Aus der Eröffnung der Rehabilitationsklinik und eines Restaurants im historischen Verenahofgeviert im Herbst in Baden wird erst einmal nichts. Judith Meier bestätigte der Zeitung: „Wir können den Zeitplan nicht einhalten.“

Meier ist Mitglied des strategischen Lenkungsausschusses der Bauherrin Verenahof AG, die wiederum mehrheitlich der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden gehört. Die Liegenschaft des Verenahofgevierts besteht aus den drei historischen Bäderhotels Verenahof, Bären und Ochsen. Sie steht unter Denkmalschutz.

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Dass ihre Bausubstanz in einem schlechten Zustand ist, war schon bei Beginn der anspruchsvollen Bauarbeiten klar. Das wahre Ausmaß der Schäden ist aber erst bei Abriss- und Sanierungsarbeiten in den vergangenen Monaten ans Licht gekommen.

Archäologische Abklärungen nötig

Zur Verzögerung führen zwei weitere Gründe: So kamen auch schützens- und erhaltenswerte Baubestandteile zum Vorschein, die wiederum denkmalpflegerische und archäologische Abklärungen nach sich zogen.

Zudem müssen nun die Planungs- und Bauarbeiten erst wieder synchronisiert werden. Unter diesem Vorbehalt gehen die Verantwortlichen von zwei verbleibenden Jahren Bauzeit aus. Noch vor einem Jahr hatte die Verenahof AG den Herbst 2021 für die Fertigstellung anvisiert.

„Historisches Erbe bewahren“

„Das Verenahofgeviert ist ein Liebhaberobjekt. Uns ist es wichtig, dieses Bijou wieder in Stand zu setzen, aufzubauen und das historische Erbe zu bewahren“, unterstreicht Judith Meier. Dass die Verzögerung Mehrkosten verursacht, liegt auf der Hand. Zur Höhe könne sie zurzeit nichts sagen, erklärt sie. Judith Meier führt drei Beispiele der aufwendigeren Sanierungsarbeiten vor Augen, zuerst den Ochsensaal im dritten Obergeschoss.

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„Die Statik war hier ein großes Problem“, erklärt sie. Bei Rückbauarbeiten wurden Holzbalken freigelegt, welche ihre Funktion wider Erwarten nicht mehr erfüllten. Teilweise wurden sie ersetzt, die anderen wurden aus statischen und Brandschutz-technischen Aspekten mit neuen Balken eingefasst und verstärkt.

Via Gerüste führt Meier einen Stock hinauf zu einer schrägen Giebelwand des Ochsen. Erst durch das Entfernen des Verbindungsbaus zwischen Ochsen und Bären wurde sie freigelegt; dabei trat der massive Schaden zu Tage. „Wir mussten das Bauprogramm umstellen, um die Statik zu gewährleisten“, führt Meier aus.

Die Statik ist auch im Bären ein großes Thema. Die rissige Wand hin zum Verenahof – auf vier Stockwerken – musste komplett entfernt werden. Im zweiten Obergeschoss, oberhalb des Übergangs zum Stinkegässli, sorgt eine Reihe von Stahlträgern für Stabilität.

Taskforce arbeitet an neuem Zeitplan

Die Verenahof AG hat als Folge der komplexeren Bauarbeiten die Projektorganisation angepasst. Bauingenieur Arthur Hauser verantwortet als Projektleiter der Bauherrschaft neu die Arbeiten im Verenahofgeviert. Er präsidiert auch die entsprechende Taskforce.

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Zusätzlich hat die Bauherrin einem Baumanagement-Büro aus Zürich ein Mandat zur Gesamtleitung des Projekts übertragen. Dieses soll nun einen neuen Zeitplan samt Termin für den Bauabschluss festlegen. Als Betreiberin der Klinik steht Zurzach Care fest, ein Unternehmen für die me­di­zi­ni­sche und so­zia­le Re­ha­bi­li­ta­ti­on und Prä­ven­ti­on. Judith Meier ist dort als Vizepräsidentin im Verwaltungsrat. Für das Restaurant laufen Verhandlungen.

Als Nächstes steht die Fertigstellung der Fassade des Verenahofgevierts an. Die Baugerüste sollen bis zum Sommer verschwinden, die Arbeiten auf der Bäderstraße und dem Kurpark vollendet werden. Einzig der Kran soll stehen bleiben. Er wird für die Baulogistik benötigt.

Verzögerungen in der Vergangenheit

Es ist nicht die erste Verzögerung beim Geviert: Bei Erhalt der Baubewilligung im April 2016 war die Stiftung noch vom 1. September 2018 als Eröffnungstag für Thermalbad, Wohn-Ärztehaus sowie Klinik ausgegangen, bei 2,5 Jahren Bauzeit. Der Startschuss für das Jahrhundert-Bauwerk erfolgte im Frühjahr 2018.