28 Jahre prägte sie die Wehrer Jugendarbeit, künftig muss das Öflinger Jugendhaus ohne sie auskommen: Stadtjugendpflegerin Beata Rolirad wurde am Donnerstag mit einer großen und emotionalen Feier im Jugendhaus in den Ruhestand verabschiedet. Weit über 50 Jugendliche, Mitarbeiter, ehemalige Auszubildende und Wegbegleiter waren gekommen und zeigten, welche vielfältigen Spuren sie in den fast drei Jahrzehnten hinterlassen hat und welch großen Respekt sie sich erarbeitet hat.

Jugendhaus schafft Raum für Entwicklung der Jugendlichen

"Ihr werdet mir fehlen, das weiß ich schon heute", sagte Rolirad sichtlich bewegt zu den Vertretern des Wehrer Jugendforums, das sich schon vor einigen Jahren unter dem Dach des Jugendhauses gegründet hatte, aber dennoch immer wieder unabhängig von ihm aktiv wird. Ob Grillplatz im Juch oder der Soccer-Court – für Rolirad sind dies nicht Errungenschaften der städtischen Jugendarbeit, sondern der Jugend selbst. Gleichwohl hat sie den Rahmen vorgegeben und die Entwicklungsmöglichkeiten für die Jugendlichen überhaupt erst geschaffen. "Jeder von Euch hat das Jugendhaus auf seine Art bereichert und sein eigenes Talent mit eingebracht", sagte sie in Richtung ihrer früheren Auszubildenden und Mitarbeiter: Sei es die überaus erfolgreichen Mädchen-Tanzgruppen, der Computerraum, das Tonstudio, die naturpädagogischen Schwerpunkte oder die Kochaktionen – nichts davon wolle sie missen. Als sie 1991 zum Jugendhaus gekommen sei, habe sie eigentlich nicht vorgehabt, so lange zu blieben, gestand Rolirad. Eigentlich wollte sie nur ein wenig Zeit überbrücken, um in ihren erlernten Lehrerberuf zurückzukehren. Diese Lebensplanung habe sich allerdings grundlegend geändert, als sie erkannte, welche Freiheiten und Möglichkeiten ihr die offene Jugendarbeit bot. "Heute würde ich nie mehr in die Schule zurück wollen."

Das Team der Wehrer Jugendarbeit.
Das Team der Wehrer Jugendarbeit.

Einer der Jugendlichen, die im Wehrer Jugendhaus das motivierende Umfeld für ihre persönliche Entwicklung zum jungen Erwachsenen fand, verneigte sich auf besondere Weise vor Beata Rolirad: Für Giuseppe Mannino war das Tonstudio im Öflinger Jugendhaus vor knapp zehn Jahren fast eine zweite Heimat. Mittlerweile ist er Mitte 20 und hat sich als Rapper "Lupara" einen Namen gemacht. Erst vor wenigen Tagen erreichte er bei einem bundesweiten Musikwettbewerb einen zweiten Platz. Für Beata Rolirad rappte er zwei Lieder seines aktuellen Albums, die hervorragend zum Anlass passten: "Danke" und "In all den Jahren".

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"Wir lassen Sie ungern ziehen", bekannte Bürgermeister Michael Thater in seiner Laudatio auf die scheidende Jugendhausleiterin. Sie habe immer vor Energie und Ideen gesprüht, und sei immer ganz nah an den Jugendlichen geblieben. Es habe ihm immer imponiert, welchen Respekt ihr die heranwachsenden und manchmal auch schwierigen Jugendlichen entgegenbrachten. Um ihre Verdienste für die Wehrer Jugend alle aufzuzählen, müsste man eigentlich zwei Stunden reden, so Thater.

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Dankesworte, Abschiedsgeschenke und Glückwünsche für die Zukunft gab es auch vom Jugenhausteam, dem Jugendforum, den Schulsozialarbeitern und von den Kollegen aus dem städtischen Hauptamt. Sichtlich gerührt bedankte sich Beata Rolirad bei allen Kollegen, Chefs und natürlich bei den vielen Jugendlichen für die angenehme Zusammenarbeit.

Der Nachfolger

Manuel van Kreij.
Manuel van Kreij. | Bild: Julia Becker

Manuel van Kreij leistete 2004 seinen Zivildienst im Wehrer Jugendhaus, um dann nahtlos in sein Anerkennungsjahr für die dreijährige Ausbildung zum Heim-und Jugenderzieher anzuschließen. 2009 übernahm er die erstmals die ausgeschriebene Stelle der Mobilen Jugendarbeit, also des Streetworkers. Zu seinen größten Projekten mit den Jugendlichen zählte damals der Bau einer Skateranlage und Grillplatzes. 2013 verließ er die Stadt und absolvierte eine Handwerksausbildung mit dem Ziel, beide Berufe miteinander verbinden zu können. 2017 kehrte er ins Wehrer Jugendhaus zurück.

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