Mit Frack und Zylinder im Mittelpunkt der Manege, so stellt sich der Laie den typischen Zirkusdirektor vor. Doch genau das ist Sascha Melnjak, der aus Stuttgart stammt, nicht. „Es war mein Kindheitstraum, einen Zirkus zu leiten“, sagt er: „Aber ich kann weder irgendwelche artistischen Nummern noch als Clown auftreten und außerdem würde mir dazu auch die Zeit fehlen.“

Deshalb sei er sehr zufrieden damit, der Organisator des zweitgrößten Zirkus Deutschlands, Charles Knie, zu sein. Neben den üblichen Aufgaben, die ein Zirkus als Unternehmen mit sich bringt, gebe es nämlich auf einer Tournee auch noch weitere Herausforderungen.

Zirkusdirektor Sascha Melnjak in seinem Wohnwagen.
Zirkusdirektor Sascha Melnjak in seinem Wohnwagen. | Bild: Jannic Hofmuth

„Ab und zu bin ich schon als Vermittler gefragt, wenn zwischen einzelnen Artisten Uneinigkeiten auftreten“, erklärt er. Aber dies sei generell eher selten und im Normalfall würden seine diplomatischen Fähigkeiten nicht auf die Probe gestellt.

„Die Tournee durch Süddeutschland macht mir als gebürtigem Stuttgarter natürlich immer besonders Spaß“, sagt Melnjak. Auch, wenn er von den temporären Gastgemeinden meist nicht besonders viel mitkriege. Am 11. September hat der Zirkus seine Zelte auf dem Festplatz in Tiengen aufgeschlagen, am Mittwoch, 14. September, beginnen die Vorstellungen.

Stadt auf Rädern

„Da wir ja völlig autark leben, kommen wir selten in engeren Kontakt mit den Gemeinden, in denen wir auftreten“, erklärt er und ergänzt: „Außer einem Stromanschluss und einem großen Publikum bringen wir alles selbst mit. So ein Zirkus ist eine richtige Stadt auf Rädern.“

Corona- und Energiekrise trägt der Zirkus mit Fassung

Auf die Frage, wie sich die Energiekrise auf den Zirkus auswirke, antwortet Sascha Melnjak: „Da müssen wir alle irgendwie durch und für keinen ist das angenehm.“ Dadurch, dass die meiste Energie für den Zirkusbetrieb in Form von Strom benötigt wäre, seien das größere Problem die Transportkosten.

Die zwei Jahre Corona-Pause seien zwar ein Rückschlag gewesen, aber Melnjak lobt die politischen Förderungen: „In Deutschland können wir ja noch froh sein, dass der Staat uns unterstützt hat.“

Auch tierische Unterstützung hat der Zirkus Charles Knie, wenn auch nur noch im kleinen Umfang.
Auch tierische Unterstützung hat der Zirkus Charles Knie, wenn auch nur noch im kleinen Umfang. | Bild: Jannic Hofmuth

Im Großen und Ganzen verlaufe die Tournee bisher ideal, obwohl der Neustart schwierig gewesen sei. „Normalerweise geht eine Tournee acht Monate, aber aufgrund der unklaren Situation im Winter konnten wir dieses Jahr erst im Juni anfangen“, berichtet der Zirkusdirektor.

Preislich sei es ihm wichtig gewesen, möglichst bezahlbar zu bleiben: „Zwei bis drei Euro Erhöhung waren leider unvermeidbar. Aber Zirkus ist ein wichtiges Kulturgut, das für jeden zugänglich sein sollte und zwar so preiswert wie möglich.“

Bunter Künstlermix

Aus den verschiedensten Ländern kommen die 40 Artisten und knapp 100 Mitarbeiter, die für den Zauber des Charles Knie-Zirkus sorgen. „Wir haben eine Truppe von erstklassigen Künstlern dabei“, erzählt Direktor Sascha Melnjak stolz.

Besonders herauszustellen sei Cesar Diaz, der als herausragender Clown bereits in Monte Carlo auf dem internationalen Circusfestival als einer der begehrtesten Clowns ausgezeichnet. Melnjak fügt jedoch hinzu: „Aber ich bin stolz darauf, dass alle Artisten, die wir dieses Jahr dabei haben, auf absolutem Weltklasse-Niveau sind.“

Zirkusclown Cesar Diaz hoch konzentriert bei seiner Arbeit.
Zirkusclown Cesar Diaz hoch konzentriert bei seiner Arbeit. | Bild: Zirkus Charles Knie

Aus Tierschutzgründen hat sich der Zirkus Charles Knie dazu entschieden, die Tiernummern, wie zum Beispiel die Raubtiershow, abzulegen. Dafür steht dieses Jahr zum ersten Mal eine Wassershow im Programm.

Mit einem Durchmesser von zwölf Metern bringt der Zirkus laut eigenen Angaben die „größte mobile Wasserbühne Europas“ mit.

Als Höhepunkt verspricht der Zirkus Charles Knie eine Wassershow.
Als Höhepunkt verspricht der Zirkus Charles Knie eine Wassershow. | Bild: Zirkus Charles Knie

Auf ihr werden mit 300 Pumpen auf drei hydraulischen Ebenen 100.000 Liter Wasser in Form von bis zu 15 Meter hohen Fontänen in die Höhe geschossen.

Gute Stimmung und großes Versprechen

„Bisher haben wir auf dieser Tournee bei jedem Auftritt stehenden Beifall vom Publikum bekommen“, sagt Sascha Melnjak erfreut.

Dies führe er auf zwei Gründe zurück: „Einerseits glaube ich, dass die Leute nach zwei Jahren ohne Zirkus wieder mit riesiger Vorfreude in unser Zelt kommen und andererseits kommt unsere diesjährige Wassershow auch einfach richtig gut an.“

Er beschließt sein Plädoyer mit einem Versprechen: „Mit allen grandiosen Artisten, die wir dieses Jahr haben, und unserem neuen Konzept liefern wir wirklich eine Show ab, die jeder gesehen haben muss. Bei uns kommt jeder auf seine Kosten!“

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