Es ist eine Amtstube der besonderen Art, mit antiker Dekoration und einem Steinway-Flügel. Denn aktuell sind Ingenieurin Ilse Bruttel und ihre Kollegin im Wehrer Stadtmuseum oberhalb des Kulturamts untergebracht.

Im persönlichen Gespräch kann hier jeder der insgesamt 784 Teilnehmer an der Flurneuordnung Dinkelberg seit Anfang Mai seine Wünsche für die Neuverteilung der Flurstücke besprechen.

„Die Öflinger sind sehr gut vorbereitet und haben sich viele gute Gedanken gemacht“, freut sich Bruttel. Viele seien geradezu begeistert, dass die teils extrem kleinteiligen Flächen auf dem insgesamt rund 800 Hektar großen Gebiet nun endlich sortiert und neu geordnet werden.

Aktuell laufen die Einzelgespräche mit den rund 200 Teilnehmern aus Öflingen. „Leider haben sich aber nur wenige Öflinger zurückgemeldet“, so Bruttel. Wenn ab Mitte Juni die nächsten 600 Einladungen verschickt werden, können darum auch die Öflinger Grundstückseigentümer nochmals die Gelegenheit nutzen und einen Termin für Juli und August vereinbaren.

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Eigentlich sollte es 2019 schon mit den Wunschterminen losgehen – doch die Pandemie sorgte für eine Zwangspause. Ilse Bruttel unterstützte ihre Kollegen im Gesundheitsamt und im Kreisimpfzentrum. Und so können die Wunschtermine nun über Terminland vereinbart werde – vielen bekannt als Onlineportal für die Vergabe der Impftermine.

Mehr als nur Erde und Bäume

Immer wieder wird es bei den Terminen auch emotional. Da brauche es Fingerspitzengefühl, so Bruttel. Es gehe um viel Herzblut und persönliche Befindlichkeiten, schließlich seien manche Flurstücke bereits seit Generationen in Familienbesitz.

„Ich kann gut nachvollziehen, dass man an seinem Land hängt“, so Bruttel. Wenn man aber das neue Land nach der Besitzeinweisung bewirtschafte und sich damit auseinander setze, würde das schon viel helfen. „Die Emotionen legen sich dann meist“, so Bruttel.

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Das höchste Gebot sei es darum, eine wertgleiche Fläche zu finden. Einen Anspruch auf eine bestimmte Fläche gebe aber es nicht. „Und wenn man keinen Termin vereinbart, gehen wir davon aus, dass die wertgleiche Zuweisung akzeptiert wird“, erklärt Bruttel.

Erfahrungsgemäß verzichten insgesamt fünf bis zehn Prozent der Beteiligten auf ein Gespräch, ebenso viele Betroffenen haben bislang noch gar nicht auf die Kontaktaufnahme reagiert.

Über zwei Jahrzehnte langer Kraftakt

Hinter der wertgleichen Zuweisung steht ein Mammutprozess, der nun bereits 20 Jahre andauert – und vermutlich auch noch einige Jahre dauern wird. Der Grund hierfür ist die große Menge an Betroffenen bei diesem Verfahren.

Ilse Bruttel und ihre Kollegen von der gemeinsamen Dienststelle Flurneuordnung der Landratsämter Lörrach und Waldshut mussten zunächst alle Grundstückseigentümer ermitteln – dank Erbengemeinschaften leben diese aber teils am anderen Ende der Welt, etwa in Australien oder den USA.

Dann wurde die ganze Fläche genau kartiert und ein neues Wegenetz geplant. In drei Teilschritten wurden neu strukturiert, damit Landwirte ihre Felder gut erreichen können, Obstbäume weiterhin gepflegt werden und Wanderer Parkplätze für ihre Fahrzeuge finden können.

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Ein weiterer Grund für die lange Dauer ist, das besonders sorgfältig und rechtssicher gearbeitet werden muss. Schließlich geht es darum, jemandem sein Eigentum zu nehmen – auch wenn es zum Ausgleich eine gleichwertige Fläche geben wird.

Für die Gleichwertigkeit wurden die Flächen genau untersucht: Hat das Gelände eine Hanglage, wie ist der Boden und was wächst darauf? Nach einem Punktesystem galt es den Wert möglichst genau zu ermitteln, denn auf dieser Basis erfolgt letztendlich die Neuzuteilung.