"Auf Herrn Schmitt ist mehr hereingebrochen als erwartet", so die Bilanz von Bürgermeister Michael Thater. Am Anfang sei es eine große Herausforderung gewesen, die Ausgangslage mit erwarteten 60 zu betreuenden Personen habe sich drastisch geändert.

Ansprechpartner für 180 Personen

Heute ist Schmitt Ansprechpartner für etwa 180 Personen in Anschlussunterbringung, erstellt Integrationspläne und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Seine Arbeit beschreibt Schmitt als anspruchsvoll und individuell. So habe er sich teilweise mit einem Übersetzungsprogramm behelfen müssen, während andere Flüchtlinge hingegen bereits arbeiten würden und zum Beispiel Hilfe bei der Wahl der Steuerklasse bräuchten.

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"Jetzt läuft es in geregelten Bahnen, die Geflüchteten kommen gezielt mit ihren Fragen auf mich zu", freut sich Schmitt. Auch die Zusammenarbeit mit den Sozialleistungsträgern habe sich nach einem holprigen Einstieg eingespielt, genauso wie die zur Erfassung der Integrationspläne erstellte Software.

Viel Dokumentationsarbeit

Ein Wermutstropfen sei die umfassende Dokumentationsarbeit, die über 60 Prozent seiner Arbeitszeit verschlingen. Dazu komme die neue Datenschutzverordnung, welche die Zusammenarbeit innerhalb der Behörden erschwere. Ganz klar sei auch, so Schmitt, dass es sich beim Integrationsmanagement um eine Langzeitaufgabe von mindestens fünf bis zehn Jahren handele.

Seit einem halben Jahr Integrationsmanager in Wehr: Christoph Schmitt.
Seit einem halben Jahr Integrationsmanager in Wehr: Christoph Schmitt. | Bild: Julia Becker

Die Position der Stadtverwaltung hierzu ist allerdings eindeutig: "Der Bedarf besteht eindeutig. Aber wir machen es nicht, wenn es nicht bezahlt wird", so Thater zur Frage, wie die Stelle nach Ende der zweijährigen Frist weiter finanziert wird.

Flüchtlinge in Wehr und Öflingen

Aktuell werden 184 Personen vom Integrationsmanager Christoph Schmitt betreut. Davon sind 102 in Anschlussunterbringung, 82 leben noch in den Gemeinschaftsunterkünften. 111 der Betreuten haben bereits einen Aufenthaltstitel, 50 warten noch auf eine Asylentscheidung und 23 weitere Geflüchtete sind aktuell geduldet. Über die Hälfte der Betreuten wohne mittlerweile in privaten Unterkünften, so Schmitt. Bis Oktober wurden 87 Integrationspläne erstellt und in 127 Beratungstermine 270 Einzelgespräche und 72 Gespräche in Familien geführt.

Das Interesse ist groß: "Ich bin persönlich sehr überrascht von der hohen Antwortquote auf die ersten Fragebögen von über 60 Prozent", freut sich der Integrationsmanager. Das rege Interesse gehe von Sprachkursen über Wohnungssuche bis hin zu Schulbildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Kriminalität sei hingegen kein Thema, so Bürgermeister Thater: "Die Polizei war vor einigen Monaten vor Ort. Hier gibt es kein Problem, auch weil vor allem Familien bei uns leben".

Der Integrationsmanager

Besonders vonseiten der ehrenamtlichen Helfer wurde früh der Ruf nach einem kommunalen Integrationsmanager laut. Im Rahmen des Pakts für Integration sollen diese besonders im Kontakt mit Behörden Hilfestellung leisten, die Integrationsbemühungen in Plänen erfassen und als Schnittstelle zu anderen Behörden dienen.

Fast ein Jahr habe es nach dem Pakt für Integration gedauert, bis eine entsprechende Verwaltungsvorschrift die Möglichkeit einer Neuanstellung eröffnete. Dann ging mit dem Beschluss des Gemeinderats im März alles ganz schnell und zum 1. Mai konnte mit Christoph Schmitt eine erfahrende Kraft eingestellt werden. Die Stelle wird mit knapp 51 000 Euro aus Landesmittel finanziert. Die Stadt Wehr steuert jährlich 51 Euro bei, da zum Zeitpunkt der Antragstellung nur 64 Personen statt der mindestens 65 für einen Integrationsmanager notwendigen Flüchtlinge in Wehr lebten.

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