Ohne eine Beschlussempfehlung für den Wehrer Gemeinderat endete die Diskussion um den Bebauungsplan „Enkendorf-West“ im Bau- und Umweltausschuss. Wie vor drei Wochen im Gemeinderat herrschte bei den Räten Uneinigkeit über das weitere Vorgehen. Keine der Beschlussvorschläge erreichte bei der Abstimmung eine Mehrheit. Nun muss sich der künftige Gemeinderat nochmals mit der Sache auseinandersetzen und entscheiden, ob und wie das Bebauungsplanverfahren fortgesetzt wird.

Vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat einen Aufstellungsbeschluss für das bislang nicht überplante Gebiet zwischen Landgasthof Sonne und Schwörstädter Straße aufgestellt. Das erklärte Ziel: Eine städtebauliche Neuordnung des Gebiets, um eine geordnete Innenverdichtung mit öffentlichen Erschließungsstraßen zu ermöglichen. Gleichzeitig sollte die mangelhafte Parkplatzsituation im Bereich des Landgasthofs Sonne verbessert werden, indem auf einem Nachbargrundstück des Wehrer Traditionsbetriebs ein „Sondergebiet Hotelstellplätze“ ausgewiesen wird.

Wie im Gemeinderat gingen nun auch im Bauausschuss die Meinungen weit auseinander, ob das Vorgehen der Stadtverwaltung sinnvoll ist. Während Eugen Mulflur (FW) den Bebauungsplan in der ausgearbeiteten Variante als notwendig erachtet, um das Gebiet zu ordnen, lehnten andere wie beispielsweise Bernhard Stockmar (CDU) den Plan ab. „Was soll ein Plan bringen, den wir nicht realisieren können? Die Mehrheit der betroffenen Grundstücksbesitzer ist gegen eine öffentliche Erschließung“, so Stockmar. Tatsächlich hatte eine aktuelle Umfrage der Stadtverwaltung ergeben, dass ein Großteil der Grundbesitzer dem Vorhaben sehr kritisch gegenüber steht. „Der Bebauungsplan will ein gutes Ergebnis für alle“, verteidigte Bauamtsleiter Thomas Götz den Plan gegenüber dem Vorwurf, dass die Planung über die Köpfe der Betroffenen vorangetrieben worden sei.

Nach der Kritik im Gemeinderat an der Erschließungsstraße, die in einem Wendehammer endete, hatte das Planungsbüro weitere Varianten geprüft. Eine Ringstraße sei aber nicht realisierbar, so Götz. Als einzige Alternative sei hier eine Lösung möglich, die etwas weniger Fläche beanspruche. Aber auch diese Änderung fand keine Mehrheit.

Ebenso kritisch wurde die Planung für zusätzliche Parkplätze auf einem Nachbargrundstück des Landgasthofs gesehen. Zwar zweifelte keiner der Räte an, dass die Parksituation im Enkendorf an manchen Abenden katastrophal sei, eine Lösung könne aber nur mit Einvernehmen mit allen Beteiligten gefunden werden. Dieses Einvernehmen sei aber nicht erkennbar. Helmut Steinebrunner (CDU) fürchtete sogar, die Umsetzung des Bebauungsplans könne nur mit Enteignungen erzwungen werden.

Vito Doria (Grüne) sah zudem noch offene Fragen: „Wie groß ist überhaupt der Bedarf an zusätzlichen Parkplätzen?“, wollte er mit Blick auf das geplante Gästehaus des Landgasthofs wissen, bei dem ohnehin 22 weitere Parkplätze angelegt werden sollen. Wie Steinebrunner schlug Doria vor, den Parkplatz des früheren Schulungszentrums der Novartis für die Öffentlichkeit zu öffnen und damit für Entspannung der Parksituation zu sorgen. Auch ein Kompromissvorschlag vom Michael Bauer (CDU), die Parkplatzfläche zu halbieren und stattdessen eine teilweise Bebauung zuzulassen, fand im Ausschuss keine Mehrheit.

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