Knapp verpasst und doch optimistisch: Dass es im Herbst nicht für das EEA-Zertifikat gereicht hat, tut den Bemühungen der Stadt keinen Abbruch. Die Ergebnisse des externen Audits liegen nun vor und werden am heutigen Dienstag im Gemeinderat besprochen. Die zuletzt hohe Personalfluktuation im Bauamt habe die Aktivitäten gebremst, mit einem Strategiewechsel sollen jetzt die fehlenden zehn Prozent noch in diesem Jahr erreicht werden.

Ehrgeizig sei das Ziel gewesen, nach nur vier Jahren bereits die für den European Energy Award (EEA) notwendigen Punkte zu erreichen, stellt Bürgermeister Michael Thater fest. Doch nach Einschätzung der externen Sachverständigen sei man auf dem besten Wege, den EEA in Silber bald zu erreichen. "Wir haben uns in den letzten vier Jahren kontinuierlich von anfangs gut 18 Prozent auf jetzt 40 Prozent verbessert", so der EEA-Beauftragte Georg Freidel. Auch die Motivation im Team sei ungebrochen: "Alle ziehen an einem Strang. Wir wollen diesen Award!"

Nach Bad Säckingen, das bereits 2014 zertifiziert wurde, wäre Wehr die zweite Stadt im gesamten Landkreis mit dieser Auszeichnung. Dass es trotz aller Motivation bei der Bewertung im Herbst nur für gut 40 Prozent der notwendigen 50 Prozent gereicht hat, habe verschiedene Gründe, erläutert Freidel. Zum einen mussten neue Mitarbeiter im Bauamt erst eingearbeitet werden. Das Energieteam sei mit drei Mitarbeitern, welche noch andere Aufgaben wahrnehmen würden, nur knapp besetzt.

In einer kleinen Gemeinde wie Wehr sei dies nicht anders zu lösen, stellt Freidel fest. Als Konsequenz habe man das Team neu aufgestellt, zu dem festen Kern der drei bisherigen Mitarbeiter kämen projektbezogen Mitarbeiter aus anderen Abteilungen hinzu. Die neue Software SanReno, welche den städtischen Gebäudebestand digital zusammenfasst, wäre eine weitere große Verbesserung: "Auf einen Blick hat man jetzt alle Information zusammen, die man vorher mit verschiedenen Sachbearbeitern zusammentragen musst", freut sich Stadtbaumeister Helmut Wunderle. Neu ausrichten wolle man auch den Fokus der Arbeit.

"Bisher haben wir uns viel auf den Bereich Interne Organisation konzentriert, hier haben wir auch mit über 60 Prozent sehr gute Ergebnisse erzielt", so Freidel. Während man auch in den anderen vier Bereichen auf Kurs sei, habe man im Bereich Kommunikation und Kooperation nur 17 Prozent geschafft. Es gibt einige Projekte in Wehr, bei denen den Verantwortlichen die Relevanz für den EEA gar nicht bewusst ist, stellt Freidel fest.

Diese Aktivitäten, wie etwa eine Kleiderbörse im Kindergarten, gelte es nun zusammentragen. "Wir wollen den Blick weiten, unsere Aktivitäten sollen in alle Bereiche des öffentlichen Lebens ausstrahlen", so Freidel. So wolle man vermehrt Kooperationen mit lokalen Unternehmen suchen, auch eine Untersuchung der Pendlerströme könne sich lohnen. Nachteile seien durch die verpasste Zertifizierung nicht zu erwarten, so Freidel. In der ersten Phase seien bereits 10 000 Euro EU-Mittel bereitgestellt worden, diese seien nicht vom Erfolg abhängig. Auch profitiere man langfristig von den Bemühungen: denn was jetzt noch freiwillig sei könne schnell zur Vorschrift werden.

European Energy Award

Der European Energy Award (eea) ist ein von der EU gefördertes Zertifikat für kommunale Energie- und Klimaschutzaktivitäten. In sechs Handlungsfeldern können die teilnehmenden Städte durch verschiedenen Aktivitäten Punkte sammeln. Sind mindestens 50 Prozent der möglichen Punkte erreicht, darf sich die Gemeinde "Europäische Energie- und Klimaschutzkommune" nennen und erhält weitere EU-Fördermittel. Alle vier Jahre wird dann erneut offiziell geprüft.