Vier Millionen Tonnen werden jedes Jahr in den Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) in der Schweiz verbrannt, so heißen dort die Müllverbrennungsanlagen. Dabei löst sich aber keineswegs der gesamte Abfall in Rauch auf – Schlacke und Filterasche bleiben tonnenweise übrig. Bei deren Entsorgung könnte es in der Zukunft zu einem Problem kommen, schreibt die „Sonntagszeitung“.

Laut einer Auskunft des Landratsamts Waldshut beliefert der Landkreis Waldshut die Kehrichtverbrennungsanlagen Buchs und Turgi im Kanton Aargau pro Jahr mit jeweils rund 10.000 Tonnen brennbarem Rest- und Sperrmüll sowie brennbaren Gewerbeabfällen. Darüber hinaus beliefert der Landkreis die Kehrichtverbrennungsanlage ERZ Zürich mit circa 6500 Tonnen brennbaren Abfällen (Rest- und Sperrmüll sowie Gewerbeabfälle) pro Jahr. Im Gegenzug nimmt der Landkreis Waldshut die nach der Müllverbrennung anteilig auf den Landkreis Waldshut entfallende Schlacke zurück und deponiert diese auf der Deponie Lachengraben bei Wehr.

Die einzige Schlackendeponie im Aargau: Die Deponie Seckenberg bei Frick (Archivbild vom Herbst 2008).
Die einzige Schlackendeponie im Aargau: Die Deponie Seckenberg bei Frick (Archivbild vom Herbst 2008). | Bild: CH Media/Walter Christen

Die Schlacke wird in Deponien vergraben. 28 solcher Schlacke-Deponien (Typ D) gibt es zurzeit in der Schweiz. Doch für neue Lagerorte gebe es kaum mehr Platz – und dort, wo dieser doch verfügbar sei, sind Deponien unerwünscht. Laut „Sonntagszeitung“ stünden bereits heute im Aargau, wie auch in Freiburg, Solothurn und im Tessin, „keine gesicherten Deponiekapazitäten mehr zur Verfügung“.

Hoffnung dank neuer Technologie

Abhilfe für dieses Deponieproblem könnte eine neue Technologie schaffen. Das Unternehmen Selfrag mit Sitz in Kerzers (FR) plant in Full-Reuenthal im Bezirk Zurzach eine „Aufbereitungsanlage für die Nachbehandlung von KVA-Rohschlacke aus dem Nassaustrag“. Die Schlackenaufbereitungsanlage mit dem Namen „Centro Uno“ soll im Industriegebiet Fullerfeld, nahe des Schweizerischen Militärmuseums und des Rheins mit der Grenze zu Deutschland erstellt werden. Auch das Kernkraftwerk Leibstadt befindet sich nur einige hundert Meter davon entfernt. Das Baugesuch lag im Sommer öffentlich auf.

Die Umsetzung

Laut dem Umweltverträglichkeitsbericht (UVP), der der „Aargauer Zeitung“ vorliegt, sollen in der Fuller Anlage jährlich im Durchschnitt 30.000 Tonnen und maximal 35.000 Tonnen Rohschlacke aufbereitet werden. Im Kanton Aargau, wo drei KVA in Buchs, Turgi und Oftringen betrieben werden, sind im Jahr 2019 rund 66.500 Tonnen Schlacke angefallen, die in Deponien entsorgt wurden.

Die anfallenden Mengen

In den Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen fielen im Jahr 2017 bei der Verarbeitung von vier Millionen Tonnen Abfall rund 800.000 Tonnen Rohschlacke an. Die Restschlacke aus Full, rund 13.000 Tonnen, soll in Deponien entsorgt werden. Gerechnet wird für die Fuller Anlage mit 4280 Zu- und Wegfahrten von Lastwagen pro Jahr. Laut UVP enthält KVA-Schlacke „ein großes Ressourcenpotenzial an rückgewinnbaren Metallen“. Pro Jahr sollen etwa 2458 Tonnen Eisen, 751 Tonnen Leichtmetalle (mit Aluminium) und 146 Tonnen Schwermetalle gewonnen werden. Mit der neuen Technologie soll in der „Centro Uno“-Anlage die Wertstoffrückgewinnung wesentlich erhöht werden.

Schlacke aus drei KVA landen in Full

Bei der neuen Technologie wird die Schlacke mit künstlich erzeugten Blitzen in verschiedene Bestandteile aufgespaltet. Hierbei werden Metalle gelöst und Mineralien separiert. Diese können für Baumaterialien in der Bauindustrie verwendet werden. Bis zu 50 Prozent der Kehrichtschlacke könne laut Selfrag wiederverwertet werden. Das Unternehmen wird die Schlacke aus den KVA in Turgi, Buchs und Perlen (LU) beziehen.

Der Ist-Zustand

Im Aargau existiert nur eine Schlackendeponie – in Frick (Seckenberg). Aargauer Schlacke wird zurzeit auch in anderen Kantonen entsorgt. In der Praxis gebe es damit „bis jetzt keine Probleme“, sagt David Schönbächler vom Aargauer Baudepartement zur „Sonntagszeitung“.

20 Jahre von Planung bis Betrieb

Laut dem Schweizer Bundesamt für Umwelt sollen die aktuellen Deponien für die Entsorgung des „Abfalls vom Abfall“ noch Reserven für die nächsten 17 Jahre bieten. Für ein neues Deponieprojekt von der Planung bis zur Umsetzung muss aber mit rund 20 Jahren gerechnet werden, wie aus einem Dokument des Bundesamts hervorgeht, das die „Sonntagszeitung“ gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz einsehen konnte. Darin heißt es weiter, neue Deponieprojekte seien „zunehmend gesellschaftspolitisch erschwert und regional sogar blockiert“.

Solaranlage auf dem Dach geplant

Die Anlage in Full soll im Zweischichtbetrieb (16 Stunden) mit je drei Mitarbeitenden betrieben werden. Das Projekt sieht sieben Parkplätze vor, vier bis fünf für das Betriebspersonal sowie zwei bis drei für Kunden und Lieferanten. Vorgesehen auf dem Dach des Neubaus mit der Anlage ist auch eine Solaranlage mit einer Fläche von 1400 Quadratmetern und einer Maximalleistung von 291 Kilowatt.