Ursula Freudig

Wer ihn offenen Sinnes betritt, spürt seine besondere Atmosphäre: Der städtische Alte Friedhof in Waldshut mit seinen alten Gräbern unter großen, urwüchsigen Bäumen ist viel mehr als die Ruhestätte von Verstorbenen.

Nur ein paar Meter von der geschäftigen Kaiserstraße entfernt, ist er auch ein Ort für die Lebenden, die innehalten und zur Ruhe kommen wollen. Als historisch wertvoller, kultureller Ort ist der Alte Friedhof denkmalgeschützt.

Er steht zusammen mit der Gottesackerkapelle für ein Stück Waldshuter Zeitgeschichte und hat nicht selten für Mitglieder alteingesessener Familien eine besondere Bedeutung. So wie einst für Gerlinde und Horst Jacobshagen.

Gerlinde und Horst Jacobshagen wollten auf dem Alten Friedhof beerdigt werden – eine Patenschaft hat es möglich gemacht.
Gerlinde und Horst Jacobshagen wollten auf dem Alten Friedhof beerdigt werden – eine Patenschaft hat es möglich gemacht. | Bild: Ursula Freudig

„Meine Eltern hatte einen besonderen Bezug zum Gottesacker und wollten hier und nicht auf dem Bergfriedhof begraben werden“, sagt Gerd Jacobshagen.

Gerd Jacobshagen.
Gerd Jacobshagen. | Bild: privat

Möglich gemacht hat dies eine Patenschaft.

Besonderheit Patenschaften

Alle Rechte an den Gräbern auf dem städtischen Alten Friedhof sind seit vielen Jahren abgelaufen. So gut wie keine Gräber mehr wurden gepflegt. Sachbeschädigung kam hinzu.

Die Stadt Waldshut-Tiengen machte sich als Verantwortliche Gedanken, wie der denkmalgeschützte Alte Friedhof wiederbelebt und sein Erhalt auf solide und mehrere Füße gestellt werden könnte. Ergebnis waren die Patenschaften. 2005 wurde die erste vergeben. Rund 200 sind es mittlerweile.

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Wie wird man Pate eines Grabes?

Der Ablauf: Ein Pate oder eine Patin eines vorher gemeinsam mit der Stadtverwaltung ausgesuchten Grabes, verpflichtet sich, dieses zu pflegen. Mit Abschluss der Patenschaft beginnt diese Pflicht, für die als Gegenleistung von den Paten das Recht erworben wird, in dem ausgesuchten Grab zwei Urnenbestattungen durchzuführen.

Nach den erlaubten Urnenbestattungen auf dem betreffenden Grab, muss es weitere 15 Jahre gepflegt werden. Die 15 Jahre entsprechen der normalen Ruhezeit für Urnenbestattungen.

Rund um den Alten Friedhof in Waldshut

Der Alte Friedhof in Waldshut mit seinen alten Gräbern, seinen urwüchsigen Bäumen und der Gottesackerkapelle steht unter Denkmalschutz.
Der Alte Friedhof in Waldshut mit seinen alten Gräbern, seinen urwüchsigen Bäumen und der Gottesackerkapelle steht unter Denkmalschutz. | Bild: Ursula Freudig

„Wir als Stadt freuen uns über jeden, der eine Patenschaft übernimmt“, sagt Burkhard Fichtner, der beim städtischen Bauverwaltungsamt maßgeblich in die Vergabe und Organisation der Patenschaften involviert ist.

Pflege muss nicht aufwendig sein

Die Pflicht, ein Grab über ein langen Zeitraum zu pflegen, sollte man nach Aussage von Burkhard Fichtner nicht unterschätzen. Es sollte immer jemand da sein, der im Notfall diese Pflege übernimmt. Besondere Ansprüche stellt die Stadt Waldshut-Tiengen aber nicht.

„Man darf es sich auch einfach machen, ein schöner Bodendecker wie Efeu, der regelmäßig zurückgeschnitten wird, reicht auch, das Grab muss einfach ordentlich aussehen.“ Burkhard Fichtner kennt Paten, denen es über die zwei Urnenbestattungen hinaus, ganz gezielt auch darum geht, mitzuhelfen, den Alten Friedhof als schönen Kulturort der Ruhe und Erholung zu erhalten.

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