Haben sie voneinander abgeschrieben? Oder sind sie doch eher Brüder im Geiste? Offensichtlich hatten Landrat Martin Kistler und Zeremonienmeister Peter Haußmann bei der Amtseinführung des neuen Jestetter Bürgermeisters, Dominic Böhler, nahezu die gleichen Reden vorbereitet. Das jedenfalls stellte der Landrat unweigerlich fest, als er Haußmanns Worten folgte. Vielleicht trieb es ihm mit jedem Satz, den sein Vorredner sprach, mehr Schweiß ins Gesicht, und er wurde immer nervöser. Könnte man zumindest denken.

Dem war aber nicht so. Souverän kaschierte der Landrat diesen Umstand. Mehr noch: Er gab es gleich direkt zu, dass auf seinem Papier nahezu die gleichen Inhalte standen. Und er bestritt Plagiatsvorwürfe vehement. Damit nahm er dem aufmerksamen Publikum gleich mal den Wind aus den Segeln. Man kann nicht vorsichtig genug sein in Anbetracht der Kopier-Seuche, die offensichtlich in der großen Politik grassiert.

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Auf jeden Fall konnte Kistler glaubhaft versichern, dass er kein Plagiat vor sich liegen hatte. Wie sollte er das gemacht haben? Im Internet kursierte Haußmanns Dokument bestimmt nicht. Schriftstücke davon aus Papier gibt es in den Bibliotheken wohl ebenfalls nicht zu erwerben. Also: Woher sollte der Landrat das Wissen haben? Er wird wohl kaum in Haußmanns Haus eingebrochen sein, um sich das wertvolle Schriftstück zu stibitzen.

Oder lief‘s umgekehrt? War etwa Haußmann in Kistlers Hochsicherheitstrakt in Waldshut eingedrungen, um sich dessen Rede aus dem Tresor zu holen? Eher nicht. Also doch Brüder im Geiste.

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