Normalerweise liebt Johannes Warth Auftritte vor großem Saalpublikum. Für den Auftakt des zweiten Waldshuter Wissensforums, das das SÜDKURIER Medienhaus zusammen mit der Sparkasse Hochrhein veranstaltet, referierte der selbsternannte Ermutiger jedoch in einem Studio vor einer Videokamera. Diese übertrug seinen Auftritt live ins Internet.

Die Zuschauer verfolgten den Vortrag entweder vor dem Fernseher, PC oder auf mobilen Geräten. Damit der Oberschwabe nicht ganz ohne Applaus leben musste, hatte sich ein achtköpfiges Team der Agentur Sprecherhaus im Studio versammelt – natürlich mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand.

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Nadin Buschhaus, Geschäftsführerin von Sprecherhaus, kündigte Johannes Warth mit den Worten an: „Er ist zwei in einem: ein sehr unterhaltsamer Künstler und ein Wissensvermittler.“ Von beidem konnten sich die Zuschauer bereits beim ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Achtsamkeit überzeugen, das das Kernthema des Vortrags war: „Der erste Samen der Achtsamkeit ist: Sie sind einsame Spitze.“ Viele Menschen würden ihr Licht mit der Aussage „Ich habe noch nie etwas gewonnen“ unter den Scheffel stellen. „Sie haben aber schon bei Ihrer Geburt bewiesen, dass Sie einsame Spitze sind, denn Sie haben sich gegen 400 bis 500 Millionen Mitbewerber durchgesetzt“, sagte Warth schmunzelnd.

Wissenswertes zum Wissensforum

Als weiteren Schritt in Richtung Achtsamkeit nannte der Familienvater den Dreisamen. Mit dem kleinen Fluss Dreisam in Freiburg habe dies jedoch nichts zu tun, sondern mit dem englischen Verb „to try“. „Probieren Sie erstmal etwas aus, bevor Sie sagen, das geht nicht“, empfahl der Experte und demonstrierte dabei seine Jonglierkünste.

„Und wenn ein Ball herunterfällt, dann heben Sie ihn auf und machen weiter.“ Sonst trete nämlich das ein, was Psychologen als selbsterfüllende Prophezeiung bezeichnen: „Es gibt Leute, die wissen schon drei Wochen vor der Fahrt in den Urlaub, dass die Fahrt dorthin anstrengend wird. Dann tritt genau das ein“, nannte Warth ein Beispiel für dieses Phänomen.

SÜDKURIER-Redakteurin Juliane Schlichter verfolgt den Live-Stream von Johannes Warth am PC.
SÜDKURIER-Redakteurin Juliane Schlichter verfolgt den Live-Stream von Johannes Warth am PC. | Bild: Nico Talenta

„Das Furchtsame bitte loswerden“, lautete Warths nächster Tipp, um achtsamer zu werden. Er selbst sei Jahrgang 1961 und mit Furcht aufgewachsen. „Damals hieß es: Der Russe kommt. Ich habe nie einen gesehen.“ Für einen weiteren Tipp zitierte der Referent den bayerischen Humoristen Karl Valentin: „Immer wenn es regnet, freue ich mich, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.“ Wichtig sei es, auch in schwierigen Situation die Freude – den Freudsamen – nicht zu vergessen.

Mit weinerlicher Stimme und oberschwäbischem Dialekt imitierte Johannes Warth seine Mutter: „Was werden nur die Leute sagen?“ Erst mit 50 Jahren habe er erkannt: „Ich muss es nicht jedem recht machen.“ Sätze wie den seiner Mutter oder oberflächliche Freundschaften habe er deshalb ausgesiebt, was er als siebten Schritt zur Achtsamkeit bezeichnete.

Nach seinem kurzweiligen und unterhaltsamen Vortrag stand der Referent noch für Chatfragen der Zuschauer zur Verfügung. „Ich fand ihn sehr gut gemacht“, sagte Peter Kaiser, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Sparkasse Hochrhein, auf Nachfrage über den Live-Stream. „Für die jetzige Ausnahmesituation ist das Format eine gute Lösung“, fügte er hinzu. Registrierte Zuschauer können den Vortrag noch einen Monat lang im Internet abrufen.

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