Wehr braucht den Ausbau des Breitbandnetzes mit Glasfaser – so lautete der allgemeine Tenor von Stadtverwaltung und Experten bei der jüngsten Einwohnerversammlung am vergangenen Mittwoch. Ohne das Glasfasernetz wird die Stadt bis in wenigen Jahren wortwörtlich abgehängt sein. Wie der Ausbau zu einer zukunftsfähigen Internetversorgung vonstattengehen soll, darüber informierten Bürgermeister Michael Thater sowie die Experten Andreas Nauroth vom Zweckverband des Landkreises, Martin Benz, Bürgermeister von Hohentengen, und Ingenieur Hardy Gutmann.

  1. Wie wird der Netzausbau gefördert? Um eine flächendeckende Verlegung von Glasfaser in Wehr zu erreichen, muss die Stadt selbst aktiv werden. Für große Anbieter ist Wehr zu klein, für Fördermittel bisher zu groß beziehungsweise zu gut versorgt. Aufgrund einer Änderung in der Förderkulisse hat die Stadt jedoch nun die Möglichkeit, einen entsprechenden Förderantrag zu stellen.

Folglich könnte die Kommune das Netz in Eigenregie ausbauen. Mit welcher Quote der Antrag bewilligt wird, hängt jedoch maßgeblich von den Wehrer Betrieben ab. Wie Gutmann erläuterte, müssen örtliche Gewerbetreibende der späteren Nutzung verbindlich zusagen. Dazu gehören neben großen Unternehmen auch kleine Betriebe sowie Arbeitnehmer, die von zu Hause aus arbeiten. Private Zusagen seien zwar auch nützlich, für den Antrag auf Fördergelder jedoch nicht entscheidend.

  1. Was wird gefördert? Wird dem Förderantrag zugestimmt, wird der Ausbau im öffentlichen Gebiet sowie die Leitungen zu Gewerbebetrieben gefördert. Dies sind vor allem Tiefbauarbeiten. Ausgenommen ist der Anschluss für private Haushalte.
  2. Wie hoch sind die Kosten? In einer ersten Schätzung rechnet Thater mit 30 Millionen Euro für den gesamten Netzausbau. Allerdings müsse zuerst ein „mittlerer sechsstelliger Betrag“ für die Ausarbeitung des Förderantrags ausgegeben werden. Wird dem Antrag mit einer Förderquote von erwarteten 70 Prozent zugestimmt, müsste die Stadt neun Millionen Euro selbst investieren. Diese sollen durch die späteren Anschlussnutzer refinanziert werden. Wie viel die Nutzer schließlich zahlen, sei jedoch offen und hänge vom späteren Betreiber ab. Der interne Hausanschluss für Privatpersonen kostet circa weitere 1000 Euro, die unter Umständen jedoch subventioniert werden können.
  3. Wie sieht der Zeitplan aus? Der Förderantrag soll Ende dieses Jahres eingereicht werden. Mit einer Entscheidung rechnet Bürgermeister Thater im Frühjahr 2019, sodass Ende 2019 die Arbeiten ausgeschrieben werden können. Ein Baubeginn wäre somit im Jahr 2020 möglich. Für die Ausbauarbeiten im gesamten Stadtgebiet rechnet Thater mit weiteren fünf Jahren.