Sind es die Nachwirkungen der Corona-Krise oder doch eher strukturelle Probleme? Jedenfalls sind die Abonnenten- und Besucherzahlen bei den Kulturveranstaltungen der Städte Wehr und Schopfheim zurückgegangen, während die Subventionen pro Platz anstiegen. Besonders betroffen war der Bereich Theater.

Bei der Sitzung des gemeinsamen Ausschusses der Kulturkooperation Wehr und Schopfheim am Mittwoch im Alten Schloss von Wehr legten Schopfheims Kulturbeauftragter Dominik Baiker und Wehrs Kulturamtsleiter Frank Wölfl „ernüchternde Zahlen“ vor. Während die Theatersaison 2020/21 fast komplett ausgefallen war, gab es in der gerade abgelaufenen Spielzeit fünf Aufführungen in Schopfheim. Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben betrug 36.000 Euro, und bei 581 Besuchern musste jeder Platz mit 62 Euro bezuschusst werden.

Bedenklich stimmen die Abonnentenzahlen, die von einst 200 auf 87 gefallen waren. Leider konnte man auch nicht übermäßig viele Karten im freien Verkauf absetzen – normalerweise zählte man im vergangenen Jahrzehnt jedes Jahr zwischen 1000 und 2000 Theaterbesucher. Es sei ein allgemeines Phänomen, so Baiker, dass Sprechtheater eher für die ältere Generation attraktiv sei. „Am besten verkaufen sich Revuen.“

Wehrs Bürgermeister Michael Thater erklärte, dass eine Subvention von 20 Euro pro Platz noch eine akzeptable Größe sei. Man sei sich einig, dass die Kultur der öffentlichen Förderung bedürfe, aber man müsse über die Zukunft der Kulturarbeit nachdenken, denn, so sein Schopfheimer Amtskollege Dirk Harscher: „Offenbar erreichen wir die Gesellschaft nicht mehr.“ Wehrs Stadträtin Martina Meyer (FW) warnte davor, ins Seichte abzurutschen: „Wir dürfen nicht anfangen, nur noch billige Produktionen einzukaufen, da muss man einen Mittelweg finden.“ Ihr Ratskollege Paul Erhart (CDU) schlug vor, „etwas Neues zu wagen und etwas mehr zu experimentieren“. Schopfheims Rätin Teresa Bühler (SPD) regte an, die Zahl der Veranstaltungen zu überdenken, und Ulrich Delhey gab zu bedenken, dass 30.000 bis 40.000 Euro an Subventionen eigentlich wenig seien im Vergleich zum Haushaltsvolumen: „Ohne Förderung gibt es bald keine Kunst mehr – vielleicht sollten wir weniger, dafür hochkarätigere Programme anbieten.“

Die fünf Schlosskonzerte in Wehr wurden von 883 Musikfreunden besucht, der Subventionsbedarf lag bei rund 26 Euro pro Platz. Mit 121 Abonnements blieb man unter den Erwartungen. Der hohe Förderbedarf, so Kulturamtsleiter Frank Wölfl, sei darauf zurückzuführen, dass in der Saison 2020/21 drei von fünf Konzerte abgesagt wurden. Als Ausgleich verschenkte man Abonnements, sodass die Einnahmen in der jüngsten Saison geringer ausfielen. Bei der Kleinkunst fielen drei von vier Programmen aus, aber Sebastian Lehmann zog 262 Gäste an, sodass unterm Strich ein Gewinn von 5,60 Euro pro Platz blieb. Der Ausschuss wird im nächsten Frühjahr in Klausur gehen, um sich grundlegend mit der Zukunft der Kulturarbeit zu beschäftigen.