Wie wird man eigentlich Botschafter und was macht so jemand? Das fragten sich die Schüler der zehnten Klassen des Klettgau-Gymnasiums in Tiengen im Rahmen ihres Politikunterrichts.

Am besten stellt man diese Fragen an jemanden, der es wissen muss, dachte sich Thomas Weißenborn, Lehrer für Politik und Physik am KGT. Dass genau so jemand gerade für ein Familienfest nach Tiengen gekommen war und sich bereit erklärte, für die Schüler einen Einführungsvortrag zu geben, war eine glückliche Fügung.

Thomas Weißenborn, Lehrer für Physik und Politik am KGT (links) mit Martin Kobler (rechts) vor einem Bild das Kobler 1997 mit Jassir ...
Thomas Weißenborn, Lehrer für Physik und Politik am KGT (links) mit Martin Kobler (rechts) vor einem Bild das Kobler 1997 mit Jassir Arafat zeigt. Martin Kobler hatte 1994 das deutsche Vertretungsbüro bei der palästinensischen Autonomiebehörde in Jericho eröffnet und bis 1997 geleitet. | Bild: melanie Mickley

Martin Kobler war über vier Jahrzehnte als Diplomat in der Welt unterwegs. Unter anderem als deutscher Botschafter in Ägypten, im Irak und in Pakistan. Für die Vereinten Nationen war er tätig als UN-Sonderbeauftragter für den Irak, als Leiter der UN-Friedensmission im Ostkongo und als UN-Sondergesandter in Libyen. Unter Außenminister Joschka Fischer war er Büroleiter.

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Jetzt ist Martin Kobler im Ruhestand und kam nach langer Zeit wieder für ein paar Tage zurück zu seinen Wurzeln nach Tiengen. Hier ging er in die Grundschule und war Schüler des Hochrhein Gymnasiums in Waldshut, dort machte er 1972 sein Abitur.

Das Klettgau-Gymnasium in Tiengen war seinerzeit noch im Aufbau, sagt Kobler.

Koblers Auftritt in Tiengen

Nun steht er in der Mensa vor rund 100 Schülern des KGT und erklärt erst einmal das Berufsbild eines Botschafters, wo es überall Botschaften gibt und welche Aufgaben von diesen erfüllt werden.

Dichtes Netz an Botschaften in der Welt

Über 200 Auslandsvertretungen gibt es, die sogenannten Botschaften, darunter auch Vertretungen bei internationalen Organisationen wie beispielsweise in New York und Genf bei der Uno oder in Rom bei der Welternährungsorganisation (FAO). Es existiere auch ein weites Netz von Generalkonsulen, die in entlegenere Gebiete entsendet werden. Auf der Landkarte gibt es fast kein Land, was nicht abgedeckt wäre. 1, 2 Prozent des Bundeshaushaltes würde für die weltweite, hauptsächlich humanitäre Hilfe aufgewendet.

Die verbreitete Meinung, dass Diplomaten sich nur auf Empfängen rumtreiben, in Villen residieren und in Limousinen rumkutschieren, stimme so aber nicht.

Um das zu verdeutlichen, zeigt Martin Kobler ein Bild von der Deutschen Botschaft im Irak, die barackenähnlich gebaut und von übereinandergeschichteten Sandsäcken geschützt wird.

Auch die Botschaft in Kabul bestünde nur aus Containern, in denen die Leute arbeiten und zugleich wohnen müssen. In den Krisengebieten seien GSG 9 und SEK-Beamte ständige Begleiter.

Martin Kobler während seines Vortrags im Klettgau-Gymnasium Tiengen.
Martin Kobler während seines Vortrags im Klettgau-Gymnasium Tiengen. | Bild: Melanie Mickley

Botschafter müssten Augen, Ohren und Stimme im jeweiligen Land sein, die die politische Lage beobachten und einschätzen. Wie das genau abläuft, zeigt Kobler anhand verschiedener Beispiele und eigener Erfahrungen.

Auch in die vielfältigen Aufgaben und Missionen der Vereinten Nationen gibt der erfahrene Diplomat einen Einblick. Neben der Mediation stünden hierbei vor allem die Menschen und Menschenwürde in den Mittelpunkt. Dazu gibt er Beispiele zur Verhinderung von Ausbeutung in den Rohstoffminen und zur Rückführung von Kindersoldaten in ein normales Leben. Besonders wichtig sei der Bereich Bildung.

Sein größter Erfolg? Menschen zu retten

Viele Fragen stellen die Zehntklässler nach dem Vortrag, die alle beantwortet wurden – unter anderem: „Was war Ihr größter Erfolg?“. Darauf antwortet Kobler, dass sein größter Erfolg wohl gewesen sei, Menschen gerettet zu haben.

Der Vortrag ist für die Schüler etwas Besonderes. Denn wann hat man schon Gelegenheit, Informationen eines so erfahrenen Diplomaten direkt aus erster Hand zu bekommen, lautet die übereinstimmende Meinung am Ende.

Der Vortrag von Martin Kobler in der Mensa des Klettgau-Gymnasiums Tiengen war für die Schüler der zehnten Klassen etwas Besonderes. ...
Der Vortrag von Martin Kobler in der Mensa des Klettgau-Gymnasiums Tiengen war für die Schüler der zehnten Klassen etwas Besonderes. Denn wann hat man schon Gelegenheit, Informationen eines so erfahrenen Politikers direkt aus erster Hand zu bekommen? | Bild: Melanie Mickley

Im Anschluss daran steht Martin Kobler auch für ein fünfköpfiges Frage-Team der neunten Klasse für ein Interview zur Verfügung, bei dem vor allem die aktuelle Lage in der Ukraine im Vordergrund steht.