Eine kurze, rund zweiwöchige Sommerpause macht derzeit die größte Tiefbaumaßnahme der Stadt, die Sanierung der Breitmattstraße. „Finanziell und zeitlich liegt die Maßnahme voll im vorgesehenen Rahmen“, so der stellvertretende Bauamtsleiter und Chef der Tiefbauabteilung Helge Laufer. „Zu 99 Prozent“ ist der erste Abschnitt der Straße mit sämtlichen Versorgungsleitungen erneuert. Tatsächlich sind die Baustellenabsperrungen aktuell nur wenige Meter vom Unteren Schlossweg entfernt, der das ursprüngliche Ziel des ersten Bauabschnitts markiert.

Wie der Bauausschuss bei einer Baustellenbegehung im Mai beschlossen hat, wird dieser erste Abschnitt nun aber um rund 30 Meter verlängert, so dass die Bauarbeiten nach der Sommerpause in Richtung Norden weiter gehen. „Die Stadt nimmt dabei Rücksicht auf zwei Gewerbebetriebe, die für Kunden möglichst durchgehend erreichbar bleiben sollten“, so Laufer. Insbesondere das Schuhhaus Dede hatte mit Blick auf das Frühjahrsgeschäft den Wunsch geäußert, dass die Arbeiten dort noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Eine komplette Erneuerung des Kanals – wie weiter südlich – sei auf den nächsten Metern nicht notwendig, hofft Laufer auf einen schnellen Baufortschritt. Zwar seien durchaus einige Reparaturen notwendig, diese könnten aber in geschlossener Bauweise erfolgen.

Auf den bereits fertiggestellten 250 Metern musste der Abwasserkanal dagegen komplett erneuert werden, ebenso die Wasserleitungen und die meisten Hausanschlüsse. Außerdem wurden bereits Leerrohre zur Vorbereitung des künftigen Glasfasernetzes verlegt. In den nächsten sechs Wochen sollen auch die neuen Straßenlampen geliefert werden, die die alten Peitschenlampen ersetzen sollen. „Spätestens zu Beginn der dunkleren Jahreszeit sind sie montiert“, verspricht Laufer.

Aktuell laufen bereits die vorbereitenden Untersuchungen für den folgenden zweiten Bauabschnitt, der vom Schuhhaus Dede bis zur Lindstraße reicht. Mit 370 Metern ist er nochmals 120 Meter länger als der erste Abschnitt. „Deshalb werden die Bauarbeiten vermutlich mindestens ein Jahr dauern“, so Laufer. Experten prüfen derzeit, inwieweit eine Erneuerung des Kanals notwendig ist – dies dürfte auch entscheidend für die zu erwartenden Kosten sein. Spätestens mit der Aufstellung des Haushaltsplans soll feststehen, wie teuer die Baumaßnahme wird und über welchen Zeitraum sie sich erstrecken wird. Auch dieser Abschnitt erfordert eine gute Detailplanung. Denn die gesamte Infrastruktur muss während der Bauphase für die Anwohner intakt bleiben.

Die Kosten der Sanierung liegen bislang im grünen Bereich, hatte Bürgermeister Michael Thater bei der Baustellenbegehung des Bauausschusses gesagt. Der Grund liegt im Aushubmaterial, das „tendenziell nicht so stark belastet“ ist wie ursprünglich befürchtet. Bevor die Breitmattstraße vor Jahrzehnten befestigt wurde, wurde der Abhang zur Wehra als Deponie für allerhand Schutt genutzt. Das Material wird noch in der Krotmatt zwischengelagert und wird dort genauer unter die Lupe genommen. Beim zweiten Bauabschnitt werden nach aktuellem Stand keine Überreste einer alten Schuttdeponie erwartet.

Die südliche Breitmattstraße gilt übrigens als Muster für künftige Straßensanierungen in Wehr: Der Niveau-Unterschied zwischen Gehweg und Straße wird deutlich geringer, sie werden künftig durch eine dreizeilige Granit-rinne abgetrennt. An Einfahrten und Kreuzungen werden die Gehwege sogar komplett ebenerdig angelegt, so dass Randsteine für Rollstuhlfahrer oder Senioren mit Rollatoren kein Hindernis mehr darstellen. Parkbuchten werden nicht baulich angelegt, sie sollen nur farblich markiert werden. Dies bietet nicht nur flexiblere Möglichkeiten, sondern ist auch günstiger und hat Vorteile für den Winterdienst.

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Städtische Baustellen im Überblick

  • Kindergarten/Familienzentrum: Am sichtbarsten sind die Fortschritte aktuell beim Neubau des Kindergartens und Familienzentrums in der Georg-Kerner-Straße. Teilweise ist das Baugerüst entfernt, der Innenausbau hat begonnen. Die Fertigstellung und Einweihung ist für Ende 2019/Anfang 2020 geplant.
  • Obdachlosenheim: An der Öflinger Straße beginnt in den nächsten Tagen die Erschließung des Grundstückes. Ende September sollen dann die Rohbauarbeiten beginnen, so Helge Laufer vom Stadtbauamt.
  • Stadthalle: Während der Schulferien wurde die Beleuchtung im Großen Saal erneuert und auf LED umgestellt. Aktuell werden noch kleinere Instandsetzungsarbeiten an der Wand- und Deckenverkleidung durchgeführt. Nach den Sommerfreien soll die Stadthalle aber wieder in vollem Umfang nutzbar sein.
  • Kanalsanierung: Nahezu geräuschlos läuft jedes Jahr in den Sommermonaten die Kanalsanierung, in diesem Jahr in den Gebieten Enkendorf und Bündtenfeld. Große Baustellen gibt es dabei nicht: Mit der Inliner-Methode wird der Kanal befahren und repariert. Im Gebiet Meierhof werden die Kanäle unterdessen mit Kameras befahren. Reparaturmaßnahmen sind dann für 2020 vorgesehen.
  • Talschulplatz: In der Planungsphase ist in diesen Monaten der Talschulplatz: Weil nahezu sämtliche Steine zwischenzeitlich gebrochen sind, denkt die Stadt über eine Neupflasterung und gegebenenfalls über eine Umgestaltung nach. „Vermutlich werden die Steine dann etwas kleinformatiger“, so Helge Laufer. Eine Entscheidung darüber muss aber der Gemeinderat noch fällen.