Frau Villinger, vor einer Woche hat die Schule wieder begonnen. Konnten Sie Ihre Sommerferien genießen?

Sehr sogar. Mein Mann und ich waren zehn Tage im großen Walsertal zum Wandern. Wir hatten wunderschönes Wetter.

Anders als die meisten Schüler und Eltern denken, sind Sie schon seit Wochen wieder am Arbeiten. Was genau haben Sie bereits erledigen müssen?

Ich habe die übliche Anzahl an Urlaubstagen, so wie jeder Angestellte auch. Das heißt, dass ich auch in den Schulferien arbeite. Mein beruflicher Alltag ist sonst geprägt von häufigen Unterbrechungen. Dies fängt schon um 7 Uhr an, wenn Eltern ihre Kinder krankmelden. In der Ferienzeit ist dies selbstverständlich wesentlich weniger ausgeprägt. Somit genieße ich es in der Ferienzeit, dass ich an Aufgaben auch mal dranbleiben kann. Ich kann dann zum Beispiel in Ruhe ins Archiv, um für ehemalige Schüler, die Abschriften von ihren nicht mehr auffindbaren Zeugnissen benötigen, die Daten zu holen. Weiter sind Prüfungsunterlagen zu archivieren, das alte Schuljahr abzuschließen und das neue Schuljahr zu eröffnen. Die Eingangspost, sowohl die postalische als auch digitale, muss erledigt werden, Rechnungen kontrollieren, Bestellungen aufgeben – eben die Aufgaben, die in jedem Sekretariat anfallen. Gerade am Anfang der Ferienzeit kommen aber auch Schüler und Eltern ins Sekretariat. Formulare für die Kindergeldkasse müssen ausgefüllt werden, Anträge für Fahrkarten gestellt, Schulbescheinigungen werden unter anderem für Ferienjobs der Schüler benötigt. Bafög-Anträge werden abgegeben. Wie immer viel zu tun, aber eben wesentlich weniger als sonst.

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Was hat sich durch Corona bei Ihnen im Schulalltag verändert?

Durch Corona zog sich das neue Online-Bewerberverfahren für die Aufnahme der neuen Schüler in diesem Jahr auch bis in die ersten 1,5 Wochen der Schulferien hinein.
Im Rahmen der Vorbereitungen zum Schulbeginn war dann auch die Umsetzung der Corona-Hygieneverordnungen ein Schwerpunkt. Somit gab es dieses Jahr auch diverse Besprechungen der Schulleitung, deren Ergebnisse meistens auch für mich mit neuen Aufgaben verbunden waren. Auch das Schulleitungsteam ist entgegen der Meinung der meisten, in den Ferien noch aktiv. In der letzten Ferienwoche habe ich diesmal noch eine Auszubildende im ersten Lehrjahr, die im Rahmen ihrer Ausbildung für vier Wochen im Sekretariat dabei ist.

Wie haben Sie an Ihrer Schule die Corona-Krise und den Lockdown erlebt?

Rückblickend muss ich sagen, dass schnell und überlegt und nie hektisch agiert beziehungsweise reagiert wurde, obwohl uns die Erfahrung mit Corona gefehlt hat. Es musste der für uns richtige Weg gefunden werden, denn die Verordnungen des Kultusministeriums sind manchmal eher generell gehalten. Aber das ist der Schulleitung gut gelungen. Die Versorgung mit Schutzausrüstung über das Landratsamt hat auch sehr gut funktioniert.

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Kommen auch Schüler mit Ängsten und Sorgen zu Ihnen?

Wenn die Schüler zum ersten Mal zu mir ins Sekretariat kommen, und ich spüre und sehe ihnen an, dass sie Ängste haben, bemühe ich mich, ihnen diese Ängste zu nehmen. Und wenn ich dann Eltern am Telefon habe, die mir sagen, dass ihr Kind erzählt hat, dass ich ihm helfen konnte oder Schüler sich bei mir persönlich bedanken, dass ich Geduld mit ihnen hatte, freut es mich ungemein. Ich möchte, dass die Schüler wissen, dass sie im Sekretariat willkommen sind, immer ein offenes Ohr habe, und ich ihnen immer im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen werde.
Ich bin ja selbst Mutter von einem wunderbaren Sohn und zwei wunderbaren Stieftöchtern (die bei dieser Aussage jetzt gemeinschaftlich die Augen verdrehen würden) und kann mich in die Schüler hineinversetzten. Für mich ist es auch schön, die Entwicklung der Schüler von Schuleintritt bis Schulaustritt mitzuerleben. Wenn sie als schüchterne Jugendliche mit der Schule beginnen und als gereifte junge Erwachsene die Schule verlassen.

Wie lange sind Sie schon Sekretärin?

Gefühlt müsste ich schon jahrelang Sekretärin sein, tatsächlich allerdings erst seit einem Jahr und zwei Monaten.

Kennen Sie alle Schüler mit Namen?

Wir haben circa 1000 Schüler, da kenne ich selbstverständlich nicht alle. Aber alle, die im positiven wie auch im negativen Sinne auffallen. Nun darf sich jeder Schüler, den ich persönlich mit Namen anspreche, Gedanken darüber machen, ob er mir positiv oder negativ aufgefallen ist. (lacht)

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Wollten Sie schon immer als Schulsekretärin arbeiten?

Ich wollte immer etwas mit Menschen und Organisation/Verwaltung zu tun haben. So habe ich nun das Glück, in meinem Traumjob zu arbeiten. Ich wünsche all meinen Schülern, die am Anfang ihres beruflichen Lebens stehen, dass auch sie das Glück haben, den Beruf zu finden, der sie zufrieden macht.

Was war ihr schönster Moment?

Als ich die E-Mail bekommen habe, dass sich das Landratsamt für mich entschieden hat. Ich würde die Möglichkeit gerne nutzten, um mich bei meinen Sekretärinnen-Kolleginnen von den Gewerblichen Schulen und der Justus-von-Liebig-Schule, meine Kollegin im Haus und dem besten Hausmeister der Welt für ihre Unterstützung in meinem ersten Jahr zu bedanken.

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