Frau Schneider, wie ist die Sozialstation St. Verena organisiert?

Die Sozialstation St. Verena hat insgesamt 125 Mitarbeiter in vier Teams, das sind Waldshut, Gurtweil, Lauchringen und Tiengen. Ich bin Bereichsleiterin des Teams Tiengen, das insgesamt 33 Mitarbeiter zählt. Davon sind 14 Frauen und ein Mann Fachkräfte, für die ich zuständig bin. Unsere Pflegefachkräfte haben alle abgeschlossene Ausbildungen in den Bereichen Krankenpflege, Altenpflege oder als Arzthelferin. Wir legen großen Wert auf Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wir haben beispielsweise eine Diplom- Pflegepädagogin und eine Lehrerin für Pflege-berufe, die für die Auszubildenden freigestellt ist. Professionelles pflegerisches Handeln ist uns ein Herzensanliegen. So gibt es bei uns zum Beispiel Wundmanagerinnen, Praxisanleiter und ausbildete Pflegeberaterinnen.

Was ist die Aufgabe der Sozialstation?

Wir sind in der ambulanten Kranken- und Altenpflege, in der Kinderkrankenpflege und auch in der Familienpflege tätig. Wir verfügen deswegen auch über Dorfhelferinnen und Familienpflegerinnen, die täglich für mehrere Stunden in die Familien kommen, wenn –in der Regel die Mutter– im Krankenhaus ist und die Kinder zu Hause versorgt werden müssen. Zu unseren Aufgaben in der ambulanten Krankenpflege gehören die Durchführung der ärztlich angeordneten Behandlungspflege wie zum Beispiel Injektionen, Medikamentengabe, Kompressionsstrümpfe anziehen oder die Wundversorgung. Das bezahlen die Krankenkassen. Im Bereich der Pflegeversicherung erbringen wir Hilfe und Unterstützung bei der Körperpflege, bei der hauswirtschaftlichen Versorgung oder beim Einkaufen und in der persönlichen Betreuung von Patienten. Wir machen in unserem Team täglich rund 120 Hausbesuche in Tiengen, Detzeln und Krenkingen.

Und was sind die Aufgaben einer Bereichsleiterin?

Zu meinen Aufgaben gehören Erstgespräche mit Patienten und Angehörigen, Kostenabklärungen und Kommunikationen mit Ärzten und Apotheken. Ich bestelle Material und schreibe Touren-, Dienst- und Urlaubspläne für die Mitarbeiter. Es ist mir sehr wichtig, für die Mitarbeiter da zu sein und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Ich berate weiterhin pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen fachlich und persönlich. Gerade, wenn in Familien eine Pflegesituation neu eintritt, beispielsweise nach einem Schlaganfall mit anschließender Pflegebedürftigkeit, herrscht oft Orientierungslosigkeit.

Was hat sich seit Corona bei Ihrer Arbeit verändert?

Unsere Patienten sind im Kindesalter bis hin zu hochbetagt. Aber überwiegend sind es ältere Menschen, die aufgrund ihres Alters und Vorerkrankungen zur sogenannten „Corona-Risikogruppe“ gehören. Unsere Mitarbeiterinnen gingen von Anfang an hygienisch-professionell mit der neuen Situation um und die Patienten waren und sind sehr vernünftig. Wir wurden auch von unseren Leitungen gleich zu Anfang ausführlich über den Umgang mit Corona und die Besonderheiten, die zu beachten sind, aufgeklärt und sind immer auf dem neuesten Stand der Vorschriften. Die sonst schon üblichen Hygienemaßnahmen wurden überprüft und, wo nötig, verstärkt. Neue Hygieneregeln sind das grundsätzliche Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, nach Möglichkeit soll der notwendige Abstand gehalten werden und der direkte, körpernahe Kontakt auf ein Minimum reduziert werden. Auch unsere Patienten tragen während unseres Besuchs einen Mund-Nasen-Schutz. Insgesamt achten wir darauf, dass wir bei körpernahen Kontakten möglichst wenig sprechen. Am Anfang gab es bei der ausreichenden Beschaffung von Material wie Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Schutzkleidung, schon den ein oder anderen Engpass. Wir sind aber innerhalb der Caritas-Sozialstationen Hochrhein GmbH in eine große Organisation eingebunden, sodass wir uns gegenseitig aushelfen konnten und das benötigte Material immer zur Verfügung stand.

