Am 24. April soll der Wehrer Gemeinderat entscheiden, ob die bestehende Gemeinschaftsschule in eine "Realschule neuen Typs" umgewandelt werden soll. Eine Umorientierung, die es in Baden-Württemberg so bislang nicht gegeben hat. Über diese Pläne hatten Schulamt und Schulträger jüngst im Rahmen eines Pressegesprächs informiert.

Würden im Schuljahr 2019/2020 tatsächlich die ersten Fünftklässler an der Realschule aufgenommen, würde der erste Jahrgang der Gemeinschaftsschule die Mittlere Reife machen. Ein Wechsel der Schulform nach nur fünf Jahren: Damit die neue Lösung dauerhaft ist, legten Schulträger und Schulamt Wert auf den Beteiligungsprozess, wie Hauptamtsleiterin Yasemin Krause ausführte.

Die Bestandsanalyse

Vor allem die Abwanderung von Wehrer Schülern an die Realschule Bad Säckingen bereitete dem Schulträger Sorgen. Aktuell sind es rund 30 Wehrer Kinder, die im kommenden Schuljahr dort die fünfte Klasse besuchen werden. Damit hat die Gemeinschaftsschule ihr Ziel verfehlt, denn "wir wollen für möglichst jedes Wehrer Kind eine Schulform anbieten", wie Bürgermeister Michael Thater betont. Nur 38 Anmeldungen vonFünftklässlernfür das kommende Schuljahr in Wehrwareneine weitere Enttäuschung.

Erst im Schuljahr 2014/2015 war die Gemeinschaftsschule eingerichtet worden. Die Situation zuvor: eine dreizügige Realschule und eine zweizügige Werkrealschule. Das Potenzial schien groß und sogar die Sekundarstufe II, mit der Möglichkeit das Abitur zu machen, nicht ausgeschlossen. Doch nach anfänglicher Euphorie sieht die Bilanz nicht gut aus. Eine Gemeinschaftsschule mit nur zwei statt rechnerisch möglicher vier Züge. Nun soll die Einführung der "Realschule neuen Typs" Abhilfe schaffen und den Schulstandort für Wehrer Kinder wieder attraktiv machen.

Wie wurde der Beteiligungsprozess gestaltet?

Eine höhere Akzeptanz für die neue Schulform war bei der Vorbereitung ein wichtiges Kriterium: "Wir hatten mehrere Workshops und dabei professionelle Unterstützung", so Yasemin Krause. In den Entscheidungsprozess einbezogen wurden das gesamte Lehrerkollegium der GMS, Vertreter des Elternbeirats, Schülersprecher, die Schulsozialarbeit, Vertreter des Lörracher Schulamts, Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat. Insgesamt also 70 bis 80 Personen, die sich Anfang März an zwei Terminen trafen.

Um was ging es inhaltlich?

"Unser Ziel war ein offener Prozess und eine Vorwärtsentwicklung", erklärte Bürgermeister Michael Thater. Auch das Ergebnis war offen, denn sowohl die Weiterentwicklung der Gemeinschaftsschule, als auch der Wechsel der Schulform seien mögliche Optionen gewesen.

Zunächst wurde im ersten Workshoptermin mit Fragen zur aktuellen Wehrer Schulsituation eine gemeinsame Basis geschaffen. Es sei von den Teilnehmern eine Vielzahl von Verbesserungsmöglichkeiten genannt worden: Neben einer stabilen Schulleitung mit Führungs- und Sozialkompetenz, waren ein gemeinsames Konzept und der Konsens darüber, sowie die nötigen Ressourcen wichtige Aspekte. Desweiteren wurden die Übernahme wichtiger Elemente des GMS-Konzepts und der klare Schritt zur neuen Schulform genannt.

Welche Ergebnisse gab es beim zweiten Termin?

Die Vor- und Nachteile der beiden Schulformen GMS und Realschule neuen Typs wurden dann an einem Folgetermin beraten und gegeneinander abgewogen. Ein wichtiges methodisches Detail dabei: Es wurde nicht von der Zustimmung zu der einen oder anderen Schulform ausgegangen, sondern von dem möglichen Widerstand dagegen. "Die zusammenfassende Auswertung zeigte eindeutig, dass der Widerstand beim Erhalt der Schulart GMS überwiegend hoch wäre", so Yasemin Krause. Besonders hohe Akzeptanz habe die Realschule neuen Typs beim Lehrerkollegium und bei den Schülern erzielt. Die Eltern der Gemeinschaftsschüler seien die die einzige Gruppe gewesen, deren Widerstand gegen die Realschule neuen Typs insgesamt höher war, als gegen den Erhalt der GMS.

Wie ging es dann weiter?

Ende März und Anfang April tagten dann laut Stadtverwaltung die Schulgremien: die Gesamtlehrerkonferenz, die Schulkonferenz und der Elternbeirat. Mit großer Mehrheit wurde beschlossen, sich für die Abkopplung der Grundschule von der Sekundarstufe auszusprechen und es wurde die Empfehlung ausgesprochen, die Grundschule Zelg mit der Grundschule Öflingen zu einer Grundschule an zwei Standorten zusammenzuschließen. Außerdem wurde empfohlen, zum Schuljahr 2019/2020 zur Realschule neuen Typs zu wechseln. Der Elternbeirat habe allerdings nicht abstimmen können, da aufgrund zu weniger Teilnehmer keine Beschlussfähigkeit vorlag.

Wie geht es nach dem Gemeinderatsbeschluss weiter?

Sollte sich der Wehrer Gemeinderat für einen Wechsel zur Realschule neuen Typs aussprechen, folgt ein entsprechender Antrag beim Kultusministerium und die Ausschreibung der vakanten Schulleitungsstelle durch das Regierungspräsidium. Während der Gemeinderatssitzung werden auch Schulamtsdirektor Hans-Joachim Friedemann und Schulrat Helios Scherer anwesend sein.

Scherer betonte jüngst beim Pressegespräch zur Schulentwicklung: "Der Schulträger ist immer Autor der Handlung." Bürgermeister Michael Thater Schulamtsleiter Freidemann betonten im Rahmen dieses Gesprächs, dass der Antrag keine „Rückkehr zur Realschule“ bedeute, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung der bisherigen GMS sei. „Wenn wir 2013 diese Möglichkeit gehabt hätten, wären wir schon damals diesen Weg gegangen“, so Thater.