Noch keine 1,2 Millionen Abonnenten wie Rapper Samra auf YouTube, dafür aber mit gesellschaftlich wichtigem Hintergrund: Die jugendlichen Rapper Bunyamin Yagmur alias Büny797 und Matteo Cipolla alias Cipo haben in Kooperation mit der Mädchen- und Frauenberatung Courage sowie dem Kinder- und Jugendreferat Waldshut-Tiengen den Rap-Song „Andere Welt“ gegen Gewalt gegen Frauen veröffentlicht.

Sozial- und Musikpädagogen Onur Harbelioglu vor dem Tonstudio im JuZ Tiengen.
Sozial- und Musikpädagogen Onur Harbelioglu vor dem Tonstudio im JuZ Tiengen. | Bild: Nico Talenta

Büny797 hat vor dem gemeinsamen Song schon ein Lied veröffentlicht und ist bei einem Konzert in der Allemannenschule Wutöschingen auf der Bühne gestanden. Das gemeinsame Musikvideo ist Cipos erster öffentlicher Song. Aber auch er stand schon auf der Bühne: „Damals habe ich vor allem Covers gesungen.“ Mit der Zeit sei er auf die Idee gekommen, seine Gefühle durch eigene Musik auszudrücken.

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Mit Onur Harbelioglu, dem Sozial- und Musikpädagogen beim Kinder- und Jugendreferat Waldshut-Tiengen, sind sie seit drei Jahren in engem Kontakt und haben schon viel musikalisch zusammen gearbeitet. „Als mich Onur an einem offenen Treff in Waldshut ansprach, ob ich bei ihm im Tonstudio Songs aufnehmen möchte, ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt Bunyamin Yagmur.

Rapper Bunyamin Yagmur (Büny797) vor dem Tonstudio im JuZ Tiengen.
Rapper Bunyamin Yagmur (Büny797) vor dem Tonstudio im JuZ Tiengen. | Bild: Nico Talenta
Rapper Matteo Cipolla (Cipo) vor dem Tonstudio im JuZ Tiengen.
Rapper Matteo Cipolla (Cipo) vor dem Tonstudio im JuZ Tiengen. | Bild: Nico Talenta

Mit Frauengewalt hatte er vorher noch keine direkten Erfahrungen gemacht. Er versuchte allerdings, sich in das Thema hineinzuversetzen. Würde seine ältere Schwester ein Opfer sexualisierter Gewalt werden, wäre das für ihn „eine Katastrophe“. Matteo Cipolla dagegen hat bereits Erfahrungen mit dem tabuisierten Thema gemacht. Drei junge Frauen aus seinem Freundeskreis wurden schon Opfer: „Allerdings, und zum Glück, ohne posttraumatische Folgen.“

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Das Ziel ihres Rap-Songs ist, „ein Zeichen in die Welt zu setzen und nicht nur wegzuschauen“, erklären die Rapper. „Den Schmerz, den die Frauen erleiden mussten, fühlen.“ Das rote Licht, das sie im Video verwendet haben, soll die Wut und gleichzeitige Dunkelheit der Menschen symbolisieren.

So ist der Kontakt entstanden

Silke Padova, Leitung des Kinder- und Jugendreferates Waldshut-Tiengen, und Marlies Sonntag, Geschäftsführerin der Mädchen- und Frauenberatung Courage, hatten zuvor die Frauenaktionswoche 2020 auf die Beine gestellt. In Kontakt mit Onur Harbelioglu entstand dann die Idee, das Thema Gewalt gegen Frauen auch musikalisch umzusetzen.

„Wir saßen gerade zusammen bei Cipo im Garten, als Onur anrief und uns das Song-Angebot machte“, sagt der 17-jährige Bunyamin. „Natürlich haben wir sofort zugesagt.“ Daraufhin trafen sich die drei im Jugendzentrum (JuZ) Tiengen und schauten sich den, an der Frauenaktionswoche vorgestellten, Film „Ich bin kein Opfer mehr“ zusammen an. Der Film porträtiert drei Frauen und ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt.

Mit den Eindrücken und Notizen der gemeinsamen Runde entstand dann der Rap-Song „Andere Welt“ in Zusammenarbeit mit Filmer Marius Mehlin, Student beim Kinder- und Jugendreferat Waldshut-Tiengen, im Tonstudio des JuZ. Das gesamte Video war nach sorgfältiger Vorbereitung an einem Tag aufgenommen. „So gegen 23 Uhr meinte ich dann, dass ich langsam heim muss, weil ich am nächsten Tag arbeiten musste“, merkt Matteo Cipolla an.

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