Seit den 60er Jahren wuchs der Verein und lebte seine Traditionen weiter. Mit Jugendarbeit, treuen Mitgliedern und ab den 70er Jahren auch mit weiblicher Verstärkung gelang es, bis heute zu bestehen – selbst in Zeiten von Nachwuchsmangel im Vereinswesen.

Rettichfest

Seit 1966 gibt es das Rettichfest als zweites finanzielles Standbein neben der Fasnacht – längst ist das Fest beliebter Treffpunkt weit über Öflingen hinaus. Mehr als 1000 Rettiche werden jedes Jahr geschält. Dank einer besonderen Erfindung von Rolf Thomann mit einer zur Rettichschneider umfunktionierten Bohrmaschine.

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Besuch der Gastkapellen

Ein ebenfalls lange Tradition des Vereins ist der Besuch und Gegenbesuch von Gastkapellen – Gerade in der Nachkriegszeit eine willkommene Gelegenheit für eine Reise und ein wichtiger Faktor für die Völkerverständigung. Zum 75-Jahr-Jubiläum 1970 reisten insgesamt 23 Kapellen an: 15 aus Deutschland, vier aus der Schweiz, zwei aus Belgien, eine aus Frankreich und eine aus Österreich. Für das Festwochenende wohnten 161 ausländische Musiker in privaten Quartieren in Öflingen.

Immer mit Gästen: Zum Rettichfest lädt der Musikverein traditionell eine Gastkapelle ein. Zum 75-Jahr-Jubiläum im September 1970 waren gleich 23 Kapellen aus fünf Ländern dabei. Hier der Blick aufs Festzelt neben der Schulsporthalle.
Immer mit Gästen: Zum Rettichfest lädt der Musikverein traditionell eine Gastkapelle ein. Zum 75-Jahr-Jubiläum im September 1970 waren gleich 23 Kapellen aus fünf Ländern dabei. Hier der Blick aufs Festzelt neben der Schulsporthalle. | Bild: Musikverein

Frauenpower hält Einzug

Ebenfalls in den 70er Jahren gab es ein wichtige Neuerung in der Vereinstradition: Erstmals durften sich Mädchen zum Zöglingkurs 1973/74 anmelden. „Paul Urich und ich waren uns sicher: Solange ich Vorstand bin, spielen bei uns keine Frauen mit“, erinnerte sich der kürzliche verstorbene Ehrenvorsitzende Hugo Thomann in einem Gespräch im Januar – allerdings mit einem Schmunzeln. Den Weg bereitet hatte Ute Schmucker, die schon seit einigen Jahren im Verein mitspielte.

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Hugo Thomann, als erst kürzlich im Alter von 97 Jahren verstorbener Chronist und Ehrenvorsitzender, berichtete noch im Januar von seiner Zeit im Verein. Mit seiner Vereinstreue steht er in Öflingen nicht alleine da: „Wir sind ein Familienbetrieb mit mehreren Generationen. Das war schon immer so und funktioniert auch heute noch gut“, so die aktuelle Vorsitzende Ilona Kunzelmann.

Gründungsmitglied lange aktiv dabei

So sei als Beispiel für viele andere Johann Maier zu erwähnen: 1866 geboren war er 1895 ein Gründungsmitglied des Musikvereins. 1945 gelang es ihm, zusammen mit Gottfried Urich, Instrumente und Noten vor den einmarschierenden Franzosen und damit vor der Beschlagnahme zu retten.

Im bereits hohen Alter von 79 Jahren leitet Maier dann die Proben der Heimkehrer und lernte Zöglinge an, 1947 übernahm der die musikalische Leitung.

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Ein großes Jubiläum wurde 1956 gefeiert: Johann Maier wurde 90 Jahre alt und spielte immer noch aktiv im Verein. Er wurde als dritter Musiker des Vereins zum Ehrenmitglied – ausgezeichnet für seine Arbeit als Dirigent, Notenschreiber und Jugendausbilder.

Die Schmadköpfle

Ein weiteres Beispiel für einen erfolgreich weitergegebenen Staffelstab sind die Schmadköpfle: Das Ensemble formierte sich erstmals in den 70er Jahren unter dem damaligen ersten Vorsitzenden Josef Thomann, damals noch als „Schmadeköpflebuben“.

Der Name geht zurück auf ein Waldfest, welches regelmäßig am Schmadköpfle stattfand. Die jungen Musiker wollten Unterhaltungsmusik spielen, neben Polka und Walzer auch mal einen Foxtrott und ein wenig Swing. Die Urformation löste sich bald wegen des Wehrdiensts auf, doch die Schmadköpflebuben blieben ein Begriff im Verein und seit den neunziger Jahren spielen die Schmadköpfle wieder regelmäßig, nun aber in wechselnder Besetzung.