Herr und Frau Eckert, wie kam es dazu, dass Sie in Öflingen Fasnachtskleider verkaufen?

Dagmar Eckert: Seit Mitte der 90er Jahre fördern wir ein Hilfsprojekt im indischen Bundesstaat Gujarat. Dafür sammeln wir schon lange Geld mit Kuchenständen oder auch mit Verkaufsständen für Gebäck und Adventskränze zu Weihnachten.

Werner Eckert: Wir haben immer nach neuen Geldquellen für unser Hilfsprojekt gesucht. Da kam uns schließlich die Idee mit der Kleiderbörse.

Wie ging es dann weiter?

Werner Eckert: Da habe ich mal ganz frech bei den Narrenhochburgen in Mainz, Köln, Düsseldorf und Basel angefragt. Von vielen gab es gar keine Antwort. Aber von den Mainzern wurde uns eine Dame empfohlen. Sie hatte einen ganzen Keller voller Kostüme, vom Karneval und auch den Fundus einer ehemaligen Ballettschule.

Dagmar Eckert: Wir sind dann mit dem Kleinbus nach Mainz. Nicht alles war brauchbar, aber wir haben vieles mitnehmen können. Das waren mehrere Busladungen voll, die haben wir in Kommission verkauft. Das war dann unser Grundstock. Noch heute tauchen Kostüme aus Mainz auf, die sind mit einem „M“ gekennzeichnet. Am Anfang hat das für viel Verwirrung gesorgt, die Leute dachten nämlich, dass wäre die Kleidergröße!

Mit dem Erlös aus dem Kleiderverkauf unterstützen Sie ein Hilfsprojekt in Indien. Wie kamen Sie dazu und was genau wird dort mit den Spenden gemacht?

Werner Eckert: Richtig, die Hälfte des Verkaufspreises geht an das Hilfsprojekt, die andere an den Kleiderspender. Die meisten schenken uns auch ihre Kostüme, darüber freuen wir uns natürlich sehr. Auch der Erlös des Kaffee- und Kuchen-Verkaufs durch die Narrenzunft wird komplett gespendet.

Dagmar Eckert: Zu dem Hilfsprojekt kamen wir durch unseren kontaktfreudigen jüngsten Sohn, damals erst acht Jahre alt. 1993 waren wir in Taizé, und er hat sich dort mit einem jungen Betreuer aus Indien angefreundet. Wir haben Manoj Macwan dann auch kennengelernt und es war Freundschaft auf den ersten Blick, könnte man sagen.

Werner Eckert: Manoj hatte damals noch Jura studiert und sich bereits stark sozial engagiert. Wir haben den Kontakt gehalten, uns geschrieben und ihn unterstützt. Langsam ist dann immer mehr daraus geworden. Heute organisiert Manoj als Jurist die Arbeit vor Ort, besonders Förderprojekte für Kinder und Frauen.

Dagmar Eckert: Wir reisen auch regelmäßig nach Indien, und unser Netzwerk ist auch in Deutschland recht groß geworden. Dass Manoj als Einheimischer die Gegebenheiten vor Ort, die politischen und sozialen Hürden so gut kennt, ist natürlich ein großer Vorteil für unsere Projekte.

Seit 17 Jahren veranstalten Sie bereits den Fasnachtskleiderverkauf. Hat sich in dieser Zeit viel verändert?

Dagmar Eckert: Früher habe ich noch vieles für den Verkauf genäht. Das lohnt sich heute jedoch nicht mehr, da die Stoffe sehr teuer geworden sind und wir mit den Discounterpreisen nicht mithalten können. Leider ist bei diesen Artikeln auch die Qualität nicht so gut. In diesem Jahr haben wir ein Prinzessinenkleid wieder im Verkauf, welches ich mal genäht habe. Dem sieht man nicht an, dass es schon getragen wurde. Manchmal muss ich bei den gespendeten Kleidern noch was ausbessern, sonst würden sie sich nicht verkaufen.

Werner Eckert: Junge Leute suchen oft so Science-Fiction Kostüme oder was von Disney, sowas haben wir aber eher nicht. Bei uns findet man hauptsächlich die klassischen Verkleidungen, wie Cowboys, Prinzessinnen oder Ritter...

Dagmar Eckert: ... und natürlich Schönes für den Wiiberklatsch (lacht). Die Nachfrage ist eigentlich immer recht gut. Zuletzt standen schon etwa 50 Leute vor der Tür als wir ankamen. Darum haben wir mittlerweile die Kinderkostüme oben untergebracht. Denn es gibt schon immer recht viel Gedränge, bis jeder sein Lieblingskostüm hat.

Wie viele Kostüme haben Sie im Angebot? Und wo verstauen Sie diese?

Werner Eckert: Ich weiß es gar nicht genau. Das sind etwa 50 Bananenkisten voll Verkleidungen, da sind sicher hunderte verschiedener Kostüme drin. Lange haben wir die Kostüme im St. Elisabeth Kindergarten lagern dürfen.

Dagmar Ecker: Vom Skiclub und von einer Geschäftsauflösung haben wir dafür auch Kleiderstangen bekommen. Als der Kindergarten abgerissen wurde, konnten wir bei den Pfadfindern in Wehr unterkommen. Jetzt haben wir wieder einen Platz auf dem Dachboden der Tagespflege St. Elisabeth, darüber freuen wir uns sehr

Verkleiden Sie sich selbst noch gerne?

Dagmar Eckert: Wir feiern nicht mehr so viel wie früher. Aber zum Zunftabend gehen wir gerne. Ich verkleide mich eigentlich immer als „Münchner im Himmel“, mein Mann ist da meistens noch ein bisschen närrischer.

Werner Eckert: Ich suche mir da meist was aus dem Fundus, jedes Jahr was anderes. Für dieses Jahr überlege ich mir noch was!

Fragen: Julia Becker

Zu Person und Verkauf

  • Personen: Dagmar Eckert (64) lebt seit 1973 in Öflingen, ihr Mann Werner (66) ist gebürtiger Öflinger. Neben ihrem Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde und für das Indienprojekt verbringen sie gerne Zeit mit ihren sechs Enkelinnen.
  • Verkauf: Der Fasnachtskleiderverkauf der evangelischen Kirchengemeinde Wehr und Öflingen zusammen mit der Narrenzunft Öflingen findet am morgigen Samstag, 4. Februar, von 14 bis 16 Uhr im katholischen Pfarrheim Öflingen, Wehratalstraße 59, statt. Mindestens die Hälfte der Einnahmen geht an ein indisches Hilfsprojekt.
  • Kleiderspenden: Bis Freitag können noch Kleider als Spende oder Kommissionsware bei Familie Eckert, Jungholzerstraße 18a in Öflingen abgegeben werden. Dagmar und Werner Eckert sind unter der Telefonnummer 07761/500 93 oder per E-Mail (eckertwud@gmx.de) zu erreichen.
  • Im Internetfinden Sie hier Informationen.