicherheit immer ein begeistertes Publikum vorfinden.

Das nächste Konzert in der „Kulturscheune„ findet am Freitag, 5. Juli, statt. Ab 19.30 Uhr gehört die Bühne der Wise-Dietkron-Band.