Das könnte Sie auch interessieren

Haben Ihre Patienten keine verstärkten Bedenken, Ihre Dienste in Anspruch zu nehmen?

Bei manchen war und ist schon eine gewisse Vorsicht zu spüren. Wenn Patienten oder ihre Angehörigen Bedenken haben, sprechen wir offen mit ihnen darüber und nehmen uns Zeit für ihre Fragen. Unsere Patienten können sich darauf verlassen, dass unsere Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit genauso zuverlässig wie sonst auch arbeiten und alle Hygienemaßnahmen professionell und der Situation entsprechend eingehalten werden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir in dieser Krisenzeit unsere Arbeit ohne Unterbrechungen durchführen können und wir alle Patienten im gewohnten und angemessenen Umfang versorgen können.

Händehygiene ist auch ein wichtiges Thema, oder?

Ja, aber schon immer, nicht erst seit Corona. Vor und nach jedem Patientenkontakt führen wir sie sehr sorgfältig durch. Allen Mitarbeitern steht ergänzend zu den Desinfektionsmitteln eine Handschutzcreme zur Verfügung, die einen Schutzfilm auf der Haut bildet und von unseren Mitarbeitern vor allem vor Dienstbeginn benutzt wird.

Was machen die Mitarbeiter der Sozialstation, wenn Patienten Symptome zeigen, die auf eine Ansteckung mit dem Virus zurückgehen könnten?

Die Krankenbeobachtung ist ein wichtiger Teil der professionellen Pflege. Wir sind entsprechend geschult und nehmen jede gesundheitliche Veränderung beim Patienten präzise wahr. Seit Corona sind wir noch aufmerksamer geworden für die Symptomatik, wie Erkältungsanzeichen, erhöhte Temperatur oder beginnender Husten. Bei jedem Patienten, der Krankheitssymptome zeigt, wird sofort reagiert. Nach unmittelbarer Absprache mit Vorgesetzten und unseren Hygienespezialisten, erfolgen Gespräche mit den Hausärzten oder mit dem Gesundheitsamt. Dann wird nach ärztlicher Verordnung ein Behandlungsplan erstellt und danach gehandelt.

Hat die Corona-Pandemie das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern der Sozialstation und den Patienten und deren Angehörigen verändert?

Das Verhältnis war immer gut und ist es auch geblieben, wiewohl hin und wieder eine gewisse Nervosität und auch Verunsicherung zu spüren war. Wir nehmen in diesen schwierigen Zeiten aber auch wahr, dass wir mehr Wertschätzung von unseren Patienten bekommen. In Worten oder sogar in Briefen drücken sie ihre Dankbarkeit aus. Manche bewundern uns auch, weil wir in dieser schwierigen Zeit wie gewohnt für unsere Patienten und ihre Angehörigen da sind. Wir haben auch mehr Unterstützung angeboten, wenn manche Tätigkeiten von Familienmitgliedern während des Ausgehverbots nicht mehr durchgeführt werden konnten.

Glauben Sie, dass Corona allgemein die Beziehung zwischen Alt und Jung verändert?

Ich glaube, wir haben alle aus Corona gelernt, wie wichtig menschliche Beziehungen sind. Wir rufen einander öfters an, wir schätzen die Zeit miteinander mehr und erleben sie intensiver. Für den Nächsten da zu sein, hat meiner Meinung nach an Bedeutung gewonnen. Wir haben alle Hilfe und Unterstützung gespürt.

Es gibt immer mehr Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen. Nehmen Sie auch eine gewisse Entspannung wahr?

Ja, die Situation hat sich entspannt. Die Corona-Regeln sind Teil des täglichen Lebens geworden. Bei unserem pflegerischen Handeln haben wir aber keine Lockerungen eingeführt, wir bleiben weiterhin wachsam und vorsichtig. Wir fürchten auch bei zu viel Nachlässigkeit eine zweite Infektionswelle. Wir sollten hier alle sehr vorsichtig bleiben.

Das Thema Corona wird uns noch länger beschäftigen?

Ja, es wird uns noch längere Zeit begleiten. Ich möchte an dieser Stelle allen Mitarbeitern für die gute und professionelle Arbeit danken. Wir sind in der Sozialstation ein tolles Team. Und ich danke auch den Patienten für ihr Vertrauen und ihr Verständnis und wünsche uns allen Gesundheit.