Zurück zu den Wurzeln der Blasmusik, hieß es am Samstag beim Musikverein Öflingen, schließlich bildeten Märsche einst das Rückgrat des Repertoires. Mit seinem „Marsch durch das Dorf“ wollte der Verein beweisen, dass er trotz aller Corona-Auflagen im 125. Jahr seines Bestehens noch existiert und überaus munter ist. Von Brennet bis zum Haus der Diakonie führte der musikalische Zug, der den Aktiven bei Hitze und stechender Sonne einiges abverlangte.

Im Juni und Juli durften die Musiker „mit vollem Corona-Schutzprogramm“, so Dirigent Rolf Gallmann, wieder im Gymnastikraum der Öflinger Schule proben, aber Konzerte waren nicht möglich, und die Feiern zum 125. Jubiläum mussten abgesagt werden. Und so war der „Marsch durch das Dorf“ nicht nur der letzte Auftritt vor der Sommerpause, sondern der erste öffentliche Auftritt seit dem Adventskonzert. „Zum Glück haben wir keinen einzigen Corona-Fall im Verein“, so Gallmann.

In Viererformation und mit gebotenem Sicherheitsabstand zog der Musikverein Öflingen am Samstag durch das Dorf.
In Viererformation und mit gebotenem Sicherheitsabstand zog der Musikverein Öflingen am Samstag durch das Dorf. | Bild: Michael Gottstein

Am Nachmittag versammelten sich rund 40 (von insgesamt 50) Aktivmusikern in Brennet beim Friseur Seelos und strebten gleich zum schattigen Plätzchen, wo die Lagebesprechung stattfand. Begleitet wurde der Zug von Einsatzfahrzeugen, die die Verkehrssicherung übernahmen, Getränke mit sich führten und bereitstanden, falls jemand Kreislaufprobleme bekommen sollte. Mit von der Partie war auch eine kleine Drohne, die sich mit surrendem Geräusch in die Luft erhob.

Eine Drohne machte Aufnahmen von dem „Marsch durch das Dorf“.
Eine Drohne machte Aufnahmen von dem „Marsch durch das Dorf“. | Bild: Michael Gottstein

Der Verein wollte seinen Videomitschnitt nämlich mit schönen Luftaufnahmen garnieren, und daher warfen sich die Musiker in Pose: „Jetzt winken und lächeln“, befahl Gallmann. „Macht schnell, das ist zu anstrengend“, schallte es zurück. Und es sollte noch anstrengender werden. Ganz coronakonform mit Sicherheitsabstand zog die Kapelle in Viererformation zu den Klängen des Marsches „In Harmonie vereint“ über die sonnenbeschienene Straße gen Westen, am Bahnhof vorbei in Richtung Sportplatz. Wegen der Hitze spielten sie nicht die ganze Zeit über, aber dem Schlagzeuger war keine Pause vergönnt, musste er doch den Takt zu dem recht flotten Marschtempo vorgeben.

Der Musikverein Öflingen beim „Marsch durch das Dorf“.
Der Musikverein Öflingen beim „Marsch durch das Dorf“. | Bild: Michael Gottstein

Die Kapelle versuchte, die Hauptstraße zu meiden, um den Verkehr nicht unnötig zu behindern. „Wir stellen uns weiter oben auf, an exponierter Stelle, damit man uns möglichst weit hört“, sagte die Vorsitzende Ilona Kunzelmann. Auf Platzkonzerte müsse man aber weitgehend verzichten, „wegen der Gefahr der Knollenbildung“. Man sieht: Die Fachsprache des Infektionsschutzes ist heute schon verinnerlicht. Nicht ohne Hintersinn stimmte die Kapelle den „Bozener Bergsteigermarsch“ an, denn auf hügeliger Öflinger Gemarkung war gleich ein steiler Anstieg auf einem kleinen Feldweg zu bewältigen.

Auf der hügeligen Öflinger Gemarkung mussten die Musiker auch Steigungen bewältigen.
Auf der hügeligen Öflinger Gemarkung mussten die Musiker auch Steigungen bewältigen. | Bild: Michael Gottstein

Oben wartete die Belohnung in Gestalt eines treuen Fans, der die Musiker mit kühlen Getränke bewirtete – dafür revanchierten sie sich mit dem gespielten und gesungenen Stück „Dem Land Tirol die Treue“. Einige Anwohner waren aus ihren Häusern gekommen, um den Musikern zuzuwinken, und ein kleines Platzkonzert gab es doch noch, und zwar in sicherem Abstand zu den Zuhörern auf der Wiese an der Wehratalstraße. Nach einem kurzen Intermezzo hinter den Bayern-Häusern führte der Weg erneut in die Öflinger Höhenlagen, bis die Kapelle am frühen Abend, am Dorfladen vorbei, das Zentrum ansteuerte und zur Freude der Anwohner und Restaurantgäste die munteren „Flashlights“ anstimmte.

Bei großer Hitze zog der Musikverein Öflingen am Samstag durch das Dorf.
Bei großer Hitze zog der Musikverein Öflingen am Samstag durch das Dorf. | Bild: Michael Gottstein

Nach einer kurzen Getränkepause zog die Kapelle am Gasthaus Krone vorbei zum Haus der Diakonie. Mit einem Grillfest verabschiedete sich der Verein in die Sommerpause. Da der Turnverein wieder den Gymnastikraum der Schule nutzen wird, hofft die Kapelle, einen neuen Proberaum zu bekommen. „Wegen der Hygieneauflagen muss dieser Raum 200 Quadratmeter groß sein“, erklärte die Vorsitzende.

Wer den Umzug nicht live verfolgen konnte, hat die Möglichkeit, ein Video anzuschauen. Auf der Facebook-Seite des Vereins wird ein Link veröffentlicht, der zu dem Youtube-Video führt.