Was haben die neu gewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der nepalesische König Birendra Bir Bikram, der ehemalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und die Ministerpräsidenten Filbinger, Späth, Oettinger und Kretschmann gemeinsam? Ganz einfach: alle waren sie schon in Wehr. Doch während sich die Herren in dieser Aufzählung allesamt ins Goldene Buch der Stadt Wehr eintragen durften, fehlt die Signatur von Ursula von der Leyen in dem städtischen Gästebuch. Wer hier einen Akt der Frauenfeindlichkeit vermutet, liegt allerdings falsch. Denn als von der Leyen unsere Stadt besuchte, war sie schlicht noch völlig unbekannt. Fast 31 Jahre liegt die Visite zurück. Anlass war die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Anne-Sophie Mutter im August 1988. Ursula von der Leyen war damals noch keine Politikerin, sondern frisch promovierte Ärztin. Zu einer Einladung nach Wehr kam sie über Ministerpräsident Lothar Späth, der ihren Vater Ernst Albrecht, den Amtskollegen aus Niedersachsen, gut kannte.

Es soll auch ein Foto von Ursula von der Leyen geben – gemeinsam mit Anne-Sophie Mutter und dem damaligen Wehrer Stadtoberhaupt Klaus Denzinger. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Anwesenheit der heutigen EU-Chefin überhaupt überliefert wurde. Vor einigen Jahren habe er sie getroffen, sie habe ihn aufgrund des Fotos gleich wiedererkannt und auf die Wehrer Geigerin Anne-Sophie Mutter angesprochen, berichtete er.

Wenn das keine Pointe ist: In Wehr erinnert sich heute keiner mehr an ihren Besuch. Umgekehrt aber schon.